Die H. F. Kistner Baugesellschaft

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Die 1853 gegrün­de­te H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft war über ein­hun­dert Jah­re so eng mit der See­stadt ver­knüpft, dass sie wohl noch heu­te jeder Bre­mer­ha­ve­ner Bür­ger kennt. Doch wer war der Fir­men­grün­der? Und wer waren sei­ne Nach­fol­ger?

Firmengründer der H. F. Kistner Baugesellschaft

Als Hein­rich Fried­rich Kist­ner sich im Jah­re 1842 von sei­nem Hei­mat­ort Hud­des­torf an der Mit­tel­we­ser in das erst 15 Jah­re zuvor gegrün­de­te Bre­mer­ha­ven auf­mach­te, war er gera­de mal 16 Jah­re alt. Eigent­lich woll­te er sich in Bre­mer­ha­ven nicht lan­ge auf­hal­ten. Wie vie­le ande­re Men­schen in jenen Jah­ren, so hat­te auch Hein­rich Fried­rich Kist­ner Aus­wan­de­rungs­plä­ne.

Zunächst aber absol­vier­te der 20-Jäh­ri­ge eine Mau­rer­leh­re bei Mau­rer­meis­ter Jacob Eits. Er schloss sei­ne Aus­bil­dung erfolg­reich ab, ver­lob­te sich mit sei­ner Hen­ri­et­te und woll­te nun schnell mit sei­nen bereits bezahl­ten Tickets nach Rich­mond in die USA. Aber die Umstän­de woll­ten es, dass der Paket­seg­ler sich ohne die jun­gen Leu­te auf die Rei­se mach­te – die Aus­steu­er war nicht fer­tig gewor­den.

Hein­rich Fried­rich Kist­ner blieb in Bre­mer­ha­ven und leg­te mit 27 Jah­ren sei­ne Prü­fung zum Mau­rer­meis­ter ab. Er erkann­te, dass es hier in der auf­stre­ben­den Hafen­stadt für gute Bau­hand­wer­ker genug Arbeit gab. Als die Gemein­de Lehe ihm das Bür­ger­recht ver­lieh, ver­folg­te Hein­rich Fried­rich sei­ne Aus­wan­de­rungs­plä­ne nicht wei­ter und grün­de­te im Jah­re 1853 in der Leher Post­stra­ße  sei­ne Bau­fir­ma H. F. Kist­ner.

ehemaliges Wohnhaus des Reeders Bösch

Zu sei­nen ers­ten Arbei­ten gehör­ten Häu­ser, die der Werft­be­sit­zer Cla­sen Rick­mers für sei­ne Arbei­ter und Ange­stell­ten in Auf­trag gab sowie das Pri­vat­haus an der Ecke Deich- und Keil­stra­ße für den Kauf­mann Dani­el Claus­sen. Beson­ders gro­ße Auf­merk­sam­keit hat er mit sei­nen Arbei­ten an der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Gedächt­nis-Kir­che auf sich gezo­gen. Man lob­te ihn damals, dass er “auch die gefähr­lichs­ten Arbei­ten an dem schlan­ken Turm mit sei­ner kunst­voll durch­bro­che­nen Spit­ze in Ruhe und Beson­nen­heit aus­ge­führt” hat.

Bald hat­te Mau­rer­meis­ter Kist­ner genü­gend Geld zum Bau eines eige­nen Hau­ses ange­spart. Er erstell­te es auf dem Süd­er­feld an der Post­stra­ße und bezog es im Mai 1860 mit sei­ner Frau Hen­ri­et­te und sei­nem am 12.04.1855 gebo­re­nen ältes­ten Sohn Carl. Am 19.07.1860 wur­de Johann, der zwei­te Sohn, gebo­ren. Hein­rich kam am 17.11.1863 als drit­tes Kind hin­zu. Und im Sep­tem­ber 1865 mach­te schließ­lich Theo­dor das Quar­tett voll.

Im Jah­re 1868 erwarb Mau­rer­meis­ter H. F. Kist­ner das an der Ecke Hafen­stra­ße und der spä­te­ren Kist­ner­stra­ße ste­hen­de Haus mit dem Gelän­de der still­ge­leg­ten Zie­ge­lei von Johann Krü­ger. Er bau­te hier wei­te­re Häu­ser hin, aus denen bald eine neue Stra­ße wur­de, die im Mai 1890 auf­grund eines Magis­trats­be­schlus­ses den Namen “Kist­ner­stra­ße” erhielt.

Hafenstraße 52 um 1870

Schließ­lich erwarb der Betrieb H. F. Kist­ner ein zwi­schen der Hafen­stra­ße und dem Geest­e­deich bele­ge­nes Gelän­de. Hier­auf bau­te der Mau­rer­meis­ter das Wohn­haus Hafen­stra­ße 58, in das er im Herbst 1870 mit sei­ner Fami­lie ein­zog und bis zu sei­nem Tode bewohn­te. Das Haus ent­wi­ckel­te sich zum Mit­tel­punkt des Betrie­bes und war noch bis lan­ge nach dem Zei­ten Welt­krieg die Zen­tra­le und das Haupt­kon­tor der H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft.

Kon­se­quen­ter­wei­se ver­leg­te Mau­rer­meis­ter Kist­ner im Jah­re 1870 auch sei­nen Fir­men­sitz hier­her in die süd­li­che Hafen­stra­ße, wo sich bereits ande­re Betrie­be der Bau­bran­che (zum Bei­spiel das Holz­sä­ge­werk W. Rog­ge und die Kalk­bren­ne­rei Wilms) mit ihren Lager­plät­zen ange­sie­delt hat­ten. Der Stand­ort war ide­al — die Hafen­stra­ße und die rück­wär­ti­ge Gees­te boten eine her­vor­ra­gen­de Ver­kehrs­an­bin­dung.

In die­sen Jah­ren hat die Fir­ma Kist­ner das Bre­mer­ha­ve­ner Stadt­bild ent­schei­dend mit­ge­prägt. Vie­le Kist­ner­bau­ten erkennt man an den mit tief­ro­ten Zie­geln ver­blen­de­ten Häu­ser­fas­sa­den. Bei­spie­le hier­für sind die Kaser­ne der Matro­sen-Artil­le­rie von 1886 – 1887 und die bei­den Häu­ser an der Hafen­stra­ße Ecke Kist­ner­stra­ße. Auch an dem Aus­bau des Geschäfts- und Wohn­vier­tels an der Kai­ser­stra­ße (heu­ti­ge “alte Bür­ger”) hat­te die H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft einen erheb­li­chen Anteil.

Blick von der Hafenstraße in die Kistnerstraße

Auch die Luthe­ri­sche Kreuz­kir­che, die Koch­sche Töch­ter­schu­le, das Mari­en­bad und das Gym­ny­si­um an der Pra­ger Stra­ße (frü­her Grü­ne Stra­ße) gehört zu den vie­len ande­ren Bau­ten, an denen die Fir­ma H. F. Kist­ner vor der Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert gear­bei­tet hat und die von der Leis­tungs­kraft der H. F. Bau­ge­sell­schaft Zeug­nis ableg­ten.

Auch die Kreuz­kir­che, das Hafen­haus, das spä­te­re Stadt­haus, ver­schie­de­ne Was­ser­tür­me, die gro­ße Maschi­nen­hal­le des Nord­deut­schen Lloyd, die Leucht­tür­me “Mey­ers Leg­de” und “Evers Sand”, der Aus­bau des Fische­rei­ha­fens in den Jah­ren 1891 bis 1896 und die Erwei­te­rung des Kai­ser­ha­fens mit der Kai­ser­schleu­se in den Jah­ren 1892 bis 1897 blei­ben auf immer mit dem Namen H. F. Kist­ner ver­bun­den.

