13. Februar 2014
von admin
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Die Fährstraße in alten und neuen Ansichten

Die Fähr­stra­ße in alten und neu­en Ansich­ten

1827 kauf­te Bre­men von Han­no­ver ein Gebiet an der Weser­mün­dung, das Bre­mer­ha­ven genannt wur­de. Die wich­tigs­te  Ver­bin­dung nach Geesten­dorf war die Fähr­stra­ße. Die Stra­ße bekam ihren Namen zur Erin­ne­rung an die eins­ti­ge Prahm­fäh­re, mit der man bis 1857 das ande­re Ufer der Gees­te errei­chen konn­te.Die Fährstraße in alten und neuen AnsichtenAls 1857 die ers­te Geest­e­brü­cke gebaut wur­de, ver­schwand die Fäh­re aus der Fluss­land­schaft. Der Name Fähr­stra­ße jedoch wur­de bei­be­hal­ten.Die Fährstraße in alten und neuen AnsichtenWer vom Theo­dor-Heuss-Platz (ehe­ma­li­ger Markt­platz) nach Geest­e­mün­de gelan­gen will, benutzt noch heu­te die­se uralte Ver­kehrs­ver­bin­dung über die Fähr­stra­ße und die im Jah­re 1904 gebau­te Geest­e­brü­cke.

Um 1900 die Bremerhavener Fährstrasse

Die Fähr­stra­ße ist nicht sehr lang und prä­sen­tiert sich dem heu­ti­gen Besu­cher als unschein­ba­re Stra­ße. Von der Grün­der­zeit bis min­des­tens  zur Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert herrsch­te hier aber ein beson­ders leb­haf­tes Geschäfts­le­ben. Noch 1906 soll es in jedem der 26 Häu­ser, die die Fähr­stra­ße besäum­ten, ein oder meh­re­re Geschäf­te, Gast­wirt­schaf­ten, Hand­werks­be­trie­be und Waren­häu­ser gege­ben haben.

Bremerhavener Fährstrasse mit Geesteufer

Die­se Post­kar­ten­idyl­le ende­te jäh in der Bom­ben­nacht des 18. Sep­tem­ber 1944. Es war ein strah­lend schö­ner und war­mer Som­mer­tag, der für eine Wei­le alles Krie­ge­ri­sche ver­ges­sen zu machen schien. Nie­mand ahn­te, dass die kom­men­de Nacht zum Schick­sal für Geest­e­mün­de und Alt-Bre­mer­ha­ven wer­den soll­te. Eigent­lich blieb als ein­zi­ge grö­ße­re Stra­ße nur die Kai­ser­stra­ße von der Ver­nich­tung ver­schont. Auch in der Fähr­stra­ße blieb kein Stein auf dem ande­ren.

1949 Fährstrasse Bremerhaven

Den Flücht­lin­gen aus Geest­e­mün­de war der Weg über die Gees­te ver­sperrt. Nie­mand konn­te die Brü­cke betre­ten, da sogar der Boden­be­lag voll in Flam­men stand. Und auch sämt­li­che Häu­ser­zei­len an der Fähr­stra­ße und am Torf­platz brann­ten lich­ter­loh. Selbst die unmit­tel­bar an der Brü­cke gele­ge­ne Direk­ti­ons-Vil­la der See­beck­werft und auch die dar­an anschlie­ßen­den umfang­rei­chen Dock­an­la­gen der Werft blie­ben nicht ver­schont.

Auch auf der Geest­e­mün­der Sei­te bil­de­ten die lang­ge­streck­ten Schup­pen fluss­ab­wärts ein ein­zi­ges Flam­men­meer. Selbst die am Ufer in lan­ger Rei­he lie­gen­den Fisch­kut­ter und sons­ti­gen Fahr­zeu­ge, ein­schließ­lich des Fähr­damp­fers und des Fähr­hau­ses wur­den ein Raub der Flam­men. Als die Bre­mer­ha­ve­ner und die Geest­e­mün­der mit dem Auf­räu­men began­nen, ris­sen sie vie­le alte Häu­ser gleich mit ab, um für Neu­bau­ten Platz zu schaf­fen.

Die Woh­nungs­not ließ wohl auch kei­ne ande­re Wahl. Bis in die Kai­ser­stra­ße ström­ten die ihres Obdach beraub­ten Bür­ger, um dort irgend­ei­nen Unter­schlupf zu fin­den. Es begann die Zeit, an der sich vie­le älte­re Mit­bür­ger sicher­lich noch erin­nern kön­nen. Es war eine Zeit, in der man an den Woh­nungs­tü­ren 3, 4 oder gar 5 Namens­schil­der und den Zusatz „3mal“ oder „4mal klin­geln“ fand.

