Mehr als 210 Jahre Görlitzer Zeitungswesen

Die Geschich­te der Zei­tun­gen beginnt nach der Erfin­dung des Buch­drucks durch Johan­nes Guten­berg (1445) am Beginn des 17. Jahr­hun­derts. Um 1615 ent­stand in Deutsch­land die “Frank­fur­ter Post­zei­tung”  — wohl eine der ers­ten Zei­tun­gen über­haupt. Das Blatt, das in ganz Euro­pa abon­niert wur­de, erschien bis 1866.

Einkommende Zeitungen Die ers­te Tages­zei­tung der Welt erschien aller­dings ab 1. Juli 1650 in Leip­zig. Hier ver­öf­fent­lich­te der Dru­cker Timo­theus Ritzsch sechs­mal die Woche die “Ein­kom­men­den Zei­tun­gen” mit einer Auf­la­ge von etwa 200 Exem­pla­ren. Ursprüng­lich benutz­te man das Wort “Zei­tung” für eine belie­bi­ge Nach­richt. So ist wohl auch “Ein­kom­men­de Zei­tun­gen” als ein­ge­hen­de Nach­rich­ten zu verstehen.

Doch blie­ben bis zum Ende des 18. Jahr­hun­derts Tages­zei­tun­gen eine Ausnahme. 

Über das Gör­lit­zer Zei­tungs­we­sen hat die Zeit­schrift Stadt­bild in ihrer Aus­ga­be Nr. 79 im Janu­ar 2010 einen Auf­satz von Herrn Claus Bern­hard ver­öf­fent­licht. Herr Bern­hard ist Mit­glied im Zir­kel Gör­lit­zer Heimatforscher.

Von den im 18. Jahr­hun­dert in Gör­litz erschie­ne­nen Zeit­schrif­ten wies das Lau­sit­zi­sche Maga­zin in sei­nem Wesen schon Züge einer Zei­tung auf. Trotz aller Ver­su­che, die gelehr­ten Schrif­ten zu ver­all­ge­mei­nern, blie­ben sie aus­schließ­lich in den Hän­den der Gebil­de­ten. Eine gro­ße Kluft trenn­te die­se Krei­se von der sons­ti­gen Bevöl­ke­rung, obwohl das Bedürf­nis nach bes­se­rer Bil­dung bestand. Welt­po­li­ti­sche Ereig­nis­se wur­den kaum wahr­ge­nom­men. Dazu bedurf­te es aus­wär­ti­ger poli­ti­scher Blät­ter. Die Inter­es­sen des ein­fa­chen Bür­gers und Land­man­nes in aus­rei­chen­der Wei­se zu ver­tre­ten und ihnen gleich­zei­tig Auf­klä­rung und Beleh­rung in ein­fa­cher Form zukom­men zu las­sen, war der Beweg­grund, für einen begrenz­ten Bezirk, in die­sem Fall die Stadt Gör­litz, eine eige­ne Zei­tung her­aus­zu­ge­ben. Dr. Imma­nu­el Ver­trau­gott Rothe ent­schloss sich 1799 zu die­sem Expe­ri­ment und schrieb damit Gör­lit­zer Geschich­te. Er wur­de am 24. August 1768 in Sohra gebo­ren, stu­dier­te nach der Absol­vie­rung des Gör­lit­zer Gym­na­si­ums in Leip­zig und Wit­ten­berg und pro­mo­vier­te 1792 zum Dr. med.. Noch im glei­chen Jahr ließ er sich in Gör­litz nie­der. Sei­ne Vor­lie­be zur Schrift­stel­le­rei hat­te ihn auf den Gedan­ken gebracht, eine Wochen­schrift her­aus­zu­ge­ben, in der er sein rei­ches Wis­sen sei­nen Mit­bür­gern über­mit­teln konn­te. Rothe nann­te sei­ne Wochen­schrift “Der Anzei­ger” mit dem Zusatz “Chro­nik Lausitz‘scher Ange­le­gen­hei­ten im Jah­re 1799, nebst Auf­sät­ze zur Beleh­rung und Unter­hal­tung der Leser über gemein­nüt­zi­ge Gegen­stän­de aller Art”. In Num­mer 1 waren fol­gen­de Rubri­ken ent­hal­ten: Gebur­ten, Hoch­zei­ten, Beför­de­run­gen, Kauf- und Han­dels­sa­chen und unter “Aller­hand” die ers­te Hei­rats­an­zei­ge. Als Arzt trat Rothe für die Hebung der Volks­ge­sund­heit durch eine ver­nünf­ti­ge Gesund­heits­pfle­ge ein, für Ver­bes­se­run­gen im Heb­am­men­we­sen, pro­pa­gier­te die Kuh­po­cken­imp­fung und ver­lang­te vor­beu­gen­de Maß­nah­men zur Unfall­ver­hü­tung. “Der Anzei­ger” brach­te Rothe nicht den Erfolg, den er sich wünschte.