Kistner-Villa Bremerhaven, Hafenstraße 50

Spä­ter als ande­re Unter­neh­mer, die in die­sen Jah­ren schon in ihren statt­li­chen Vil­len an der Hafen­stra­ße wohn­ten, errich­te­te Johann Kist­ner sei­ne heu­te denk­mal­ge­schütz­te Vil­la. Sie wur­de erst im Jah­re 1897 nah an H. F. Kist­ners Lager­platz an der Gees­te gebaut und erhielt die Anschrift “Hafen­stra­ße 50” zuge­teilt. Das prunk­vol­le Gebäu­de mit sei­ner reich ver­zier­ten Fas­sa­de ließ kei­nen Zwei­fel auf­kom­men: Dies ist das Domi­zil eines über­aus erfolg­rei­chen Geschäfts­man­nes.

16_Hafenstraße 60

Carl Kist­ner indes­sen war Eigen­tü­mer des an der Hafen­stra­ße 60 Ecke Werft­stra­ße bele­ge­nem reprä­sen­ta­ti­ven Wohn­hau­ses. Eine der Woh­nun­gen   war an den Werft­di­rek­tor Max Rind­fleisch, von 1910 bis zu sei­nem Tode 1930 Lei­ter der Schichau Unter­we­ser AG, ver­mie­tet.  Nach dem Tode von Carl Kist­ner im Jah­re 1918 ging das Gebäu­de zeit­wei­se in den Besitz der Schichau Unter­we­ser AG über. Wei­te­re lei­ten­de Werft­an­ge­stell­te fan­den in dem Haus eine Woh­nung. Ende der 1960er Jah­re wur­de es abge­ris­sen. Auf dem Grund­stück ent­stand der neue Kist­ner-Bau­markt.

Patentschrift Kalksandstein

Die Indus­tria­li­sie­rung im 19. Jahr­hun­dert brach­te rie­si­ge Bau­auf­ga­ben mit sich. So war es nicht ver­wun­der­lich, dass man danach such­te, wie man Stei­ne aus Kalk­mör­tel her­stel­len kann.  Schon im Jah­re 1854 press­te der deut­sche Arzt und Natur­wis­sen­schaft­ler Dr. Anton Bern­har­di mit einer höl­zer­nen Hebel­pres­se den ers­ten gehär­te­ten Kalk­mör­tel­stein. Aber die Stei­ne waren nicht fest genug. Es soll­te noch eini­ge Jah­re dau­ern, bis der Bau­stoff­che­mi­ker Dr. Wil­helm Michae­lis im Jah­re 1880 den ers­ten brauch­ba­ren Kalk­sand­stein her­stel­len konn­te. Nun woll­te man die Kalk­sand­stei­ne indus­tri­ell in gro­ßen Men­gen her­stel­len. 1894 wur­de im schles­wig-hol­stei­ni­schen Neu­müns­ter eine aus Eng­land impor­tier­te Pres­se auf­ge­stellt, die drei Arbeits­gän­ge — Fül­len, Pres­sen und Aus­sto­ßen – selb­stän­dig aus­führ­te. Es war der Beginn der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on des Kalk­sand­stei­nes, der sich nun in ganz Deutsch­land als neu­er Bau­stoff eta­blier­te. In den Jah­ren 1898 und 1899 nah­men wei­te­re Wer­ke in Deutsch­land – und damit welt­weit – ihre Arbeit auf.

Briefkopf der Firma H. F. Kistener

Auch H. F. Kist­ner erkann­te die neu­en Mög­lich­kei­ten, die der Kalk­sand­stein bot. Nach­dem er im Jah­re 1895 sei­ne Bau­fir­ma um eine Bau­stoff­hand­lung erwei­ter­te, erwarb er im Jah­re 1904 fol­ge­rich­tig eine Lizenz, um selbst Kalk­sand­stei­ne her­stel­len zu dür­fen. Das soll­te ihn unab­hän­gig von frem­den Lie­fe­ran­ten machen. Die Hart­stein­pres­se und den Dampf­druck­be­häl­ter bestell­ten die Fir­men­in­ha­ber Carl und Hein­rich Kist­ner bei der Maschi­nen­fa­brik Franz Kom­nick in der ost­preu­ßi­schen Han­se­stadt Elbing.

Produktionsprozess im Kalksandsteinwerk

Im glei­chen Jahr ver­kauf­te der Leher Magis­trat an die Fir­ma Kist­ner einen Teil des kom­mu­na­len Lade- und Lösch­plat­zes. Die­ser Platz wur­de erst im Jahr zuvor zwi­schen der Gees­te und der damals bereits aus­ge­bau­ten Werft­stra­ße ange­legt. Er erstreck­te sich von der Aue­mün­dung im Osten und wur­de im Wes­ten vom Grund­stück der Fir­ma Kist­ner begrenzt. Auf die­sem Platz errich­te­te die Fir­ma Kist­ner in den Jah­ren 1903 und 1904 ein Kalk­sand­stein­werk. Die Kapa­zi­tä­ten des Wer­kes waren groß genug, um über den eige­nen Bedarf hin­aus auch die Nach­fra­ge der ande­ren in den Unter­we­ser­or­ten ansäs­si­gen Bau­un­ter­neh­mun­gen zu befrie­di­gen.

Zu jenem Zeit­punkt war der Kalk­sand­stein noch kein von den Bau­ord­nungs­äm­tern aner­kann­tes Bau­ma­te­ri­al. Obwohl Kalk­sand­stei­ne inner­halb einer ver­hält­nis­mä­ßig kur­zen Zeit eine gro­ße Ver­brei­tung gefun­den haben, hat­te man über die Eigen­schaf­ten nur weni­ge oder zum Teil sogar fal­sche Infor­ma­tio­nen. Mit dem Bau­we­sen befass­te Unter­neh­men rich­te­ten an das König­li­che Mate­ri­al­prü­fungs­amt den Wunsch, die Ergeb­nis­se von Kalk­sand­stein­prü­fun­gen zu ver­öf­fent­li­chen und umfas­sen­de Aus­künf­te über die bau­tech­ni­schen Eigen­schaf­ten der Kalk­sand­stei­ne zu ertei­len. So erschien im Jah­re 1908 das Buch “Die Prü­fung und die Eigen­schaf­ten der Kalk­sand­stei­ne”.

Prüfung und Eigenschaften der Kalksandsteine

Das Zen­tral­blatt der Bau­ver­wal­tung berich­te­te  in sei­ner Aus­ga­be Nr. 24 unter der Rubrik “Ver­samm­lung der Ver­ei­ne im Bau­stoff­ge­wer­be” unter ande­rem über die in der Zeit vom 1. bis 12. März 1909 statt­ge­fun­de­ne  Jah­res­haupt­ver­samm­lung des Ver­eins der Kalk­sand­stein­fa­bri­ken. Auf die­ser Ver­samm­lung sei leb­haft über die Angrif­fe geklagt wor­den, die der Kalk­sand­stein von den Zie­ge­lei­be­sit­zern erdul­den muss­te. In meh­re­ren  Fäl­len  habe der  Ver­ein  zur  gericht­li­chen  Kla­ge  schrei­ten müs­sen  und  hier­bei obsie­gen­de  Urtei­le  erzielt.

Verein Kalksandsteinfabriken

Aber H. F. Kist­ner ließ sich nicht beir­ren. Er erkann­te als einer der ers­ten Bau­un­ter­neh­mer an der Unter­we­ser das gro­ße Poten­ti­al die­ses noch rela­tiv jun­gen Bau­stof­fes. Sein Bau­ge­schäft gehör­te zu der Grün­dungs­ge­nera­ti­on der Kalk­sand­stein­in­dus­trie in Deutsch­land. Im Jah­re 1905 gab es in Deutsch­land bereits 209 Kalk­sand­stein­wer­ke, die jähr­lich mehr als eine Mil­li­ar­de Kalk­sand­stei­ne pro­du­zier­ten.

Aller­dings lohn­te sich der Ver­trieb der Stei­ne nur in einem regio­nal begrenz­ten Umfeld einer Fabrik, da die Kos­ten für wei­te Trans­por­te zu hoch waren. So lagen die Fabri­ken über ganz Deutsch­land ver­streut. In Lehe pro­du­zier­te das Bau­ge­schäft H. F. Kist­ner die Kalk­sand­stei­ne. Jähr­lich ver­lie­ßen bis zu 20 Mil­lio­nen Stei­ne  die Fabrik und wur­den in die gesam­te Unter­we­ser­re­gi­on aus­ge­lie­fert.

Flussschiffer an der Geestekaje

Den für die Her­stel­lung der Kalk­sand­stei­ne erfor­der­li­chen Sand brach­ten Fluss­schif­fer her­bei. In den Anfangs­jah­ren wur­de als Lösch­platz ein­fach die Ufer­bö­schung benutzt. Spä­ter wur­de unmit­tel­bar neben der Fabrik eine Kaje gebaut. An der wur­de der aus Sand­stedt her­bei­ge­schaff­te Weser­sand per Kran aus dem Schiff gelöscht. Etwa ab 1985 wur­de sämt­li­ches Mate­ri­al per Lkw ange­lie­fert – seit­her ist der Schiffs­an­le­ger ver­waist und auch an der Gees­te die Zeit der Fluss­schif­fer vor­bei.

Bremerhaven, Hafenstrasse 44 - 48

Bei der Pro­duk­ti­on der Kalk­sand­stei­ne zeig­te sich die gan­ze Krea­ti­vi­tät des Bau­ge­schäf­tes H. F. Kist­ner. Nach­dem der Nach­bar­be­trieb der Fir­ma Rog­ge in Flam­men auf­ging, sie­del­te die Fir­ma Rog­ge nach Bre­mer­ha­ven um. Wie­der nutz­te die Fir­ma Kist­ner die Gunst der Stun­de und über­nahm einen gro­ßen Teil des Rog­ge­ge­län­des. Wer­be­wirk­sam bebau­te die Fir­ma Kist­ner in den Jah­ren 1905 und 1906 die Grund­stü­cke Hafen­stra­ße 44 – 48 mit Häu­sern voll­stän­dig aus Kalk­sand­stein und las­te­te damit gleich­zei­tig die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten des Unter­neh­mens aus.

Hinrich-Schmalfeld-Straße, Bremerhaven

In der Fol­ge­zeit bau­te die Fir­ma Kist­ner wei­te­re Kalk­sand­stein­häu­ser. Oft­mals wur­den die Fas­sa­den nicht mehr ver­putzt, son­dern mit roten, gel­ben oder auch blau ein­ge­färb­ten Stei­nen gemau­ert, etwa bei einem Sei­ten­flü­gel des Leher Amts­ge­richts und beim Neu­bau der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Geest­e­mün­de. Immer bestrebt, den Kalk­sand­stein an der Unter­we­ser zu eta­blie­ren, errich­te­te die Fir­ma H. F. Kist­ner wei­te­re archi­tek­to­nisch reprä­sen­ta­ti­ve Bau­ten. In der Gil­de­meis­ter­stra­ße ent­stan­den moder­ne Vil­len aus Kalk­sand­stein und in der Hin­rich-Schmal­feld-Stra­ße wur­de für den Beam­ten- Bau- und Woh­nungs­ver­ein zu Lehe eine gro­ße Wohn­an­la­ge mit die­sem neu­en Bau­ma­te­ri­al gemau­ert.

Bremerhaven, Hafenstrasse 57

Im Jah­re 1908 errich­te­te die Fir­ma H. F. Kist­ner das Wohn- und Geschäfts­haus Hafen­stra­ße 174 (heu­te: 57) ganz aus Kalk­sand­stein. Am 12. August 1911 brach im Dach­stuhl des Hau­ses ein Feu­er aus, das die Feu­er­wehr aber schnell unter Kon­trol­le bekam und auf den Dach­stuhl begren­zen konn­te. Gleich­wohl wuss­te die Fir­ma Kist­ner den Brand wer­be­wirk­sam zu ver­mark­ten. Noch elf Jah­re spä­ter — im Jah­re 1922 — wur­de in einer Wer­be­an­zei­ge an das Feu­er erin­nert mit dem Hin­weis, dass sämt­li­che aus Kalk­sand­stein gemau­er­ten Gie­bel und Schorn­stei­ne der Hit­ze und der Was­ser­be­strah­lung stand­ge­hal­ten haben.

Fachzeitschrift H. F. Kistner, Baugeschäft

Im Jah­re 1903 konn­te die Fir­ma Kist­ner ihr 50-jäh­ri­ges Betriebs­ju­bi­lä­um fei­ern, und Hein­rich Fried­rich Kist­ner zog sich auf das Alten­teil zurück. 1905 wur­de die als offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft ein­ge­tra­ge­ne Fir­ma in eine GmbH umge­wan­delt. Der Fir­men­na­me lau­te­te nun für eine Wei­le “H. F. Kist­ner Bau­ge­schäft G.m.b.H.” und wur­de spä­ter in “H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft” geän­dert. Als Hein­rich Fried­rich Kist­ner im Jah­re 1907 im 81. Lebens­jahr starb, über­nah­men die Söh­ne Carl und Hein­rich die Füh­rung der GmbH.

Wie sein Vater hat­te auch Carl eine Aus­bil­dung zum Mau­rer absol­viert und sei­ne Kennt­nis­se auf der Nien­bur­ger Bau­ge­wer­be­schu­le ver­tieft. Als Hos­pi­tant hat er sich auf der Tech­ni­sche Hoch­schu­le Han­no­ver wei­ter qua­li­fi­ziert. Von 1908 bis 1910 beklei­de­te Carl Kist­ner den Pos­ten des Vor­sit­zen­den des am 10.12.1900 in Ber­lin gegrün­de­ten Haupt­ver­ban­des der Kalk­sand­stein­in­dus­trie. Hein­rich erlern­te eben­falls das Mau­rer­hand­werk und ging nach Bux­te­hu­de, um auf der dor­ti­gen Bau­ge­werk­schu­le zu stu­die­ren. Sein Spe­zi­al­ge­biet wur­de der Tief­bau.

Wenn auch das Kistner’sche Kalk­sand­stein­werk flo­rier­te, so blieb doch das Bau­hand­werk der Haupt­ge­schäfts­zweig des Unter­neh­mens. An der Unter­we­ser war die Fir­ma Kist­ner das ers­te Unter­neh­men, das sich mit mit dem Eisen­be­ton­bau befass­te. Zwi­schen 1914 und 1918 lie­fer­te H. F. Kist­ner respek­ta­ble Arbei­ten ab:  Neben der Neu­an­la­ge von Bahn­kör­pern, Bahn­hö­fen und Unter­füh­run­gen in Lehe und Geest­e­mün­de konn­te H. F. Kist­ner auch an sei­ne Arbei­ten am Kran­ken­haus Lehe, am Schlacht- und Vieh­hof, an die Beton­ar­bei­ten des Gas­wer­kes Bre­mer­ha­ven und an die Neu­bau­ten des Leher Gerichts­ge­bäu­des, des Post­ge­bäu­des und des Spar­kas­sen­ge­bäu­des ver­wei­sen.

Leher Sparkassengebäude der Weser-Elbe-Sparkasse

Am 12. Novem­ber 1918 starb Carl Kist­ner. Sein Bru­der Hein­rich führ­te das Unter­neh­men fort­an allei­ne wei­ter. Die durch die Kriegs­fi­nan­zie­rung aus­ge­lös­te Gro­ße Infla­ti­on, die im Jah­re 1923 in eine Hyper­in­fla­ti­on mün­de­te, sorg­te für einen Zusam­men­bruch der deut­schen Wirt­schaft und des Ban­ken­sys­tems. 1921 streik­ten in Bre­mer­ha­ven, Geest­e­mün­de und Lehe 1.400 Arbei­ter in 131 Betrie­ben acht Wochen lang für einen höhe­ren Lohn. 1924 streik­ten in den Unter­we­ser­städ­ten die Bau­ar­bei­ter fast aller Betrie­be sie­ben Wochen lang für mehr Lohn. Erst ab Ein­füh­rung der Ren­ten­mark im Novem­ber 1923 wur­den wie­der geord­ne­te Kal­ku­la­tio­nen mög­lich, und das Bau­un­ter­neh­men konn­te zu einer geord­ne­ten Bau­tä­tig­keit über­ge­hen.

In den fol­gen­den Jah­ren bau­te Kist­ner für die Stadt Wohn­bau­ten, die Poli­zei­ka­ser­ne an der Kai­ser­stra­ße und Fun­da­men­te für die neu­en Kran­bah­nen beim Schup­pen G am Kai­ser­ha­fen. Für die nörd­li­chen Kai­ser­hä­fen wur­den Schup­pen und Kajen erstellt. Auch die Grün­dungs- und Eisen­be­ton­ar­bei­ten für das Haupt­ge­bäu­de der AOK und den Bau des Wohn­was­ser­tur­mes in Wuls­dorf  führ­te die Fir­ma Kist­ner aus.

Wohnwasserturm Wulsdorf

Im Jah­re 1924 gaben sich die Städ­te Lehe und Geest­e­mün­de das “Jawort”. Sie führ­ten nun den gemein­sam Namen Weser­mün­de. Im glei­chen Jahr began­nen auch die Bau­ar­bei­ten am Colum­bus­bahn­hof und der dazu­ge­hö­ri­gen Colum­bus­ka­je, an denen die Fir­ma Kist­ner eben­falls maß­geb­lich betei­ligt war. Anschlie­ßend enga­gier­te sich die Fir­ma Kist­ner beim Bau der Anla­ge der gro­ßen Ölbun­ker der Deutsch-Ame­ri­ka­ni­schen Petro­le­um­ge­sell­schaft. Es folg­te die Betei­li­gung am Bau der rie­si­gen Nord­schleu­se, die für die tur­bi­nen­ge­trie­be­nen Schif­fe des Nord­deut­schen Lloyd “Bre­men” und “Euro­pa” gebaut wur­de. Die Grund­stein­le­gung erfolg­te am 3. Mai 1929.

Hafenstraße mit Kaufhaus Ramelow

Als der Nord­deut­sche Lloyd sei­nen Tech­ni­schen Betrieb vom Neu­en Hafen zu den bei­den Kai­ser­docks ver­leg­te, war die Fir­ma Kist­ner wie­der dabei. In den Jah­ren 1934 bis 1936 wur­den eine Kup­fer­schmie­de, eine Schlos­se­rei und Maschi­nen­werk­statt, Lager­schup­pen und Pro­vi­ant­la­ger gebaut. Aber auch aus der Pri­vat­wirt­schaft kamen zahl­rei­che Auf­trä­ge, dar­un­ter das Kauf­haus Rame­low und die Fär­be­rei- und Rei­ni­gungs­an­stalt Mäk­ler.

In die­ser Pha­se der Pro­spe­ri­tät hat­te der Kist­ner­sche Betrieb einen schwe­ren Ver­lust zu ver­kraf­ten: Am Abend des 19. Dezem­ber 1937 starb Hein­rich Kist­ner, der das Unter­neh­men seit dem Tode sei­nes Bru­ders Carl allei­ne führ­te. “Hei­ni-Meis­ter”, wie ihn vie­le Bre­mer­ha­ve­ner nann­ten, hat in der von sei­nem Vater gegrün­de­ten Fir­ma mehr als 50 Jah­re sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Hein­rich Kist­ners  Tod been­de­te die zwei­te Genera­ti­on der H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft.

Es wäre jetzt an dem am 13. Febru­ar 1919 gebo­re­nen Sohn Hein­rich Fried­rich Kist­ner gewe­sen, das Ruder in der Fir­ma zu über­neh­men. Er hat­te bereits sei­ne Gesel­len­prü­fung im Mau­rer­hand­werk erfolg­reich abge­legt und befand sich mit­ten im Stu­di­um zum Bau­in­ge­nieur. Dann aber brach der Zwei­te Welt­krieg aus, und  Hein­rich Fried­rich Kist­ner geriet in rus­si­sche Gefan­gen­schaft.

US-Hospital in Bremerhaven

In den Kriegs­jah­ren beschäf­tig­te die Fir­ma H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft gut 2.000 Men­schen. Das Unter­neh­men bau­te in die­ser Zeit ein Mari­nela­za­rett, errich­te­te Bun­ker jeder Art und erstell­te in Mit­tel­deutsch­land, in Ost­fries­land, am West­wall und in Ost­eu­ro­pa Indus­trie-, Wehr- und Bahn­bau­ten.

Im Zwei­ten Welt­krieg brann­te die Kalk­sand­stein­fa­brik nach einem Bom­ben­an­griff im Sep­tem­ber 1944 aus, ist jedoch zu ins­ge­samt 80 % erhal­ten geblie­ben.  Im Som­mer 1947 wur­de Hein­rich Fried­rich Kist­ner aus der Gefan­gen­schaft ent­las­sen. Er trat sein Erbe an und wur­de Lei­ter der Bau­ge­sell­schaft.

Beräumungsarbeiten Kalksandsteinwerk

Unter frei­wil­li­ger unent­gelt­li­cher Mit­hil­fe der Ange­stell­ten wur­den die Auf­räu­mungs­ar­bei­ten in gro­ßer Eile durch­ge­führt. So konn­te bereits im März 1948 mit dem Wie­der­auf­bau der Fabrik begon­nen wer­den. Bei den Bau­ar­bei­ten wur­de  der Schorn­stein, der sich bereits vor dem Krieg bedroh­lich geneigt hat­te, weit­ge­hend erneu­ert. Damit die Nach­bar­schaft “weder durch Rauch noch durch sonst irgend­wel­che Gerü­che” (Bau­ak­te) beläs­tigt wür­de, wur­de der aus Kalk­sand­stein gemau­er­te acht­ecki­ge Schlot auf 40 Meter erhöht.

20_Kalksandsteinwerk

Im März 1949 waren die Arbei­ten abge­schlos­sen. Da die Pres­se beim Bom­ben­an­griff nicht zer­stört wur­de, konn­te die Pro­duk­ti­on nun wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Drei Mann stell­ten nun täg­lich 10 Stun­den an sechs Wochen­ta­gen Kalk­sand­stei­ne her. Stein für Stein wur­den sie auf Loren gesta­pelt und in einen der sechs Här­te­kes­sel gefah­ren. In dem Kes­sel blie­ben sie etwa acht Stun­den und wur­den unter sehr hohem Druck mit Was­ser­dampf gehär­tet. Danach wur­den die Loren aus dem hei­ßen Kes­sel geholt und ins Frei­la­ger gefah­ren. Dort kühl­te das strah­lend wei­ße Bau­ma­te­ri­al ab. 70 bis 80 Pro­zent der Bre­mer­ha­ve­ner Gebäu­de wur­den nach dem Krieg mit Stei­nen aus der Kalk­sand­stein­fa­brik Kist­ner gebaut.

Brennöfen Kalksandsteinwerk

Mit sei­ner expan­die­ren­den Fir­ma hat­te Hein­rich Fried­rich Kist­ner in der Nach­kriegs­zeit erheb­lich zum Wie­der­auf­bau Bre­mer­ha­vens bei­getra­gen. Eine Men­ge Arbeit war­te­te auf die zeit­wei­se 700 Mit­ar­bei­ter, die Kist­ner in sei­nem Unter­neh­mens­ver­bund beschäf­tig­te: Auf­bau­ar­bei­ten für die pri­va­te Fisch­in­dus­trie, die Hal­len III, IX, XI und XIV im Fische­rei­ha­fen muss­ten wie­der auf­ge­baut wer­den, in Gemein­schafts­ar­beit wur­den neue Fahr­gast­an­la­gen für den Colum­bus­bahn­hof errich­tet und die hei­mi­sche Werft­in­dus­trie war­te­te auf den Wie­der­auf­bau und auf Erwei­te­rungs­bau­ten.

