Historiker und Publizist Arno Lustiger ist am 15. Mai 2012 im Alter von 88 Jahren verstorben.
Der aus Bedzin (Schlesien) stammende Widerstandskämpfer Arno Lustiger überlebte sechs Konzentrationslager und zwei Todesmärsche. Er war eine wichtige akademische Instanz für die Geschichte der Juden in dieser Zeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er maßgeblich am Aufbau der jüdischen Gemeinde in Frankfurt beteiligt.
Arno Lustiger konnte wegen der Judenverfolgung im Nationalsozialismus nie das Abitur machen oder eine Hochschule besuchen. Dennoch befasste er sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Holocaust und wollte die These widerlegen, dass die Juden willenlose Opfer der Nazis waren. So kritisierte er auch am 27. Januar 2005 gemeinsam mit seinem Freund Wolf Biermann zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in einer Ansprache im Deutschen Bundestag die mangelnde geschichtliche Aufarbeitung der Todesmärsche. Im Jahre 2009 wurde Arno Lustiger das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat das Lebenswerk des verstorbenen Arno Lustiger gewürdigt. In einem Kondolenzschreiben an dessen Lebensgefährtin schreibt Lammert:
"‘Die Wege der Erinnerung sind schwierig, aber solange wir leben, sollten wir sie alle in unserem Gedächtnis behalten‘, hat Arno Lustiger am 27. Januar 2005 im Bundestag gesagt. Wir sind ihm dankbar, dass er zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus mit diesen Worten die ebenso wichtige wie schmerzhafte Aufgabe beschrieben hat, die er persönlich so eindrucksvoll erfüllt und gelebt hat. Davon zeugt nicht zuletzt auch seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem jüdischen Widerstand zur Zeit des Nationalsozialismus, für die er zu Recht große Anerkennung erfahren hat. Dass er nach dem Krieg gemeinsam mit anderen die jüdische Gemeinde in Frankfurt wiedergegründet und damit in einer schwierigen Zeit ein bedeutendes Zeichen der Hoffnung gesetzt hat, werden wir nicht vergessen", betont Lammert.
Im Jahre 2004 schrieb Arno lustiger seine Erinnerungen in seiner Biografie "Sing mit Schmerz und Zorn – Ein Leben für den Widerstand" nieder.
Jüdische Allgemeine | Stimmen zum Tod des Publizisten und Historikers

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