15. März 2019
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Ziegfeld — von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Zieg­feld – von Kolo­ni­al­wa­ren zu Haus­halts­wa­ren

Das Tra­di­ti­ons­haus Zieg­feld war 113 Jah­re lang ein Begriff in Bre­mer­ha­ven. Von der Grün­dung bis zur Schlie­ßung im Jah­re 1990 haben Genera­tio­nen dort ihren täg­li­chen Bedarf gedeckt. Heu­te erin­nert nur noch ein Schrift­zug an einer Haus­fas­sa­de an das Tra­di­ti­ons­haus Zieg­feld.

In Bre­mer­ha­ven blüh­ten die Geschäf­te. Die Aus­wan­de­rer sorg­ten für gute Umsät­ze. Neben vie­len ande­ren Men­schen zog es auch Wil­helm Andre­as Zieg­feld aus Ost­fries­land in das noch jun­ge Bre­mer­ha­ven. In der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Stra­ße grün­de­te er im Jah­re 1878 sei­ne Kolo­ni­al­wa­ren­hand­lung.

Ziegfeld - von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Die Söh­ne von Wil­helm Andre­as Zieg­feld änder­ten die Pro­dukt­pa­let­te. Aus der Kolo­ni­al­wa­ren­hand­lung wur­de ein Geschäft für Eisen­wa­ren. Auch Küchen- und Haus­halts­wa­ren konn­ten die Bre­mer­ha­ve­ner hier nun erwer­ben. Eine Wäsche­man­gel, die um 1900 in Gebrauch war und aus der Bre­mer­ha­ve­ner Eisen­wa­ren­hand­lung Zieg­feld stammt, ist noch heu­te im His­to­ri­schen Muse­um zu sehen. Sie war dort Blick­fang einer Kabi­nett­aus­stel­lung.

Ziegfeld - von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Bald konn­te man bei Zieg­feld auch Fahr­rä­der kau­fen. Dort, wo heu­te das Deut­sche Schif­fahrts­mu­se­um sei­ne Besu­cher emp­fängt, lehr­te Zieg­feld sei­nen Kun­den die Kunst des Rad­fah­rens. Eigens dazu lie­ßen sie eine Fahr­rad­lehr­bahn anle­gen. Die bei­den Welt­krie­ge nah­men der Fami­lie Zieg­feld ihre Erben. Ernst Hancke Bruns, ein ehe­ma­li­ger Zieg­feld-Lehr­ling, muss­te mit­ten im Krieg das Unter­neh­men über­neh­men. Er war ein belieb­ter Chef, der einem Aus­zu­bil­den­den für gute Leis­tun­gen den Füh­rer­schein bezahlt haben soll. Als ein Ver­käu­fer den Wunsch äußer­te, eine Woh­nung über dem Geschäft mie­ten zu wol­len, soll er ein­ver­stan­den gewe­sen sein – mit der Auf­la­ge, dass vor Unter­zeich­nung des Miet­ver­tra­ges gehei­ra­tet wer­den muss.

Ziegfeld - von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Bis zur Schlie­ßung im Jah­re 1990 führ­te sei­ne Fami­lie das Waren­haus mit bis zu 80 Beschäf­tig­ten. Töp­fe und Pfan­nen, Gar­de­ro­ben, Eisen­wa­ren wur­den im Erd­ge­schoss ver­kauft. Eine Trep­pe höher wur­den Spiel­wa­ren ange­bo­ten. Da konn­te man elek­tri­sche Eisen­bah­nen kau­fen. Oder auch Laub­sä­gen samt Zube­hör.

Ziegfeld - von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Noch heu­te erin­nern sich vie­le ehe­ma­li­ge Kun­den an die tol­le Bera­tung, die man bei Zieg­feld bekam. Das Fach­per­so­nal soll gut geschult und sehr kom­pe­tent gewe­sen sein. Trotz­dem war vor nun­mehr fast 30 Jah­ren Schluss. Kurz vor­her aber ver­kauf­te das Waren­haus die letz­ten Arti­kel zu einem Spott­preis. Klein­ei­sen­tei­le wur­den eimer­wei­se abge­ge­ben – 10 Deut­sche Mark pro Eimer. Die Beschäf­tig­ten tref­fen sich  seit der Schlie­ßung ein­mal jähr­lich zum Grün­koh­les­sen. “Es war eine tol­le Kol­le­gia­li­tät”, so ein ehe­ma­li­ger Zieg­feld-Mit­ar­bei­ter.

Ziegfeld - von Kolonialwaren zu Haushaltswaren

Die Toch­ter von Ernst Hancke Bruns, Nan­na Sem­ken, ist Anfang 2018 ver­stor­ben. Sie war war die letz­te Geschäfts­füh­re­rin.

Bis auf den Arti­kel in der Nord­see-Zei­tung konn­te ich zu die­sem Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen fin­den.
Quel­le:
”Bei Zieg­feld waren die Kol­le­gen groß­ar­tig”, Nord­see-Zei­tung vom 12.02.2018

26. Februar 2019
von admin
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Dirnen, Schankmädchen und Hafenspelunken.

Dir­nen, Schank­mäd­chen und Hafen­spe­lun­ken. Pro­sti­tu­ti­on in Bre­mer­ha­ven und Bre­men wäh­rend der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts

Dirnen, Schankmädchen und Hafenspelunken

Stets hat die christ­li­che Kir­che Lust und Sinn­lich­keit als Sün­de ver­dammt. Gleich­wohl war die Pro­sti­tu­ti­on im Mit­tel­al­ter eine lega­le Tätig­keit, und die Dir­nen hat­ten ihren Platz in der Gesell­schaft.