Loren im Kalksandsteinwerk

Auch im Wohn- und Geschäfts­haus­bau ging es wie­der auf­wärts: An die Ecke der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Stra­ße zur Lloyd­stra­ße wur­de ein Gebäu­de für J. Hein­rich Kra­mer gestellt und für die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft der Flie­ger­ge­schä­dig­ten bau­te Kist­ner eben­so Häu­ser wie für den Bau- und Spar­ver­ein der Ost­ver­trie­be­nen und für die Städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft. Auch die Geschäfts­häu­ser von Schütz, W. Schul­te, Bai­er-Thees, J. War­rings, E. A. Mäk­ler, dem Kauf­haus Mer­kur, Pohl & Schrö­der, Joh. Krie­te, Georg Diek­mann, dem Hotel Naber und der Gast­stät­te Schlin­ker tra­gen die Hand­schrift des Bau­ge­schäf­tes Kist­ner. Wei­ter­hin müs­sen die Gebäu­de des Nor­west­deut­schen Ver­la­ges, der Städ­ti­schen Spar­kas­se in Geest­e­mün­de und Bre­mer­ha­ven und der Neu­bau von Wohn­blö­cken für die Nie­der­säch­si­sche Heim­stät­te, des Schiffs­jun­gen­heims, eines Mäd­chen­wohn­hei­mes, eines Kin­der­gar­tens in der Deich­stra­ße und das Gemein­de­haus in Leher­hei­de erwähnt wer­den. Schließ­lich war das Bau­ge­schäft Kist­ner auch am Wie­der­auf­bau des Stadt­thea­ters, der Bür­ger­meis­ter-Smidt-Schu­le, am Neu­bau  eines Hal­len­schwimm­ba­des und am Bau eines 14-stö­cki­gen Hoch­haus betei­ligt.

Abtransport der Kalksandsteine

Hein­rich Fried­rich Kist­ner, der die Lei­tung des Fami­li­en­be­trie­bes ja in sehr jun­gen Jah­ren über­nom­men hat, hat sich von Anfang an um eine betrieb­li­che Sozi­al­ord­nung bemüht. Im Jah­re 1955 erschien sein Buch “Hoher Lohn allein tut es nicht”, in dem er sei­ne Vor­stel­lun­gen einer part­ner­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit mit sei­nen Mit­ar­bei­tern dar­ge­legt hat: “Mei­ne Auf­fas­sung war des­halb die, daß jeder mehr ver­die­nen müs­se, wenn er die betrieb­li­chen Auf­ga­ben in der Betriebs­ge­mein­schaft mit zu lösen ver­such­te, wenn er als Mit­den­ker und Mit­wir­ken­der mit sei­nem bes­ten Wil­len und Kön­nen in auf­ge­schlos­se­ner Wei­se am betrieb­li­chen Gesche­hen aktiv teil­neh­men wür­de”.

Ihm war durch sei­ne in der sowje­ti­schen Gefan­gen­schaft gemach­ten Erfah­run­gen klar, dass es ohne Aner­ken­nung der Men­schen­wür­de kei­ne sozia­le Gerech­tig­keit geben kann. So führ­te Hein­rich Fried­rich Kist­ner schon in den 1950er Jah­ren in sei­nem Unter­neh­men eine Leis­tungs­ge­winn­be­tei­li­gung ein. Der Gewinn wur­de monat­lich aus­ge­schüt­tet. Unter den Mit­ar­bei­tern fand der Part­ner­schafts­plan eine gro­ße Zustim­mung.

In den 1960er Jah­ren haben Umbau­ten und Moder­ni­sie­run­gen das Äuße­re der Fabrik ver­än­dert. Dazu zähl­te beson­ders der Umbau des Kalk­si­los im Jah­re 1962 und die Anbau­ten zur Hafen­stra­ße.

Den lang­sa­men Nie­der­gang des Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men hat Hein­rich Fried­rich Kist­ner nicht mehr erlebt. Er starb am 3. März 1990. Mit sei­nem Tode ging die Fir­men­lei­tung auf sei­nen Sohn über, der tra­di­ti­ons­ge­mäß auch den Namen Hein­rich Fried­rich Kist­ner trägt. An ihm war es nun, das Schiff, die H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft, durch das unru­hig gewor­de­ne Fahr­was­ser zu steu­ern.

Hafenstraße Ecke Werftstraße

Weil das Bau­ge­wer­be nach immer grö­ße­ren Kalk­sand­stei­nen ver­lang­te, inves­tier­te das Unter­neh­men in den 1990er Jah­ren rund zwei Mil­lio­nen Mark. So wur­de im März 1992 die 70 Jah­re alte Hand­pres­se (“alter Opa” genannt) aus­ge­mus­tert und zwei neue, halb­au­to­ma­ti­sche Pres­sen ange­schafft. Beim Ein­bau tauf­te Hein­rich Fried­rich Kist­ner die neu­en Pres­sen auf die Namen “Hei­ni” und “Fidi”. Der erfor­der­li­che Dampf, der mit sehr hohem Druck in das Kalk­sand­stein­ge­misch gepresst wur­de, wur­de fort­an nicht mehr mit Koh­le son­dern mit Schwer­öl und Gas erzeugt. Nun hat­te der weit­hin sicht­ba­re Fabrik­schorn­stein sei­ne Funk­ti­on ver­lo­ren Gleich­wohl wur­de er nicht abge­ris­sen. Als sicht­ba­res Erken­nungs­zei­chen der Fir­ma Kist­ner ließ man ihn ste­hen, und so blieb er bis heu­te erhal­ten.

Bürgermeister-Smidt-Straße Ecke Schifferstraße

Aber trotz der hohen Inves­ti­tio­nen war der Nie­der­gang der Kalk­sand­stein­fa­brik nicht mehr auf­zu­hal­ten. Die Bau­bran­che ver­lang­te nach immer grö­ße­ren For­ma­ten. Zu deren Her­stel­lung wären aber­mals erheb­li­che Inves­ti­tio­nen in den gesam­ten Maschi­nen­park erfor­der­lich gewe­sen. Der der­zei­ti­ge Stand­ort an der Gees­te hat aber längst sei­ne ehe­ma­li­ge Attrak­ti­vi­tät ver­lo­ren. Das Gelän­de war nicht groß genug, um neue Inves­ti­tio­nen auf­zu­neh­men. Man hät­te sich also zusätz­lich nach einem neu­en Stand­ort umse­hen müs­sen. Dabei wur­de die bereits vor­han­de­ne Kapa­zi­tät von 30 Mil­lio­nen Stei­nen im Jahr schon seit Jah­ren nicht mehr aus­ge­schöpft. So wur­den im Jahr 1999 wur­den nur noch fünf Mil­lio­nen Stei­ne aus­ge­lie­fert. Die Geschäfts­füh­rung ver­ein­bar­te mit den letz­ten fünf Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­tern eine Auf­he­bung der Arbeits­ver­trä­ge und leg­te die Kalk­sand­stein­fa­brik am 31.03.2000 still.

Fabrikgelände

Die Kalk­sand­stein­fa­brik war der letz­te Indus­trie­be­trieb an der Gees­te, in dem jahr­zehn­te­lang über 60 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt waren – teil­wei­se sogar im Drei-Schicht-Betrieb. Zurück blie­ben nur noch die Erin­ne­run­gen der dama­li­gen Anwoh­ner. So schrieb mir Gün­ter, dass “ein herr­li­chen Duft in der Luft lag… wenn Kist­ner neben­an sei­ne Stei­ne brann­te, eine wun­der­schö­ne Erin­ne­rung für mich, ich habe die­sen Duft noch in der Nase! Ich weiß aller­dings nicht, ob ich jetzt wirk­lich objek­tiv bin, oder ob es nicht viel­leicht auch ein­fach die­se wun­der­schö­ne Erin­ne­rung des Moments war, denn irgend­wie habe ich auch im Hin­ter­kopf die Erin­ne­rung, dass eini­ge die­sen für mich wun­der­schö­nen Duft einen fürch­ter­li­chen Gestank nann­ten! Es ist zu lan­ge her, 1954 bin ich gebo­ren, es wird also ver­mut­lich um die 1960 gewe­sen sein.”

