10. Dezember 2018
von admin
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Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Das Apol­lo-Kino in Bre­mer­ha­ven

In den Jah­ren von 1946 bis 1956 erlebt das deut­sche Kino eine Blü­te­zeit. 1956 errei­chen in West­deutsch­land die Zuschau­er­zah­len mit 817 Mil­lio­nen Kino­be­su­chern ihren Zenit. Das Apollo-Kino in BremerhavenDer Erfolg wird mit deut­schen Hei­mat­fil­men gene­riert. Son­ja Zie­mann und Rudolf Prack stel­len 1950 das Traum­paar im Nach­kriegs­farb­film “Schwarz­wald­mä­del” dar. Es fol­gen die Kitsch­fil­me “Grün ist die Hei­de” (1951), “Der Förs­ter vom Sil­ber­wald” (1954) und “Das Schwei­gen im Wal­de” (1955). 

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

In die­sen Jah­ren wer­den Kinos zu loh­nen­den Inves­ti­ti­ons­ob­jek­ten. So ent­ste­hen gro­ße Kino­neu­bau­ten mit geschwun­ge­nen asym­me­tri­schen Sälen. Die ange­strahl­ten Wän­de sind mit Stoff bespannt. Bogen­för­mi­ge Trep­pen füh­ren hin­auf zu weit in den Raum ragen­de Gale­ri­en. In den Foy­ers die­ser Kinos gibt es ele­gan­te Süß­wa­ren­stän­de. Das Kino wird zum Palast der Wirt­schafts­wun­der-Gesell­schaft.Das Apollo-Kino in BremerhavenAuch in Bre­mer­ha­ven ent­ste­hen in die­sen Jah­ren an jeder Ecke neue Kinos. Boten 1950 acht Kinos mit 4221 Plät­zen ihre Fil­me an, waren es Ende der 1950er Jah­re sechs­zehn “Licht­spiel­thea­ter” mit 9678 Plät­zen. Das Kino wur­de bald zum Treff­punkt und zum Ort für ers­te zärt­li­che Berüh­run­gen. 

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

In Geest­e­mün­de eröff­net in der Georg­stra­ße 73 am 25. Dezem­ber 1953 Wil­fried Spring­brunn sein neu­es Kino “Euro­pa” und lädt mit 649 Plät­zen zu  ein paar schö­ne Stun­den ein. Vor­bei an den Kas­sen­be­reich und der Pop­corn­ma­schi­ne gelangt der Besu­cher durch das groß­zü­gi­ge Foy­er zum Saal­ein­gang.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Zum Eröff­nungs­tag laden Wil­fried Spring­brunn und sei­ne Frau zu einem Film “für Ver­lieb­te, Ver­lob­te und Ver­hei­ra­te­te” ein: “Ich und Du” ist ein deut­scher Spiel­film mit Har­dy Krü­ger und Lie­se­lot­te Pul­ver. Die Ein­la­dungs­kar­ten sind für zwei Per­so­nen gül­tig.Das Apollo-Kino in Bremerhaven1963 ver­stirbt der Kino­be­trei­ber Wil­fried Spring­brunn, und Kino-Zar Theo Mar­seil­le über­nimmt das Kino “Euro­pa”. Theo Mar­seil­le, Spröss­ling einer Sei­den­we­ber­fa­mi­lie, stammt aus Kre­feld. Mit sei­ner Frau Ilse baut er nach dem Zwei­ten Welt­krieg ein flo­rie­ren­des Film­thea­ter­un­ter­neh­men auf.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Theo Mar­seil­le besitzt bereits die Bre­mer­ha­ve­ner Kinos “Ala­din” in der Rick­mer­stra­ße 13 — 15, “Atlan­tis” in der Hafen­stra­ße 144 und “City” in der Hafen­stra­ße 127, als er im Jah­re 1963 auch das “Euro­pa” über­nimmt und moder­ni­siert. Er will das Kino zum Fami­li­en­thea­ter Geest­e­mün­des machen.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Nach dem Umbau trennt eine Glas­schei­be die Loge unter­halb des Vor­führ­rau­mes vom übri­gen Kino­saal, und fort­an ver­fügt das Kino über die ers­te Rau­cher­lo­ge im Land Bre­men. Zur Wie­der­eröff­nung im Früh­jahr 1963 erhält das Kino auch einen neu­en Namen: “Apol­lo”. Vie­le Jah­re ist das “Apol­lo” neben dem “Ala­din” das gro­ße Erst­auf­füh­rungs­haus Bre­mer­ha­vens. 

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Legen­dä­re Fil­me wer­den hier gespielt. Jahr­zehn­te­lang ist das “Apol­lo” in Bre­mer­ha­ven Inbe­griff für gro­ßes Kino. Im Jah­re 1964 war es “James Bond 007 – Gold­fin­ger” mit Sean Con­ne­ry und dem unver­gess­li­chen Gerd Frö­be, 1968 kam der Ita­lo-Wes­tern “Spiel mir das Lied vom Tod” von Ser­gio Leo­ne, 1971 die “Love Sto­ry” mit Ali Mac­Graw und Ryan O’Neal und 1972 der Mafia­film “Der Pate” mit Mar­lon Bran­do und Al Paci­no. Die­se Film-Klas­si­ker ste­hen für vie­le ande­re gro­ße Fil­me, die vor­her oder nach­her auf­ge­führt wer­den. Es ist unmög­lich, sie an die­ser Stel­le alle auf­zu­zäh­len.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

In den Fol­ge­jah­ren wird im Apol­lo immer wie­der umge­baut. Die Decken wur­den ver­än­dert und Wän­de mit Tep­pi­chen ver­klei­det. Nach der Reno­vie­rung im Jah­re 1979 ist abseh­bar, dass auch in Bre­mer­ha­ven nicht mehr genü­gend Nach­fra­ge nach gro­ßen Licht­spiel­häu­sern vor­han­den ist. Theo Mar­seil­le schließt zum 1. August 1980 trotz einer gera­de abge­schlos­se­nen Reno­vie­rung sein Kino “Capi­tol” in der Hafen­stra­ße 156.  

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Mar­seil­le ent­schließt sich, das Kino “Apol­lo” zu tei­len. In den Mona­ten Juni und Juli 1980 wer­den die Arbei­ten aus­ge­führt. Der ehe­mals gro­ße Saal bekommt nun den Namen “Apol­lo 1” zuge­wie­sen, das neue klei­ne Kino heißt “Apol­lo 2”. In bei­den Kinos darf geraucht wer­den. Klei­ne Abla­gen vor den Sit­zen neh­men die Geträn­ke auf.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Im Jah­re 1993 wird wie­der reno­viert. Im “Apol­lo 1” wer­den die bei­den Bal­ko­ne geschlos­sen und fort­an als Abstell­räu­me genutzt. Das Rau­chen ist nun ver­bo­ten.Das Apollo-Kino in BremerhavenAm 28. April 2007 wird in Bre­mer­ha­ven, Karls­burg 1, das “Cine­Mo­ti­on Bre­mer­ha­ven” mit sechs Kino­sä­le eröff­net. Im April 2007 läuft im “Apol­lo” die letz­te Spiel­wo­che an, danach schließt das Kino für immer die Pfor­ten.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Für das Kino fin­det sich kei­ne wei­te­re Ver­wen­dung. Den ver­schwun­de­nen Glanz des ehe­ma­li­gen Licht­spiel­hau­ses, den Schein der Kron­leuch­ter und den Anblick der roten Samt­vor­hän­ge kann man nur noch erah­nen. Der lecke­re Geruch des süßen Pop­corns hat sich längst in den stau­bi­gen Man­tel der Ver­gan­gen­heit ver­flüch­tigt. Nur die opu­len­te Decken­ge­stal­tung, zwei groß­zü­gi­ge Empo­ren, lee­re Kino­sit­ze und der Pop­corn­au­to­mat zeu­gen noch heu­te vom Glanz & Glo­ria der Wirt­schafts­wun­der­jah­re.Das Apollo-Kino in BremerhavenHeu­te gehört das alte Kino “Apol­lo” in der Georg­stra­ße 73 Lars Wüb­ben, Geschäfts­füh­rer der Wüb­ben GmbH. Ide­en­reich hat er das ehe­ma­li­ge Kino ent­kernt und in ein mul­ti­funk­tio­na­les Ver­an­stal­tungs­zen­trum umbau­en las­sen. Die noch vor­han­de­nen für 1950er und 1960er Jah­re typi­schen Bau­ele­men­te hat Wüb­ben frei­ge­legt. Auf der Empo­re ste­hen wie­der die alten Kino­ses­sel.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Hoch­zei­ten, Tagun­gen, Trau­er­fei­ern, Aus­stel­lun­gen und ande­re Events sol­len für bis zu 400 Per­so­nen hier in Geest­e­mün­de statt­fin­den. Das ehe­ma­li­ge Foy­er wird vom Mul­ti­funk­ti­ons­raum abge­trennt und klei­ne­re Gesell­schaf­ten zur Ver­fü­gung ste­hen. Für das Jahr 2019 steht ein Neu­an­strich der Außen­fas­sa­de auf der Agen­da. Das alte Apol­lo-Schild über dem Ein­gangs­be­reich bleibt erhal­ten.