Um die Pro­sti­tu­ti­on in Bre­mer­ha­ven und Bre­men wäh­rend der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts han­delt ein Vor­trag, den die His­to­ri­ke­rin Kim Kris­tin Breit­mo­ser am 7. März 2019 um 18 Uhr im Casi­no der Weser-Elbe-Spar­kas­se in der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Stra­ße hält.

Unter dem Titel “Dir­nen, Schank­mäd­chen und Hafen­spe­lun­ken” befasst sich die Wis­sen­schaft­le­rin mit der Aus­wir­kung der Pro­sti­tu­ti­on auf den sozia­len und dadurch auch topo­gra­fi­schen Wan­del nord­deut­scher Städ­te im Zeit­raum von 1750 bis 1850.

Die pro­mo­vier­te His­to­ri­ke­rin meint, über den Zugang der Pro­sti­tu­ti­ons­for­schung auch viel über die Lebens­wel­ten aller ande­ren Per­so­nen erfah­ren zu kön­nen. Den Grund hier­für sehe sie dar­in, dass die Art und Wei­se, wie die Pro­sti­tu­ti­on aus­ge­übt wird, immer auch die Situa­ti­on der umlie­gen­den Gesell­schaft wider­spie­ge­le. Für ihr For­schungs­pro­jekt sei­en die ers­ten drei Jah­re Bre­mer­ha­vens bis zur Eröff­nung des Hafens beson­ders inter­es­sant gewe­sen.
Quel­len:
Stadt­ar­chiv Bre­mer­ha­ven, Vor­trags­pro­gramm Früh­jahr 2019
J. Rab­bel: “Vier­mal Geschich­te sicht­bar erle­ben”, Nord­see-Zei­tung v. 18.02.2019

14. Februar 2019
von admin
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Bürgerhaus Lehe

Bür­ger­haus Lehe

Der im Jah­re 1862 opu­lent gestal­te­te Saal des Bür­ger­haus Lehe wur­de im Jah­re 1896 mit einer Büh­ne aus­ge­stat­tet. in die­sen Jah­ren hat der Saal vie­le fest­li­che Zei­ten erlebt. Er war Ball­saal und Treff­punkt der Leher Hono­ra­tio­nen. Und seit etwa 1922 für vie­le Jah­re auch Ver­samm­lungs­ort des Schüt­zen­ver­ein Lehe von 1848 e. V. Bürgerhaus LeheNach dem Zwei­ten Welt­krieg war das an der Fried­hof­stra­ße gele­ge­ne Bür­ger­haus Lehe für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein Ort, an dem sie die Müh­sal die­ser Zeit für ein paar Stun­den ver­ges­sen konn­ten. So führ­te das Stadt­thea­ter hier im Okto­ber 1945 Zuck­may­ers Volks­stück “Katha­ri­na Knie” auf. Und noch in den spä­ten 1950er Jah­ren beka­men die jun­gen Leu­te hier ihren Tanz­un­ter­richt. Beim Abtanz­ball wur­de das Erlern­te vor­ge­führt. Und sonn­tags lud das Bür­ger­haus zum Tanz­tee ein. Wäh­rend die einen das Tanz­bein schwan­gen, erfreu­ten sich neben­an die ande­ren am Kegeln.

Doch der eins­ti­ge Glanz des Saa­les im Bür­ger­haus Lehe an der Eisen­bahn­stra­ße war ver­blasst. Mehr als 50 Jah­re wur­de der rund 400 Qua­drat­me­ter gro­ße Saal nicht mehr genutzt. Dann aber mach­te sich eine Leher Fir­ma dar­an, den Saal in dem his­to­ri­schen Grün­der­zeit­ge­bäu­de zu ent­ker­nen. Dabei wur­de auch die gut erhal­te­ne alte Decke frei­ge­legt.
Quel­le: Mar­ti­na Löw­ner, “Der Glanz längst ver­gan­ge­ner Tage”, Sonn­tags­jour­nal vom 27.05.2012

Bürgerhaus Lehe
Nach­trag vom 10.02.2019
Die Umbau- und Sanie­rungs­ar­bei­ten in der Leher Fried­hofs­stra­ße 15 för­der­ten vie­le Über­ra­schun­gen zuta­ge. So muß­te der zunächst für den 1. Sep­tem­ber 2018 geplan­te Eröff­nungs­ter­min ver­scho­ben wer­den. Auch der Okto­ber­ter­min war nicht zu rea­li­sie­ren. Aber alle Schwie­rig­kei­ten konn­ten gemeis­tert wer­den, und seit 16. Novem­ber 2018 ist das Bür­ger­haus Lehe wie­der in Betrieb. Der Inha­ber Niko­laj Grom­berg bie­tet auf sei­ner Inter­net­sei­te einen “hel­len und groß­zü­gig gestal­te­ten Tanz­saal” als “Raum für fest­li­che Anläs­se, Ver­an­stal­tun­gen und sons­ti­ge Fei­ern” an. Und auch die Sport­keg­ler sind wie­der da. Die  22 moder­nen Kegel­bah­nen wer­den vom Keg­ler­ver­ein Bre­mer­ha­ven e. V. genutzt, ste­hen aber auch für pri­va­te Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung.