9. August 2019
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Abrissbagger in Bremerhavens Fritz-Reuter-Strasse

Abriss­bag­ger in Bre­mer­ha­vens Fritz-Reu­ter-Stras­se

Seit fast zwei Wochen ste­hen zwei Abriss­bag­ger in Bre­mer­ha­vens Fritz-Reu­ter-Stra­ße. Als Opfer haben sie sich das Haus Num­mer 6 aus­ge­sucht. Man ver­mu­tet, dass das Gebäu­de Anfang der 1920er Jah­re errich­tet wur­de. Die Bau­sub­stanz soll so schlecht sein, dass eine Sanie­rung nicht mehr mög­lich ist. Abrissbagger in Bremerhavens Fritz-Reuter-StrasseDas Grund­stück mit dem dar­auf ste­hen­den Haus Num­mer 6 hat die GWF Immo­bi­li­en GmbH erwor­ben. Sie will im Jahr 2020 damit begin­nen, auf dem dann fer­tig beräum­ten Grund­stück ein neu­es Wohn- und Geschäfts­haus zu errich­ten. 14 neue Ein‑, Zwei- und Drei-Zim­mer-Woh­nun­gen hat die GWF geplant. Das Erd­ge­schoss ist für Gewer­be­flä­chen vor­ge­se­hen.Abrissbagger in Bremerhavens Fritz-Reuter-StrasseDie GWF hat etwa 1400 in Geest­e­mün­de, Lehe und Mit­te bele­ge­ne Woh­nun­gen im Bestand. In einer Zeit größ­ter Woh­nungs­not grün­de­te im Jah­re 1927 dama­li­ge Mie­ter­ver­ein Bre­mer­ha­ven e.V. sei­ne eige­ne Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft, die heu­ti­ge GWF Woh­nungs- und Immo­bi­li­en GmbH. 
Quel­le:
Nord­see-Zei­tung vom 31.7.2019: “Nach Abriss soll ein Neu­bau ent­ste­hen”

19. Juni 2019
von admin
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Taufparty für die “Vasco da Gama”

Tauf­par­ty für die “Vas­co da Gama”

Das war schon ein sel­te­nes Schau­spiel, wel­ches am ver­gan­ge­nen Pfingst­sonn­tag auf der Weser gebo­ten wur­de. Eine gro­ße Tauf­par­ty für die “Vas­co da Gama” hat vie­le Zuschau­er an die See­bä­der­ka­je gelockt. War der Wil­ly-Brandt-Platz schon am Nach­mit­tag des 9. Juni 2018 um 17 Uhr gut besucht, füll­te er sich ab 20 Uhr merk­lich. Die Schau­lus­ti­gen mar­schier­ten direkt zur Weser, um an der Kaje einen guten Platz zu erwi­schen. Über­all auf der See­bä­der­ka­je wur­den die Smart­pho­nes gezückt, um die Tauf­par­ty für die “Vas­co da Gama” auf einem Foto fest­zu­hal­ten.Taufparty für die "Vasco da Gama"Eigent­lich soll­te die “Vas­co da Gama” erst am Tage der Tauf­par­ty in Bre­mer­ha­ven ein­tref­fen. Doch das Sturm­tief “Ivan” ver­an­lass­te den grie­chi­schen Kapi­tän, Ams­ter­dam nicht anzu­lau­fen son­dern direkt Bre­mer­ha­ven anzu­steu­ern. So mach­te das 219 Meter lan­ge Kreuz­fahrt­schiff bereits am Sonn­abend gegen 20.30 Uhr an der Colum­bus­ka­je fest. 