Das Apollo-Kino in Bremerhaven

Am Abend des 14. Dezem­ber 2018 kehrt im alten Kino “Apol­lo” wie­der Leben ein. Nach ein­ein­halb Jah­ren Umbau­ar­bei­ten wird mit einer Elvis Pres­ley Cover Band die ers­te gro­ße öffent­li­che Ver­an­stal­tung in den sanier­ten Räu­men statt­fin­den. Ein aus­ge­klü­gel­tes Licht- und Ton­kon­zept soll “kei­ne Wün­sche offen las­sen”.

Quel­le:
www.filmportal.de “Die 1950er Jah­re – Vom Kino in Trüm­mern zum Wirt­schafts­wun­der
Hans E. Hap­pel: “Kinos in Bre­mer­ha­ven
Klaus Weber: alle Kinos
Nord­see-Zei­tung vom 30.07.1980, 29.03.2011 und 08.12.2018
radio-bremen.de: “Das Apol­lo-Kino in Bre­mer­ha­ven”, 21.09.2016
Apol­lo Pres­se­mit­tei­lung vom 22.10.2017
Hei­ner Otto: “aus­ge­schla­fen: ‘Apol­lo’ erwacht”, nwzonline.de vom 21.10.2017

6. Dezember 2018
von admin
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Repair Café in Bremerhaven

Repair Café in Bre­mer­ha­ven

Das nächs­te Repair Café fin­det statt am
Sonn­abend, 8. Dezem­ber 2018, von 12 bis 17 Uhr
in der Werk­statt 212, in der Alten Bür­ger 212

Über­all auf der Welt schie­ßen die Repair Cafés wie Pil­ze aus dem Boden. Ende 2013 gab es welt­weit 275 Repair Cafés. Ein Jahr spä­ter konn­te man schon 700 zäh­len. Allein in Deutsch­land wer­den in etwa 180 Repair Cafés Elek­tro­ge­rä­te und Möbel zu neu­em Leben erweckt.Repair Café in BremerhavenAm 13.12.2014 wur­de auch in der See­stadt in der Alten Bür­ger 212 vom Jugend­kli­ma­rat ein Repair Café eröff­net. Hier kann man Gegen­stän­de des täg­li­chen Bedarfs gemein­sam mit frei­wil­li­gen Tüft­lern repa­rie­ren, deren Repa­ra­tur aus wirt­schaft­li­cher Sicht unsin­nig wäre. Ob es ein Toas­ter oder ein defek­tes Smart­pho­ne ist, eine Lam­pe, ein Föhn, Spiel­zeug oder gar ein zer­bro­che­ner Stuhl. Hier bekommt man Hil­fe.

Wir wol­len etwas gegen die Weg­werf­ge­sell­schaft und die Kurz­le­big­keit vie­ler Elek­tro­ge­rä­te tun und damit einen Teil zum Schutz von Mensch und Umwelt bei­tra­gen”, sagt die 13-jäh­ri­ge Swant­je Malin Schä­fer vom Jugend­kli­ma­rat Bre­mer­ha­ven, auf des­sen Initia­ti­ve das ers­te Repair Café in der See­stadt eröff­net.

Aber eines ist erwünscht. Jeder muss bereit sein mit­zu­ma­chen. Nur sei­ne Sachen abge­ben und nach erfolg­ter Repa­ra­tur wie­der abho­len, dass ist nicht der Sinn des Cafés. Hil­fe zur Selbst­hil­fe soll es hier geben, eine gemein­sa­me Lösungs­su­che wird ange­strebt. Viel­leicht bei Kaf­fee und Kuchen? So kommt man in Kon­takt und kann sei­ne prak­ti­schen Fähig­kei­ten ent­de­cken und wei­ter­ge­ben.

Frei­wil­li­ge Hel­fer sind jeder­zeit will­kom­men, Senio­ren, Stu­den­ten, Jugend­li­che, Kin­der oder ande­re Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men bei der Repa­ra­tur ihres Gegen­stan­des zu unter­stüt­zen. Ganz neben­bei wir so welt­weit rund 200.000 Kilo Elek­tro­ab­fall ver­mie­den.

Eines soll aber ver­mie­den wer­den: Das Repair Café soll den ört­li­chen Fach­ge­schäf­ten kei­ne Kon­kur­renz machen. Des­halb wird im Café weder genäht noch wer­den Fahr­rä­der repa­riert.
Quel­le:
Repair-Cafe Bre­mer­ha­ven