"Der Anzeiger"1803 über­trug er die Lei­tung an den Gör­lit­zer Buch­händ­ler Trau­gott Fer­di­nand Schi­rach, der das Über­le­ben des Anzei­gers sicher­te. Dr. Immau­el Ver­trau­gott Rothe hielt sich noch eini­ge Zeit in Gör­litz auf, ver­zog dann nach Prachwitz in Schle­si­en. Sei­ne letz­ten Lebens­jah­re ver­brach­te Rothe in Herrn­stadt, wo er am 6. April 1813 starb. Die Gör­lit­zer Zei­tungs­land­schaft wur­de im 19. Jahr­hun­dert durch die viel­fäl­tigs­ten Titel immer bun­ter. Neben ”Ein­tags­flie­gen” bestimm­ten gro­ße Blät­ter über Jahr­zehn­te das Gör­lit­zer Zeitungswesen.

Der Anzei­ger 1799 bis 1943
Her­aus­ge­ber: Dr. Imma­nu­el Ver­trau­gott Rothe
Dru­cke­rei: Burg­hart
”Chro­nik Lausitz‘scher Ange­le­gen­hei­ten, nebst Auf­sät­zen zur Beleh­rung und Unter­hal­tung der Leser über gemein­nüt­zi­ge Gegen­stän­de aller Art“.

"Görlitzer Anzeiger" 1848

Ziel war es, das Blatt “zum all­ge­mei­nen Sprach­werk­zeug für jeden und zu einem Lau­sit­zer Natio­nal­blatt zu machen, durch Bei­trä­ge Auf­klä­rung zu ver­brei­ten, Miss­bräu­che abzu­stel­len, die Ein­füh­rung nütz­li­cher Ein­rich­tun­gen vor­zu­be­rei­ten“. Von die­sem Vor­ha­ben wur­de immer wei­ter abge­rückt, poli­ti­sche Nach­rich­ten wur­den so gut wie nicht ver­öf­fent­licht. ”Der Anzei­ger“ wur­de zum rei­nen Intel­li­genz­blatt. Als ein­zi­ges Lokal­blatt erschie­nen hier die Ver­ord­nun­gen und Bekannt­ma­chun­gen. Der häu­fi­ge Wech­sel der Ver­le­ger änder­te auch den Cha­rak­ter des Blat­tes. Um 1840 lag das Haupt­au­gen­merk auf dem Gebiet der Unter­hal­tung, his­to­ri­sche und lokal­ge­schicht­li­che Abhand­lun­gen herrsch­ten vor. Ab 1848 erfolg­ten für das gesam­te deut­sche Zei­tungs­we­sen umwäl­zen­de Ver­än­de­run­gen hin zur poli­ti­schen Mei­nungs­pres­se. 1875 erfolg­te die Ver­ei­ni­gung mit den “Gör­lit­zer Nach­rich­ten“, 1929 die Ver­ei­ni­gung mit der “Nie­der­schle­si­schen Zeitung“.

Gör­lit­zer Weg­wei­ser 1832 bis 1842
Her­aus­ge­ber: Gott­hold Hein­ze & Co

Das Blatt galt als Wochen­schrift für die Ober­lau­sitz zur zweck­mä­ßi­gen Beleh­rung und Unter­hal­tung, ab 1834 Volks­blatt für die Ober- und Nie­der­lau­sitz. Es erschie­nen Nach­rich­ten aus allen Gegen­den der Ober- und Nie­der­lau­sitz, über Stadt- und Dorf-Gemein­de­sa­chen, Kir­chen und Schul­an­ge­le­gen­hei­ten so- wie das Merk­wür­digs­te, Nütz­lichs­te und Neu­es­te aus der Volks- und Natur­ge­schich­te, der Land­wirt­schaft und der Gewer­be­kun­de, die neu­es­ten Erfin­dun­gen und Ent­de­ckun­gen, Berich­te der Ober­lau­sit­zi­schen Gesell­schaft der Wis­sen­schaf­ten, der Natur­for­schen­den Gesell­schaft und der Gewer­be­ver­ei­ne, Unter­hal­tungs­lek­tü­re durch Auf­sät­ze, Anek­do­ten, Kurio­si­tä­ten und his­to­ri­sche Erin­ne­run­gen, zweck­mä­ßi­ge Bei­la­gen von Stein­dru­cken und Bücher­an­zei­gen. Wegen sei­ner geschickt gewähl­ten Geschich­ten aus dem alten und geich­zei­ti­gen Gör­litz gilt das Blatt auch heu­te noch als Fund­gru­be für den Historiker.

Gör­lit­zer Fama 1840 bis 1853
Her­aus­ge­ber: Buch­dru­cke­rei­be­sit­zer J.G. Dreßler

Görlitzer Fama mit AnzeigerEs erschie­nen Lokal­nach­rich­ten, Zei­tungs­nach­rich­ten, Ver­misch­tes sowie die Kir­chen­lis­te und die Getrei­de­prei­se der Regi­on. Erzäh­lun­gen, Gedich­te, Anek­do­ten, Rat­schlä­ge und Land­wirt­schaft­li­ches wur­den wie­der­ge­ge­ben. Thea­ter­kri­ti­ken soll­ten die Leser­schaft für die Büh­ne inter­es­sie­ren. Über die Tages­ge­schich­te und die Poli­tik zu berich­ten, war dem Blatt nicht gestat­tet. Die Leser­schaft kam vor­nehm­lich aus dem Mit­tel­stand, ver­tre­ten durch Hand­wer­ker, Bau­ern und Gewer­be­trei­ben­de, deren Exis­tenz durch die auf­stre­ben­de Indus­tria­li­sie­rung in Gefahr war. Die “Fama“ mahn­te die Erwach­se­nen, zu ein­fa­cher Lebens­wei­se zu fin­den und gegen Alko­hol­miss­brauch und Unsit­ten anzukämpfen.

Gör­lit­zer Tage­blatt 1856 bis 1862
Nie­der­schle­si­sche Zei­tung ab 1863 bis 1929
Her­aus­ge­ber: Otto­mar Vier­ling
Dru­cke­rei: G. A. Rämisch

Das Blatt galt als poli­ti­sche Rund­schau mit Tages­be­ge­ben­hei­ten sowie Loka­lem und Ver­misch­tem, Organ für die Publi­ka­ti­on der amt­li­chen Ver­ord­nun­gen und Bekannt­ma­chun­gen und all­ge­mei­ner Anzei­ger. Ab 1.1.1863 folg­te die Umbe­nen­nung in “Nie­der­schle­si­sche Zei­tung“. Es ging um die Ein­füh­rung des Leit­ar­ti­kels zu aktu­el­len Fra­gen, För­de­rung der Bil­dung und Beleh­rung zum öffent­li­chen Woh­le. Poli­tisch unab­hän­gig und unpar­tei­isch ver­trat die Zei­tung den “Stand­punkt des gemä­ßig­ten und beson­ne­nen Fort­schritts“. Sie befass­te sich mit sozia­len Fra­gen, wie z.B.: Arbei­ter­ver­si­che­rungs­we­sen, poli­ti­sche Gleich­heit aller Stän­de, Aus­glei­chung der Gegen­sät­ze zwi­schen Arbeit­ge­bern, Arbeit­neh­mern und ihren Orga­ni­sa­tio­nen, kri­ti­sier­te das Kom­mu­nal­we­sen, deck­te Miss­bräu­che auf und wag­te posi­ti­ve Vor­schlä­ge zum Woh­le der Stadt. Ab 1.2.1929 folg­te die Ver­ei­ni­gung mit den “Gör­lit­zer Nach­rich­ten und Anzei­ger“ zu “Ver­ei­nig­te Gör­lit­zer Nach­rich­ten und Nie­der­schle­si­sche Zeitung“.

Gör­lit­zer Zei­tung für die Lau­sitz 1862 bis 1867
Her­aus­ge­ber: Prof. Dr. August Til­lich
Dru­cke­rei: G. A. Rämisch

Es war Par­tei­or­gan der Kon­ser­va­ti­ven und dien­te zum “Ver­mit­teln der poli­ti­schen Bil­dung und Ver­fas­sungs­rei­fe”, vor allem unter der Land­be­völ­ke­rung”. Der Aus­brei­tung der libe­ra­len und demo­kra­ti­schen Pres­se soll­te ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wer­den. Die Leit­ar­ti­kel dien­ten den Par­tei­in­ter­es­sen und als Kampf­mit­tel gegen die Libe­ra­len. Der Oppo­si­ti­ons­cha­rak­ter des Blat­tes führ­te zu Dif­fe­ren­zen mit der Stadt­ver­wal­tung. Bei­trä­ge zu Gör­lit­zer Thea­ter­ver­hält­nis­sen, aus den Land­tags­ver­hand­lun­gen, Gör­lit­zer Kir­chen­lis­ten, Markt­prei­se und amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen wur­den immer sel­te­ner, die Par­tei­in­ter­es­sen stan­den im Vor­der­grund. Die feh­len­de finan­zi­el­le Grund­la­ge zur Selb­stän­dig­keit führ­te im März 1867 zur Ein­stel­lung der Zeitung.

Neu­er Gör­lit­zer Anzei­ger 1877 bis 1941
Hrsg: Buch­dru­cke­rei­be­sit­zer Gus­tav Hoff­mann & Emil Reiber

Es wur­de die auf­la­gen­stärks­te Zei­tung Nie­der­schle­si­ens, wur­de im gesam­ten fort­schritt­li­chen Bür­ger­tum und auch in Intel­li­genz­krei­sen zur meist­ge­le­se­nen Tages­zei­tung, ver­trat den libe­ra­len Geist, indes frei von jeder Par­tei­en- Scha­blo­ne. Man las promp­te und gedie­ge­ne Bespre­chung der Tages­fra­gen in ihren Leit­ar­ti­keln, aus­führ­li­che Berich­te aus Reichs- und Land­tag, reich­hal­ti­ge und zuver­läs­si­ge Mit­tei­lun­gen aus der Lau­sitz und Schle­si­en. Man fand Pfle­ge der loka­len Tei­le, spe­zi­ell der städ­ti­schen Ange­le­gen­hei­ten. Noti­zen über Han­del, Indus­trie und Ver­kehr sowie Bör­sen- und Markt­nach­rich­ten, amt­li­che Erlas­se und stan­des­amt­li­che Nach­rich­ten von Gör­litz und Umge­bung. Das Feuil­le­ton ent­hielt gedie­ge­ne Novel­len, natur­wis­sen­schaft­li­che und kul­tur­ge­schicht­li­che Erör­te­run­gen. Der Ein­satz der damals moderns­ten Druck­tech­nik (Setz­ma­schi­nen und Rota­ti­ons­ma­schi­nen) wur­de mög­lich. Ein bekann­ter Mit­ar­bei­ter von 1925 bis 1932 war Johan­nes Wüsten.

Gör­lit­zer Zei­tung — Unab­hän­gi­ges Organ für Jeder­mann 1891 bis 1892
Her­aus­ge­ber: Buch­dru­cke­rei H. Kret­schmer, Mein­hardt & Co.