Die Däm­me­rung hat­te bereits ein­ge­setzt, als die “Vas­co da Gama” lang­sam auf der Weser auf­tauch­te. Zwei Schlep­per brach­ten das Kreuz­fahrt­schiff auf sei­ne Posi­ti­on direkt vor der See­bä­der­ka­je. Toll unter­hal­ten von der Band “United Four” ver­folg­ten etwa 2000 fei­ern­de Zuschau­er auf einer gro­ßen Video­lein­wand, wie auf der “Vas­co da Gama” der Mode­ra­tor Uwe Bahn die Tauf­pa­tin Annett Loui­san ankün­dig­te. Mit einem kräf­ti­gen Hieb auf einen gro­ßen roten Buz­ze­re und den Wor­ten: “Ich wün­sche dir, du schö­nes Schiff, immer eine Hand­breit Was­ser unterm Kiel”, lös­te die Tauf­pa­tin einen elek­tri­schen Kon­takt aus. Dar­auf­hin ließ ein eiser­ner Arm eine Fla­sche Cham­pa­gner am Bug des Kreuz­fah­rers zer­schel­len.Taufparty für die "Vasco da Gama"An Land und an Bord sorg­te der lei­der nur kur­ze Auf­tritt der han­no­ver­schen Rock­band “Fury in the Slaugh­ter­house” für eine tol­le Stim­mung. Gemein­sam mit Annett Loui­san stimm­ten die Band­mit­glie­der spon­tan das schö­ne Lied “Trap­ped Today, Trap­ped Tomor­row” an. Die Stim­me der Tauf­pa­tin war aber lei­der zu schwach, sie konn­te sich ein­fach nicht durch­set­zen.

Nach die­sem Schau­spiel rich­te­ten die Zuschau­er auf dem Schiff und auf der Kaje ihren Blick in süd­li­cher Rich­tung. Über der Geest­e­mo­le erleuch­te­te ein von wun­der­schö­ner Musik unter­mal­tes impo­san­tes Feu­er­werk den Him­mel und bil­de­te den krö­nen­den Abschluss der Schiffs­tau­fe.Taufparty für die "Vasco da Gama"Am Pfingst­mon­tag brach die “Vas­co da Gama” mit 1108 Gäs­ten zu ihrer zehn­tä­gi­gen Tauf­rei­se in die Fjord-Land­schaft Süd­nor­we­gens auf. Neun Näch­te lang kön­nen die ers­ten Pas­sa­gie­re das von Tran­sO­ce­an umge­bau­te Schiff, das im Jah­re 1994 als Pas­sa­gier­schiff “Sta­ten­dam” in Dienst gestellt wur­de, erkun­den. Anschlie­ßend wird der Kreuz­li­ner in Bre­mer­ha­ven zurück­er­war­tet. 
Quel­len:
K. Mün­de­lein: Am Sonn­tag will sie nur tau­fen, Nord­see-Zei­tung vom 5.6.2019
Tauf­par­ty für Kreuz­fah­rer, Sonn­tags­jour­nal vom 9.6.2019

27. Mai 2019
von admin
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Der Kalkofen in Lehe

Der Kalk­ofen in Lehe

Wäh­rend der ers­te Kalk­ofen in Lehe schon für das 18. Jahr­hun­dert nach­ge­wie­sen ist, waren hier nach 1840 bis zu vier Brenn­öfen in Betrieb. Der eine stand am Bahn­über­gang und war im Besit­ze der Fami­lie Will­ms. Der Stand­ort des Tim­mermann­schen Ofens wird in der Nähe der alten Grau­pen­müh­le und der Fran­zo­sen­brü­cke ver­mu­tet, und zwar in der Nach­bar­schaft des Leher Hafens. Ein drit­ter Ofen hat­te sei­nen Platz auf dem Kötz­feld, west­lich von dem Markt­platz, auf dem einst die “Ger­ma­nia” stand. Der statt­lichs­te und moderns­te Kalk­ofen in Lehe war aber ohne Zwei­fel der, den im Jah­re 1850 der Groß­va­ter  von Buern­huus­vad­der Jan Bohls gemein­sam mit den Leher Bür­gern Krü­ger und Wöhl­ken  im Leher Büt­tel nahe der obe­ren Hafen­stra­ße errich­tet hat.Der Kalkofen in LeheLehe hat­te nicht ohne Grund vier Kalk­hüt­ten: Der Fle­cken hat­te in der Zeit von 1734 bis 1808 durch fünf schwe­re Brand­ka­ta­stro­phen 396 Wohn­häu­ser ver­lo­ren. Davon leg­te der Brand von 1796 gan­ze 160 Bau­ten in Schutt und Asche und im Jah­re 1808 wei­te­re 147. Es setz­te eine Bau­tä­tig­keit ein, wie sie Lehe vor­her noch nie erlebt hat­te. Auch das im Jah­re 1827 gegrün­de­te Bre­mer­ha­ven ver­lang­te auf­grund der ein­set­zen­den regen Bau­tä­tig­keit nach Kalk­mör­tel und Bau­stei­nen. Zement gab es damals noch nicht, folg­lich ver­wen­de­te man Muschel­kalk als Bin­de­mit­tel zwi­schen den Stei­nen. Die Fol­ge war eine außer­ge­wöhn­lich star­ke Nach­fra­ge nach Kalk. 