Kistnergelände am Geesteufer

Nach der Schlie­ßung der Kalk­sand­stein­fa­brik hat die Stadt das Betriebs­ge­län­de im Jah­re 2002 für 1,74 Mil­lio­nen Euro erwor­ben. Das Bau­ge­schäft und der auf dem Kist­ner­ge­län­de ste­hen­de Hob­by­markt wur­den wei­ter betrie­ben. Doch auch der Hob­by­markt hat­te kei­ne Zukunft. In Bre­mer­ha­ven eröff­ne­ten immer grö­ße­re Bau­märk­te. Die Kon­kur­renz um die Kun­den wur­de erdrü­ckend. Im Jah­re 2002 muss­te auch Kist­ners Hob­by­markt auf­ge­ben, und ein Jahr spä­ter schloss der zunächst wei­ter betrie­be­ne Bau­stoff­han­del.

Hobbymarkt H. F. Kistner

Das Kern­un­ter­neh­men konn­te sich noch bis zum Jah­re 2005 auf dem Markt behaup­ten. Doch schließ­lich soll­te ein rui­nö­ser Wett­be­werb auf dem Bau die  H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft in die Knie zwin­gen. Lan­ge 150 Jah­re präg­te die H. F. Kist­ner Bau­ge­sell­schaft das Bau­ge­sche­hen an der Unter­we­ser. In den Anfangs­jah­ren im Miets­haus­bau, spä­ter auch im Hoch- und Tief­bau. Es gibt wohl kein ande­res Unter­neh­men, das an der bau­li­chen Ent­wick­lung Bre­mer­ha­vens einen ähn­li­chen Anteil hat­te.

Seit dem Jah­re 2005 sucht die städ­ti­sche Wirt­schafts­för­de­rung BIS ver­geb­lich einen Käu­fer für das brach lie­gen­de Kist­ner-Gelän­de. Bis auf weni­ge Aus­nah­men sind die dar­auf ste­hen­den Gebäu­de dem Ver­fall preis­ge­ge­ben, unter ande­rem auch die gro­ße stüt­zen­freie Ton­nen­dach­hal­le des ehe­ma­li­gen Pres­sen­hau­ses. Das Lan­des­denk­mal­amt hat in sei­ner Stel­lung­nah­me vom August 2009 die Ton­nen­hal­le als ein kon­struk­ti­ons­ge­schicht­lich inter­es­san­tes Gebäu­de bezeich­net.

Immer wie­der berich­te­ten die Nord­see-Zei­tung und das Sonn­tags­jour­nal von neu­en Ide­en zur Nut­zung des Grund­stü­ckes. Wer in den Archi­ven der Zei­tun­gen blät­tert, fin­det, begin­nend im Jah­re 2000, wohl an die 40 Arti­kel. Aber nicht einer der bis­her vor­ge­stell­ten Plä­ne wur­de rea­li­siert. Auch die in Work­shops und Arbeits­grup­pen des Bür­ger­ver­eins und der Stadt­teil­kon­fe­renz Lehe ent­wi­ckel­ten Kon­zep­te und Ide­en sol­len bei den ver­ant­wort­li­chen Poli­ti­kern kein Gehör gefun­den haben.

Halle mit Tonnendach

Viel­mehr sind sich die Bre­mer­ha­ve­ner Poli­ti­ker von SPD und CDU wohl einig, die unter Denk­mal­schutz ste­hen­de Ton­nen­dach­hal­le abzu­rei­ßen. Bleibt die Hoff­nung, dass der Lan­des­denk­mal­pfle­ger die­ses ein­ma­li­ge Indus­trie­denk­mal dau­er­haft zu schüt­zen weiß. Dazu gehört auch, zu ver­hin­dern, dass man die Hal­le mit dem gewölb­ten Dach ein­fach dem Ver­fall preis­gibt und so Tat­sa­chen schafft.

Die jün­ge­ren Poli­ti­ker wer­den die Geschich­te des Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens H. F. Kist­ner mög­li­cher­wei­se nicht ken­nen. Es wäre schön, wenn die­ser Arti­kel die Ver­ant­wort­li­chen in Ver­wal­tung und Poli­tik wach­rüt­telt und vor Augen führt, wel­ches his­to­ri­sche Klein­od sie ver­nich­ten möch­ten. Schließ­lich hat­te die Leher Gemein­de den Fir­men­grün­der H. F. Kist­ner im August 1853 als voll­wer­ti­gen Bür­ger in ihrer Mit­te auf­ge­nom­men. Im Mai 1890, als Magis­trat und Bür­ger­vor­ste­her-Kol­le­gi­um beschlos­sen, die Stra­ße an der Mei­de mit sei­nem Namen zu bezeich­nen, wur­de ihm erneut höchs­te Ehrung erwie­sen.

Ich bedan­ke mich ganz herz­lich bei allen, die mich beim Schrei­ben die­ses Arti­kels unter­stützt haben. Einen beson­de­ren Dank an Herrn Kist­ner, der mir erlaubt hat, das Bild des Fir­men­grün­ders mit sei­ner Ehe­frau hier zu ver­öf­fent­li­chen, an Sabi­ne Funk und Horst-Die­ter Brink­mann für die ein­ge­reich­ten Bil­der, an Jür­gen Wink­ler für sei­ne Hin­wei­se und Infor­ma­tio­nen und an Gün­ter Knieß für die Auf­zeich­nung sei­ner Kind­heits­er­in­ne­run­gen und für die hilf­rei­che Unter­stüt­zung bei mei­nen Recher­chen. Abschlie­ßend lade ich alle Deich­SPIE­GEL-Leser herz­lich ein, ihre eige­nen Erin­ne­run­gen hier als Kom­men­ta­re nie­der­zu­schrei­ben.
Quel­len:
Dr. Georg Bes­sell: Hei­mat­chro­nik der Stadt Bre­mer­ha­ven, Sei­ten 271 ff.
Hein­rich Drö­ge:
Hun­dert Jah­re bau­en – Fest­schrift zum 100-jäh­ri­gen Bestehen
R. S. Hart­mann: Die Part­ner­schaft von Kapi­tal und Arbeit, Sei­ten 218 ff.
H. Buch­artz: Die Prü­fung und die Eigen­schaf­ten der Kalk­sand­stei­ne, Juli­us-Sprin­ger-Ver­lag, Ber­lin, 1908
Her­bert Kört­ge: Die Stra­ßen­na­men der See­stadt Bre­mer­ha­ven, Sei­te 120
Dr. Hart­mut Bickel­mann: Wer­bung durch Anschau­ung, Nie­der­deut­sches Hei­mat­blatt Nr. 567 vom März 1997
Dr. Hart­mut Bickel­mann: Zwi­schen Woh­nen und Arbei­ten, Nie­der­deut­sches Hei­mat­blatt Nr. 586 vom Okto­ber 1998
guh: Die letz­ten Tage der Kalk­sand­stein­ära, Nord­see-Zei­tung vom 18.02.2000
Rai­ner Dons­bach: Nicht dem Ver­fall zuse­hen, Nord­see-Zei­tung vom 29.03.2011
S. Schwan: Neu­er Anlauf für die Kist­ner-Bra­che, Nord­see-Zei­tung vom 10.1.2012
Rai­ner Dons­bach: Denk­mal droht der Abriss, Nord­see-Zei­tung vom 17.09.2015
Rai­ner Dons­bach: Flücht­lin­ge aufs Kist­ner­are­al, Nord­see-Zei­tung vom 13.11.2015
Jür­gen Wink­ler: Kist­ner­ge­län­de – eine unend­li­che Geschich­te,
juwi’s welt
Kalk­sand­stein-Dienst­leis­tung GmbH: Geschich­te der Kalk­sand­stein­in­dus­trie
Stadt Bre­mer­ha­ven:
Pres­se­mit­tei­lung vom 14.10.2015 
Hup­ke und Mahn | Geschichts­werk­statt Lehe:
Kalk­sand­stein­werk H. f. Kist­ner
Deut­sche Digi­ta­le Biblio­thek: Bre­mer­ha­ven, Hafen­stra­ße 56, 58, 60, Werft­stra­ße

