Abschied vom Modehaus Jelden

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Abschied vom Mode­haus Jel­den

Zum Jah­res­en­de muss Bre­mer­ha­ven Abschied vom Mode­haus Jel­den neh­men. Am Theo­dor-Heuss-Platz hat der Räu­mungs­ver­kauf bereits begon­nen. Nach 73 Jah­ren schließt das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men für exklu­si­ve Damen- und Her­ren­mo­de. Damit geht wie­der ein Stück Bre­mer­ha­ve­ner Geschich­te zu Ende.

Abschied vom Modehaus Jelden

Im Mai des Jah­res 1945 endet der Zwei­te Welt­krieg, und die Nach­kriegs­zeit beginnt. In Nord­deutsch­land über­nimmt 1945 die bri­ti­sche Mili­tär­re­gie­rung die Regie­rungs­ge­walt. Die Mili­tär­gou­ver­neu­re dür­fen kei­ne Schrit­te unter­neh­men, die zum wirt­schaft­li­chen Wie­der­auf­bau Deutsch­lands füh­ren könn­ten oder geeig­net sind, die deut­sche Wirt­schaft zu erhal­ten oder zu stär­ken. Die Unsi­cher­heit über die Zukunft der deut­schen Wirt­schaft lähmt. Hand­wer­ker und klei­ne Fabri­ken scheu­en sich, ihre Vor­rä­te an Roh­ma­te­ri­al zu ver­ar­bei­ten. Sie wis­sen nicht, ob sie Nach­schub kau­fen kön­nen.

Abschied vom Modehaus Jelden

Das Jahr 1945 ist aber auch das Jahr, in dem in Cux­ha­ven Ger­da und Her­mann Jel­den in der Alten­wal­der Chaus­see 69 im väter­li­chen Eltern­haus ein Laden­ge­schäft eröff­nen. Vor den Wid­rig­kei­ten, die das Kriegs­en­de mit sich bringt, schre­cken sie nicht zurück.

Ab dem 19. Okto­ber 1945 kau­fen die Kun­den bei Jel­den Sicher­heits- und Steck­na­deln, Perl­mutt­knöp­fe, Stof­fe und Wol­le. Auch Schu­he und Pup­pen hat das Laden­ge­schäft im Sor­ti­ment, das Ger­da Jel­den auf­grund ihrer guten Kon­tak­te nach Ham­burg immer wie­der auf­fül­len kann. Ange­stell­te Schnei­de­rin­nen und Stri­cke­rin­nen fer­ti­gen Tex­ti­li­en aller Art.  Die Kun­den bezah­len mit Reichs­mark, an die Wäh­rungs­re­form denkt noch nie­mand. Die Geschäf­te lau­fen anschei­nend gut, denn schon im Fol­ge­jahr erfolgt der Umzug in Cux­ha­vens Hols­ten­stra­ße 4.

Abschied vom Modehaus Jelden

Vie­le Bau­lü­cken zeu­gen davon, dass der Wie­der­auf­bau Bre­mer­ha­vens noch nicht abge­schlos­sen ist. Und doch beweist Ger­da Jel­den im Jah­re 1952 aber­mals Mut und Weit­sicht: Sie eröff­net in der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Stra­ße 77 als Filia­le des Cux­ha­ve­ner Stamm­hau­ses  ein Mode­ge­schäft.

Abschied vom Modehaus Jelden

Am 1. August 1968 über­gibt Ger­da Jel­den das Bre­mer­ha­ve­ner Mode­haus an ihre Toch­ter Hei­de­ma­rie. Sie hat gute Kon­tak­te zu Pari­ser Lie­fe­ran­ten, und schnell wächst die Zahl der bekann­ten Mode­mar­ken, die das Ange­bot von Hei­de­ma­rie Jel­den berei­chern. Selbst aus der Mode­stadt Ham­burg kom­men die Kun­den nach Bre­mer­ha­ven, um sich bei Hei­de­ma­rie Jel­den  ein­zu­klei­den.

Unter­des­sen zieht sich die Fir­men­grün­de­rin zurück. 1980 über­nimmt die gelern­te Schnei­de­rin Frau­ke Calo­gi­rou gemein­sam mit ihrem Ehe­mann das von ihrer Mut­ter Ger­da Jel­den gegrün­de­te Cux­ha­ve­ner Mode­haus an der Hols­ten­stra­ße. Für ihre anspruchs­vol­le Kund­schaft kauf­te Ehe­paar Calo­gi­rou auf inter­na­tio­na­len Mes­sen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge indi­vi­du­el­le Mode von Bogner, Jobis und Jil San­der ein.

Abschied vom Modehaus Jelden

Auch Schwes­ter Hei­de­ma­rie Jel­den agiert über­aus erfolg­reich. So erfolg­reich, dass die Räum­lich­kei­ten in der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Stra­ße 77 zu eng wer­den. Das Geschäft zieht im Jah­re 1987 in die Fähr­stra­ße 1 — 3 um. Gleich­zei­tig wird das Sor­ti­ment durch die Auf­nah­me von geho­be­ner Her­ren­ober­be­klei­dung erwei­tert.

Mit einem wei­te­ren Umzug im Jah­re 1999 in das Eck­haus Theo­dor-Heuss-Platz 3 geht eine aber­ma­li­ge Ver­grö­ße­rung der Geschäfts­flä­che ein­her.

Im Jah­re 2005, nach ihrem 65. Geburts­tag, schließt Frau­ke Calo­gi­rou das Stamm­haus an der Hols­ten­stra­ße in Cux­ha­ven. Die geplan­te Geschäfts­über­ga­be an eine inter­es­sier­te Nach­fol­ge­rin schei­tert, und so endet in Cux­ha­ven eine 60-jäh­ri­ge Ein­zel­han­dels­ge­schich­te.

Abschied vom Modehaus Jelden

In Bre­mer­ha­ven wer­den die Zei­ten schwie­ri­ger. Hei­de­ma­rie Jel­den ent­schließt sich im Jah­re 2008, ihr Laden­lo­kal “Fähr­haus No. 1” mit ihrem Mode­haus Jel­den zu ver­ei­nen und in eine GmbH umzu­wan­deln. Die neu gegrün­de­te Jel­den GmbH bezieht die Räu­me am Theo­dor-Heuss-Platz 1. Das tra­di­ti­ons­rei­che Mode­haus Jel­den hat nun sei­ne end­gül­ti­ge Hei­mat gefun­den.

Vor weni­gen Wochen konn­te Hei­de­ma­rie Jel­den fei­ern. Von den 73 Jah­ren, die das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men in Bre­mer­ha­ven Mode anbie­tet, hat sie das Unter­neh­mens­schiff 50 Jah­re erfolg­reich gesteu­ert und man­che Klip­pe umschifft. Nun möch­te Hei­de­ma­rie Jel­den sich zur Ruhe set­zen. Die Suche nach einem Nach­fol­ger ver­lief erfolg­los. Schwe­ren Her­zens und mit größ­tem Bedau­ern wird sie das Mode­haus Jel­den am Theo­dor-Heuss-Platz 1 zum  Ende des Jah­res 2018 schlie­ßen. Dann muss Bre­mer­ha­ven Abschied vom Mode­haus Jel­den neh­men.
Quel­len:
Wo Indi­vi­dua­li­tät ganz im Vor­der­grund steht, Cux­ha­ve­ner Nach­rich­ten vom 12.4.2005
Chro­nik  des Mode­hau­ses Jel­den

Mode­haus Jel­den in Bre­mer­ha­ven schließt, NORD24

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