Das Roh­ma­te­ri­al fand man in den Mün­dungs­ge­bie­ten von Elbe und Weser, näm­lich Muscheln und Schne­cken­ge­häu­se. Im Som­mer lie­ßen die Fischer ihre fla­chen Boo­te bei Ebbe tro­cken fal­len und gru­ben kör­be­wei­se Muscheln und Schne­cken müh­sam aus dem Sand aus. Die Fischer brauch­ten bis zu drei Tage, bis ein Kahn voll war. Die „Muschel­scha­len-Fische­rei“, nann­te man in Platt „Schil­len“ (Schill = Scha­le) nann­te. Mit Pfer­de­ge­span­nen wur­den die Muschel­scha­len und Schne­cken­ge­häu­se von den Schill­fi­schern zu den Kal­kö­fen trans­por­tiert und in einem beson­de­ren Ver­fah­ren zu Kalk­mehl ver­brannt.

Der Ofen im Leher Büt­tel ist 11,60 Meter hoch und hat einen Durch­mes­ser von 6 Metern. Die Mau­er ist 0,47 Meter dick. Über dem Erd­bo­den befin­den sich drei Rei­hen Zug­lö­cher. An der Nord­sei­te befin­den sich drei gro­ße Öff­nun­gen zum Ein­schüt­ten der Füll­mas­se. 

Zuerst stell­te der Brand­meis­ter im Ofen eine dop­pel­te Torf­schicht so auf, dass die Torfs­oden in auf­rech­ter Stel­lung schräg gegen­ein­an­der stan­den. Auf die­se Schicht schüt­te­te er dann eine 10 cm dicke Lage Muscheln. Wei­te­re Torf- und Muschel­schich­ten folg­ten, die zunächst durch die Sei­ten­öff­nun­gen und zum Schluss durch den Schorn­stein ein­ge­bracht wur­den. Auf Lei­tern wuch­te­ten die Arbei­ter die mit dem Torf und mit den Muschel­scha­len gefüll­ten Kör­be zu den Luken hin­auf.

In die Mit­te des Füll­gu­tes wur­de ein Eisen­rohr gestellt, um einen Schacht – den “Schorn­stein” – zu bil­den. War der Kalk­ofen gefüllt, wur­de das Eisen­rohr ent­fernt. Schließ­lich wur­den die Öff­nun­gen mit Mau­er­stei­ne ver­schlos­sen. Dann füll­te man glü­hen­de Holz­koh­le in den “Schorn­stein”. Die Brenn­hit­ze erreich­te tau­send Grad. Damit der Ofen nicht aus­ein­an­der­plat­zen wür­de, sicher­ten acht Eisen­bin­der und eine Ket­te das einen hal­ben Meter dicke Mau­er­werk.Der Kalkofen in LeheDrei Tage zogen dicke Rauch­schwa­den durch den Fle­cken, dann lag auf dem Boden des Ofens das mit der Tor­fa­sche ver­misch­te hei­ße Kalk­mehl. Man zog es aus der unte­ren Luke und trans­por­tier­te es zum unmit­tel­bar dane­ben­lie­gen­den “Kalk­haus”. Dort gos­sen die “Löscher” bis zu zwan­zig Eimer Was­ser auf den hei­ßen Kalk und ver­rühr­ten ihn in Holz­trö­gen zu einem fei­nen Brei. Mit Eisen­schlä­geln, die an einem Holz­stiel befes­tigt waren, wur­de nun die Mas­se unter stän­di­gem Rüh­ren hin und her, um auch die nicht ver­brann­ten Muschel­stü­cke zu zer­klei­nern.