Am 04.02.2016 schrieb Herr Gus­tav Woh­de zu obi­gem Arti­kel fol­gen­den Kom­men­tar und bat mich, hier zwei Bil­der zu ver­öf­fent­li­chen:

Hal­lo Herr Kist­ner,
zur Unter­strei­chung des Enga­ge­ment für ihre Mit­ar­bei­ter in obi­gem Arti­kel sen­de ich Ihnen ger­ne einen Nach­ruf in Form eines Zei­tungs­aus­schnit­tes zu. Auf die­sem wird mein Onkel Sieg­fried Lan­ge im Okto­ber 1959 als guter Mit­ar­bei­ter und eben sol­cher Kame­rad von der Lei­tung der Fir­ma Kist­ner und deren Mit­ar­bei­ter ver­ab­schie­det. Er war Beton­fach­ar­bei­ter und 31 Jah­re alt.
Soll­te es Ihnen gelin­gen, eine Erin­ne­rung an mei­nen Onkel zu wecken, den ich nie ken­nen­ler­nen konn­te, wäre ich Ihnen sehr dank­bar für eine Kon­takt­auf­nah­me.
Ger­ne sen­de ich Ihnen auch ein Foto von Ihm zu.
Vie­len Dank vor­ab und wei­ter­hin alles Gute.

Siegfried Lange
1959-10-05_Lange-Siegfried_Nachruf

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19 Kommentare

  1. Sehr geehr­ter Herr Schwie­bert, Was für eine tol­le Bio­gra­fie über die Fir­ma Kist­ner. Ich bin in Bre­mer­ha­ven Lehe auf­ge­wach­sen und war ein klei­ner Leher But­scher und ken­ne alle Stra­ßen und Häu­ser. Es ist so scha­de, daß die Stadt nicht mehr so ist, wie sie ein­mal war.….alle Geschäf­te wie z.B. Beis­heim* (habe dort im Haus Hafen­str 113 gewohnt) nicht mehr gibt. Ich bin sehr stolz dar­auf, daß mein Schwie­ger­va­ter Georg Steitz und sein Sohn Georg Steitz, Brunnenstr.4 in Bre­mer­ha­ven Leher­hei­de , lei­der sind bei­de inzwi­schen ver­stor­ben, für die Fir­ma Kist­ner gear­bei­tet haben. Vor allem mein Schwie­ger­va­ter hat nach dem Krieg vie­le Gebäu­de wie­der mit auf­ge­baut bzw. bei­de Män­ner haben auch ab Neu­bau­ten mit­ge­ar­bei­tet. Ich den­ke immer an sie und ihre geleis­te­te Arbeit, wenn ich durch Bre­mer­ha­ven lau­fe.

  2. I have a ques­ti­on, I hope someo­ne is able to read Eng­lish.
    Is it pos­si­ble that this Kist­ner fami­ly is rela­ted to the late Wal­ter Hein­rich Chris­ti­an Kist­ner and Mar­ga­re­te Eli­sa­beth Fran­zis­ka Lui­se Kist­ner, born Fried­richs. They had two child­ren, one of them Ilse Erna Eli­sa­beth Wil­hel­mi­ne Kist­ner.
    Regards
    Lise Gard­ner

    • Dear Lise Gard­ner,
      thank you very much for the­se very inte­rest infor­ma­ti­ons. I have no infor­ma­ti­on to ans­wer your ques­ti­on but perhaps one of the Kist­ner fami­ly will visit this site and will con­tact you.
      My best regards
      Her­mann Schwie­bert

    • Hi Lisa.….

      I sug­gest to search through Ancestry.com.
      Me, mys­elf had suc­cess fin­ding Cou­sins of mine in Ohio USA through them.
      Sin­ce­rely Suzan Evans

  3. in den 60er bis 70er Jah­ren habe ich als “Bre­mer­ha­ve­ner Jung” in mei­nem dama­li­gen Job als Bau­lei­ter für ein bekann­tes Bre­mer­ha­ve­ner Archi­tek­tur­bü­ro sehr eng mit HFK und sei­nen Mit­ar­bei­tern zusam­men­ge­ar­bei­tet.
    Ob es der dama­li­ge Umbau der Brem­er­land-Mol­ke­rei oder Neu­bau­ten in der Stre­se­mann Stras­se, oder außer­halb von Bre­mer­ha­ven usw. waren. Alle Bau­ten wur­den mit größ­tem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein und in guter Qua­li­tät abge­wi­ckelt! Fa. HF Kist­ner war als Bau­fir­ma die bes­te, die zuver­läs­sigs­te Bau­fir­ma mit der ich in mei­nem Berufs­le­ben zusam­men arbei­te­te. Für mich eine ein­ma­li­ge tief gehen­de Erin­ne­rung an die See­stadt Bre­mer­ha­ven

  4. Hal­lo Herr Schwie­bert,

    mich hat Ihr Bericht gera­de­zu von den Socken gehau­en. Mein Vater hat fast ein hal­bes Jahr­hun­dert für die Fa. Kist­ner, nach­her in lei­ten­der Funk­ti­on, gear­bei­tet.
    Vie­le Erin­ne­run­gen sind tief mit dem Unter­neh­men ver­bun­den, zB die Nut­zung der Werk­statt in der Mei­destr, um mei­nen VW-Käfer von Rost zu befrei­en. Oder der Pro­duk­ti­on der Kalk­sand­stei­ne zuzu­se­hen, war auch immer ein beson­de­res Kind­heits­er­eig­nis.
    Weil ich mei­nen Vater aus mei­ner Erin­ne­rung fest mit der Fa. Kist­ner ver­bin­de, und ich eben­so Bre­mer­ha­ven fest mit Kist­ner ver­bin­de, war es für mich völ­lig unvor­stell­bar, dass es das Unter­neh­men ein­mal nicht mehr geben wür­de.

    Vie­le Grü­ße
    Kai Beh­rens

    • Hal­lo Herr Beh­rens,
      vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. Manch­mal mag man wirk­lich nicht rea­li­sie­ren, wie­vie­le Tra­di­ti­ons­fir­men unter­ge­gan­gen sind. Ent­we­der war es ihnen nicht mög­lich, mit der Ent­wick­lung Schritt zu hal­ten, oder sie haben ein­fach den soge­nann­ten Har­mo­ni­sie­run­gen in der EU nicht stand­hal­ten kön­nen. Ein schö­nes Bespiel ist da ja auch die Spe­di­ti­on Lun­te und Sau­er
      http://www.schwiebert.lima-city.de/das-kraftverkehrsunternehmen-lunte-sauer/
      Aller­dings sind Fir­men­schlie­ßun­gen kein Phä­no­men unse­rer Zeit, schon in den 1870er Jah­ren und davor und danach muss­ten vie­le Manu­fak­tu­ren schlie­ßen. Seit ich mich mit alten Fir­men beschäf­ti­ge, bin ich immer wie­der erstaunt über Grün­dung und Unter­gang vie­ler gro­ßen Betrie­be. In der heu­ti­gen Zeit kom­men dann noch die vie­len klei­nen Hand­werks­be­trie­be dazu, die ein­fach kei­nen Nach­fol­ger fin­den. Bäcker, Schlach­ter usw., alles wird aus­ge­dünnt oder ver­schwin­det ganz, z. B. die Schlach­te­rei Noth­na­gel in der Goe­the­stra­ße
      http://www.schwiebert.lima-city.de/goethestrasse-11-vom-ochsenfleisch-zum-eiscafe/
      Lie­be Grü­ße
      Her­mann Schwie­bert

  5. Ein super span­nend geschrie­be­ner Arti­kel über ein Stück Zeit- und Stadt­ge­schich­te Bre­mer­ha­vens, die einen wesent­li­chen Teil der Fami­le umfasst.

    Lei­der feh­len Aus­füh­run­gen zur Ent­wick­lung des Soh­nes Johann Kist­ner.

    • Vie­len Dank, Herr Kist­ner. Ich freue mich, dass Ihnen der Arti­kel gefällt.