1960 Fährstrasse

Das beeng­te Zusam­men­le­ben in den Alt­bau­woh­nun­gen brach­te gro­ße Schwie­rig­kei­ten und locker­te sich erst all­mäh­lich nach dem Wie­der­auf­bau in den 50er Jah­ren.
Die Fährstraße in alten und neuen AnsichtenDer Schutt wur­de weg­ge­räumt, die Stra­ßen­bahn eini­ge Jah­re spä­ter gleich mit. Groß und hell aber mit kal­ter aus­tausch­ba­rer Archi­tek­tur emp­fängt die Fähr­stra­ße die vie­len Autos und die weni­gen Pas­san­ten. Nichts erin­nert mehr an die Schre­cken des Krie­ges. Und an die Stra­ßen­bahn und die schö­nen Häu­ser aus der Grün­der­zeit auch nicht. Es ist ein neu­es Zeit­al­ter!
Quel­len:
P. Raap: Die Bre­mer­ha­ve­ner Stadt­mit­te aus der Luft, Nie­derd. Hei­mat­blatt Nr. 745 01/2012
H. Klop­pen­burg: Die Kata­stro­phen-Nacht von Bre­mer­ha­ven
E. Sjö­vall: Die Kai­ser­stra­ße- Eine Stra­ße erzählt
juwi’s welt: Ein stäh­ler­nes Bau­denk­mal in Akti­on

10. Januar 2020
von admin
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Repair Café in Bremerhaven

Repair Café in Bre­mer­ha­ven
in der Werk­statt 212 in der Alten Bür­ger 212

Die nächs­ten Repair Cafés fin­den an fol­gen­den Ter­mi­nen statt:
Sonn­abend, 08. Febru­ar 2020 und jeden 2. Sams­tag im Monat,
jeweils von 12 bis 17 Uhr.

Über­all auf der Welt schie­ßen die Repair Cafés wie Pil­ze aus dem Boden. Ende 2013 gab es welt­weit 275 Repair Cafés. Ein Jahr spä­ter konn­te man schon 700 zäh­len. Allein in Deutsch­land wer­den in etwa 180 Repair Cafés Elek­tro­ge­rä­te und Möbel zu neu­em Leben erweckt.Repair Café in BremerhavenAm 13.12.2014 wur­de auch in der See­stadt in der Alten Bür­ger 212 vom Jugend­kli­ma­rat ein Repair Café eröff­net. Hier kann man Gegen­stän­de des täg­li­chen Bedarfs gemein­sam mit frei­wil­li­gen Tüft­lern repa­rie­ren, deren Repa­ra­tur aus wirt­schaft­li­cher Sicht unsin­nig wäre. Ob es ein Toas­ter oder ein defek­tes Smart­pho­ne ist, eine Lam­pe, ein Föhn, Spiel­zeug oder gar ein zer­bro­che­ner Stuhl. Hier bekommt man Hil­fe.

Wir wol­len etwas gegen die Weg­werf­ge­sell­schaft und die Kurz­le­big­keit vie­ler Elek­tro­ge­rä­te tun und damit einen Teil zum Schutz von Mensch und Umwelt bei­tra­gen”, sagt die 13-jäh­ri­ge Swant­je Malin Schä­fer vom Jugend­kli­ma­rat Bre­mer­ha­ven, auf des­sen Initia­ti­ve das ers­te Repair Café in der See­stadt eröff­net.

Aber eines ist erwünscht. Jeder muss bereit sein mit­zu­ma­chen. Nur sei­ne Sachen abge­ben und nach erfolg­ter Repa­ra­tur wie­der abho­len, dass ist nicht der Sinn des Cafés. Hil­fe zur Selbst­hil­fe soll es hier geben, eine gemein­sa­me Lösungs­su­che wird ange­strebt. Viel­leicht bei Kaf­fee und Kuchen? So kommt man in Kon­takt und kann sei­ne prak­ti­schen Fähig­kei­ten ent­de­cken und wei­ter­ge­ben.

Frei­wil­li­ge Hel­fer sind jeder­zeit will­kom­men, Senio­ren, Stu­den­ten, Jugend­li­che, Kin­der oder ande­re Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men bei der Repa­ra­tur ihres Gegen­stan­des zu unter­stüt­zen. Ganz neben­bei wir so welt­weit rund 200.000 Kilo Elek­tro­ab­fall ver­mie­den.

Eines soll aber ver­mie­den wer­den: Das Repair Café soll den ört­li­chen Fach­ge­schäf­ten kei­ne Kon­kur­renz machen. Des­halb wird im Café weder genäht noch wer­den Fahr­rä­der repa­riert.
Quel­le:
Repair-Cafe Bre­mer­ha­ven