Eine mit Muschel­kalk gefüll­te Ton­ne kos­te­te damals etwa vier Reichs­mark. Der hoch­wer­ti­ge Muschel­kalk wur­de bis nach Thü­rin­gen und in die Mag­de­bur­ger Bör­de ver­kauft.

In Bre­mer­ha­ven-Lehe gibt es noch einen Zeu­gen der Muschel­kalk-Her­stel­lung. Wie eine selt­sam geform­te Stein­gut­fla­sche erhebt sich der Kalk­ofen an der Weich­sel­stra­ße im Leher Büt­tel. Die­ses im Jah­re 1850 erbau­te Indus­trie­denk­mal ist der ein­zi­ge noch erhal­te­ne Brenn­ofen an der Unter­we­ser und der ein­zi­ge Über­le­ben­de von den ursprüng­lich vier Leher Öfen.

Seit dem Jah­re 1870 ist der Büt­te­ler Ofen erkal­tet. Die Zeit des Muschel­kalks war vor­bei. Man benutz­te ihn nur noch zum Wei­ßen der Innen­räu­me, solan­ge es in den Alt­bau­ten noch kei­ne Tape­ten gab. An die Stel­le des Muschel­kal­kes trat nun der mit der Bahn oder auf Schif­fen her­an­ge­hol­te Stein­kalk. Und dann trat der Port­land-Zement sei­nen Sie­ges­zug an.

Aber 25 Jah­re spä­ter zog in den Kalk­ofen in Lehe neu­es Leben ein. Im Jah­re 1895 hat ein Stor­chen­paar auf dem erlo­sche­nen Schorn­stein sein Nest gebaut, und jeden Früh­ling war­te­te ganz Lehe auf die Rück­kehr der Stör­che.Der Kalkofen in LeheIm Jah­re 1976 wur­de der Kalk­ofen im Leher Büt­tel unter Denk­mal­schutz gestellt. Er gilt als tech­ni­sches Denk­mal mit gro­ßem Sel­ten­heits­wert in der Kul­tur­land­schaft Nord­deutsch­lands und wur­de 2012 für 20.000 Euro mit Hil­fe der Stif­tung Wohn­li­che Stadt saniert. Bereits 1939 wür­dig­te das Inven­tar der Kunst­denk­ma­le der Pro­vinz Han­no­ver den Kalk­ofen im Leher Büt­tel als Denk­mal einer vor­in­dus­tri­el­len Epo­che mit einer Abbil­dung.
Quel­len:
H. Schrö­der: Geschich­ten der Stadt Lehe, Sei­te 222
C. C. Cor­des: Der alte Kalk­ofen im Leher Büt­tel, Nie­der­deut­sches Hei­mat­blatt Nr. 217 vom Janu­ar 1968
H. Cars­tens: Zement ver­dräng­te Muschel­kalk, Nie­der­deut­sches Hei­mat­blatt Nr. 722 vom Febru­ar 2010
B. Sche­per: Bre­mer­ha­ven so wie es war, Sei­te 25
H. Gab­cke: Bre­mer­ha­ven in zwei Jahr­hun­der­ten 1827 – 1918, Sei­te 63
Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge: Kalk­ofen