      Über Johan­nes Kist­ner habe ich nur die Infor­ma­ti­on, dass er das Zim­mer­hand­werk erlernt und sich selb­stän­dig gemacht hat. Theo­dor ist selb­stän­di­ger Kauf­mann gewor­den.
      Ich möch­te noch ein­mal alle Deich­SPIE­GEL-Leser herz­lich ein­la­den, ihre eige­nen Erin­ne­run­gen hier als Kom­men­ta­re nie­der­zu­schrei­ben oder mir per Email zuzu­sen­den. Ich arbei­te sie dann in den Arti­kel ein.

    • Hal­lo Herr Kist­ner,
      zur Unter­strei­chung des Enga­ge­ment für ihre Mit­ar­bei­ter in obi­gem Arti­kel sen­de ich Ihnen ger­ne einen Nach­ruf in Form eines Zei­tungs­aus­schnit­tes zu. Auf die­sem wird mein Onkel Sieg­fried Lan­ge im Okto­ber 1959 als guter Mit­ar­bei­ter und eben sol­cher Kame­rad von der Lei­tung der Fir­ma Kist­ner und deren Mit­ar­bei­ter ver­ab­schie­det. Er war Beton­fach­ar­bei­ter und 31 Jah­re alt.
      Soll­te es Ihnen gelin­gen, eine Erin­ne­rung an mei­nen Onkel zu wecken, den ich nie ken­nen­ler­nen konn­te, wäre ich Ihnen sehr dank­bar für eine Kon­takt­auf­nah­me.
      Ger­ne sen­de ich Ihnen auch ein Foto von Ihm zu.

      Vie­len Dank vor­ab und wei­ter­hin alles Gute.

  6. Hal­lo Her­mann,

    mit die­sem Arti­kel hast du der Fami­lie Kist­ner ein schö­nes Denk­mal gesetzt. Sehr inter­es­sant fin­de ich auch dei­ne vie­len Hin­wei­se auf die Zeug­nis­se der Bau­täig­keit der Fir­ma Kist­ner, die in Bre­mer­ha­ven noch erhal­ten geblie­ben sind. Wohl jeder, der in ihrer Umge­bung wohnt, kennt die­se Gebäu­de. Über ihren Ursprung wis­sen jedoch die Wenigs­ten etwas.

    Und ja: Auch ich hof­fe, dass die Ver­ant­wort­li­chen in Ver­wal­tung und Poli­tik noch recht­zei­tig zur Besin­nung kom­men, bevor sie ein wei­te­res, in die­sem Fall außer­dem weit über die Gren­zen Bre­mer­ha­vens hin­aus bedeut­sa­mes Indus­trie­denk­mal ver­nich­ten und so aus dem his­to­ri­schen Gedächt­nis der Stadt löschen. Ich höre immer das Tot­schlag­s­ar­gu­ment: “Bre­mer­ha­ven hat dafür kein Geld”. Es gibt aber bei­spiels­wei­se Stif­tun­gen — und sicher auch ande­re “Töp­fe” — die den Erhalt von Bau- und Indus­trie­denk­mä­lern för­dern und/oder finan­zie­ren.

    Ich den­ke mit dem Hin­weis auf Bre­mer­ha­vens knap­pe Kas­sen machen die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in der CDU und der SPD es sich reich­lich ein­fach. Aus mei­ner Sicht wür­de es schon rei­chen, die Ton­nen­dach­hal­le und den Schorn­stein bau­lich so zu sichern, dass der wei­te­re Ver­fall auf­ge­hal­ten wird, so dass der his­to­ri­sche Kern der Kalk­sand­stein­fa­brik für Zwi­schen­nut­zun­gen zur Ver­fü­gung stün­de. Ide­en und Kon­zep­te dafür sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei­tens der Bür­ger im Klus­hof und im Goe­the-Quar­tier mehr als genug ent­wi­ckelt wor­den.

    Ein lie­ber Gruß aus dem Süden Lehes,
    Jür­gen

    • Dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar, lie­ber Jür­gen.
      CDU und SPD habe ich per Email ein­ge­la­den, die­sen Arti­kel zu lesen. Viel­leicht lenkt das ja ihre Abriss­plä­ne in ande­re Bah­nen, wenn sie erken­nen, was für ein Klein­od an Bre­mer­ha­vens Gees­te steht.
      Lie­be Grü­ße
      Her­mann

  7. Hal­lo, Herr Schwie­bert,
    ich bin sprach­los!
    Bis jetzt, 1 Uhr:35, habe ich Ihren äußerst inter­es­san­ten “Kist­ner-Arti­kel” gele­sen und bin wirk­lich “von den Socken”, was Sie hier wie­der für einen tol­len Bericht kon­stru­iert haben. Sie haben es wirk­lich geschafft, die­ses schwie­ri­ge The­ma “Kist­ner und Bre­mer­ha­ven” in einen span­nen­den Kri­mi der feins­ten Art zu ver­wan­deln!
    Ich kann es immer noch nicht glau­ben, wie Sie, als nicht gebür­ti­ger Bre­mer­ha­ve­ner, gera­de 3 Jah­re hier, einen sol­chen Arti­kel, mit Fak­ten gespickt, so ver­fas­sen konn­ten. Sie haben wie­der genau den rich­ti­gen Ton getrof­fen, es wird eine gro­ße Freu­de für alle Bre­mer­ha­ven-Inter­es­sier­ten sein, hier Ihren sehr anschau­li­chen Wor­ten, Beschrei­bun­gen und For­mu­lie­run­gen zu fol­gen, obwohl es doch im Grun­de genom­men eigent­lich ein tro­cke­ner Stoff ist!
    Vie­len Dank auch, dass Sie mich dar­in erwäh­nen und mei­ne per­sön­li­che “Kist­ner-Geruchs-Erin­ne­rung” so nett mit ein­ge­baut haben! Ich kann übri­gens kaum erwar­ten, wei­te­re Arti­kel von Ihnen zu lesen, ich bin jetzt schon sehr gespannt dar­auf, wel­ches The­ma Sie sich als nächs­tes raus picken wer­den, und ich bin mir sehr sicher, das geht ganz bestimmt nicht nur mir so !!!

    Mit freund­li­chen Grü­ßen,
    Ihr begeis­ter­ter Anhän­ger,
    Gün­ter Knieß

  8. …Mensch Her­mann, dass war mal wie­der ein Sah­ne­häupt­chen. Sehr auf­schluss­reich! Kist­ner hat also nicht immer in weiß gebaut.

    Heu­te kann ich ihn im Fische­rei­ha­fen grü­ßen…

    Grü­ße Ron­ny

  9. Dan­ke, für den tol­len Bericht, ein­fach klas­se. Sicher war das viel Arbeit, ich wür­de mich über wei­te­re Berich­te aus unse­rer Stadt freu­en.

    Dan­ke

    • Lie­ber Micha­el,
      wie Du schon sagst: Es ist viel Arbeit und so ein Arti­kel braucht sei­ne Zeit. Aber es ist mein Hob­by, und ich schrei­be sicher­lich wei­ter. Beson­ders Kom­men­ta­re wie Dei­ner ver­lan­gen ja förm­lich nach wei­te­ren Arti­keln.
      Lie­be Grü­ße
      Her­mann

  10. …ich bedan­ke mich bei Dir,lieber Her­mann Schwiebert,für ein wirk­lich inter­es­san­tes und lehr­rei­ches “Weihnachtsgeschenk”.Es war eine Freu­de es zu lesen.Habe wie­der viel Neu­es und Wis­sens­wer­tes erfahren.Nicht nur über die Fir­ma Kistner,sondern auch über Bre­mer­ha­ven und über bekann­te Bre­mer­ha­ve­ner Häu­ser und Bau­wer­ke. Vie­len Dank dafür…

    • Lie­ber Jür­gen,
      ich freue mich, dass Dir der Arti­kel so gut gefällt. Und über Dei­ne Rück­mel­dung.
      Ich wün­sche Dir fro­he Weih­nachts­ta­ge.
      Lie­be Grü­ße
      Her­mann

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