Schlachtermeister Dobschinski mag nicht mehr

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Nun mag auch Schlach­ter­meis­ter Bern­hard Dob­schin­ski nicht mehr. Wenn sich in die­sem Jahr kein Nach­fol­ger fin­det, will er den Flei­scher­la­den im Colum­bus-Cen­ter schlie­ßen. Lang­sam aber sicher ster­ben in der See­stadt die Flei­scher­fach­ge­schäf­te aus.

Schlachtermeister Dobschinski

Rund 70 Flei­scher­lä­den gab es in den 1960er Jah­ren in Bre­mer­ha­ven. Jetzt ist es kei­ne Hand­voll mehr: Flei­sche­rei Fischer in der Bucht­stra­ße, Flei­sche­rei Stel­ter in der Georg­stra­ße und Flei­sche­rei Stehr mit dem Stamm­haus am Ber­li­ner Platz und den Filia­len in der Bahn­hofs­pas­sa­ge und in der Lan­ge­ner Land­stra­ße – nicht viel für eine Groß­stadt!

Schon lan­ge bie­ten die Super­märk­te – und neu­er­dings auch die Dis­coun­ter – Fleisch an. Und die Kun­den ori­en­tie­ren sich eben weni­ger an der Qua­li­tät und mehr am Preis. Kein Flei­scher­meis­ter kann mit den Nied­rig­prei­sen kon­kur­rie­ren. Und so ver­schwin­det ein Flei­scher­la­den nach dem ande­ren aus dem Stadt­bild.

Der frü­he­re Innungs­meis­ter steht seit mehr als 50 Jah­ren hin­ter dem Tre­sen. Und sei­ne Ehe­frau ist auch schon seit 1980 dabei. Als Bern­hard und Ruth Dob­schin­ski Bre­men-Nord ver­lie­ßen und nach Bre­mer­ha­ven kamen, eröff­ne­ten sie zunächst einen Flei­scher­la­den in der Hafen­stra­ße. Zwar wur­de nicht mehr selbst geschlach­tet, aber Fleisch und Wurst wur­de noch selbst her­ge­stellt.

Im Mai 1990 gab es dann einen Umbruch: Der Betrieb muss­te das Gebäu­de ver­las­sen, weil der Ver­päch­ter ande­re Plä­ne hat­te und den Pacht­ver­trag nicht ver­län­gern woll­te. Als dem Flei­scher­ehe­paar ein Laden­ge­schäft im Colum­bus Cen­ter ange­bo­ten wur­de, grif­fen sie zu. Ein Jahr spä­ter muss­te auch die Pro­duk­ti­on die Räu­me in der Hafen­stra­ße ver­las­sen. Also zog man in die leer ste­hen­den Räu­me einer ehe­ma­li­gen Flei­sche­rei in der Alten Bür­ger und stell­te dort die Fleisch- und Wurst­wa­ren her. Das ging so bis zum Jah­re 2005. Dann lief der Pacht­ver­trag eben­falls aus, und das Fili­al­ge­schäft wur­de samt Pro­duk­ti­ons­be­trieb geschlos­sen.

Obwohl der Laden im Colum­bus Cen­ter einen regen Zulauf hat, wol­len Bern­hard und Ruth Dob­schin­ski nun aus Alters­grün­den auf­hö­ren. Doch das ist gar nicht so ein­fach, es gibt kei­nen Nach­fol­ger, der Betrieb über­neh­men möch­te. Anzei­gen in regio­na­len Zei­tun­gen blie­ben eben­so ohne Reso­nanz wie Nach­fra­gen bei der Hand­wer­ker­schaft. Wenn sich im Lau­fe des Jah­res kein Nach­fol­ger fin­det, wird das Geschäft geschlos­sen – und die Stamm­kun­den müs­sen sich umori­en­tie­ren. Vie­le Mög­lich­kei­ten haben sie nicht.
Quel­len:
G.-D. Mei­er, “Flei­sche­rei­en wer­den Man­gel­wa­re”, Nord­see-Zei­tung vom 16.01.2013
Chris­toph Bohn, “Stei­ni­ger Weg in den Ruhe­stand…”, Sonn­tags­jour­nal vom 19.06.2016

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