Sie nahm sich vor, zum Woh­le, zur Beleh­rung und Unter­hal­tung der Bewoh­ner von Gör­litz, der Lau­sitz und Schle­si­ens nach dem Mot­to “Bie­te jedem etwas, und du befrie­digst alle“ bei­zu­tra­gen, Auf­klä­rung über wich­ti­ge poli­ti­sche und mate­ri­el­le Zeit­fra­gen zu leis­ten, täg­lich Bericht zu erstat­ten über die den Poli­ti­ker und Kauf­mann inter­es­sie­ren­den Tages­de­pe­schen. Tages­er­eig­nis­se aus Gör­litz, den Nach­bar­or­ten, der schle­si­schen Haupt­stadt und der könig­li­chen Resi­denz Ber­lin zu brin­gen, außer­dem Bör­sen­be­rich­te, Kurs­no­tie­run­gen und Wet­ter­be­ob­ach­tun­gen. Unter­hal­tung durch Novel­len, Roma­ne, Kunst­kri­ti­ken und Kunst­no­ti­zen, Humo­ris­ti­sches und popu­lär gehal­te­ne Arti­kel über tech­ni­sche und wis­sen­schaft­li­che Fra­gen. Ab Febru­ar 1892 erfolg­te die Ver­öf­fent­li­chung der “Offi­zi­el­len Gör­lit­zer Fremden-Liste“.

Gör­lit­zer Volks­zei­tung 1899 bis 1933
Her­aus­ge­ber: SPD
Eige­ne Dru­cke­rei Lui­sen­stra­ße 8

Es war die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Zei­tung, Organ für die werk­tä­ti­ge Bevöl­ke­rung der Ober­lau­sitz, nann­te sich “beru­fe­ne Ver­tre­te­rin der Arbei­ter­inter­es­sen, um das Volk über den wah­ren Zustand der Gesell­schaft auf­zu­klä­ren“, ableh­nend “gegen­über dem nie­de­ren Klatsch wie Hof­be­rich­te und Hei­rats­ge­su­che“. 1910 erfolg­te die Schaf­fung einer eige­nen Dru­cke­rei durch den Auf­bau der Genos­sen­schaft “Arbei­ter­dru­cke­rei“ und des Spar­ver­eins “Gör­lit­zer Volks­zei­tung“. Ihre Geschich­te ende­te 1933 durch Ver­bot der Zei­tung durch die NSDAP, 13.3.1933 Beset­zung der Redak­ti­on und Dru­cke­rei durch SA und Poli­zei. Bekann­te Redak­teu­re waren: Paul Löbe, spä­ter Reichs­tags­prä­si­dent, Her­mann Mül­ler, spä­ter Reichs­kanz­ler, Paul Taub­a­del, Reichstagsabgeordneter.

Ober­lau­sit­zer Früh­post 1932 bis 1934
Ober­lau­sit­zer Tages­post ab 1934 bis 1945
Her­aus­ge­ber: Hel­muth Brück­ner (bis 1934)

Verbot der VolkszeitungNach der Beset­zung der Dru­cke­rei der Gör­lit­zer Volks­zei­tung 1933 in der Lui­sen­str. 8 wur­de die Zei­tung dort gedruckt als Organ der NSDAP. Sie war gekenn­zeich­net durch Ver­herr­li­chung des Natio­nal­so­zia­lis­mus, Het­ze gegen alle exis­tie­ren­den Zei­tun­gen. Ab 1. Mai 1934 wur­de die “Früh­post“ in “Tages­post“ umbe­nannt mit der Maß­ga­be, dass die gesam­ten Zei­tun­gen der schle­si­schen Ober­lau­sitz fort­an täg­lich nur in einer Aus­ga­be zu erschei­nen haben. 1933, 1941 und 1943 haben alle ande­ren Gör­lit­zer Zei­tun­gen ihr Erschei­nen ein­ge­stellt. Am 5. Mai 1945 erschien die letz­te Aus­ga­be der “Tages­post“.

Zei­tun­gen nach 1945 mit Gör­lit­zer Lokal­teil
Amt­li­che Bekanntmachungen

Es begann mit Amt­li­chen Bekannt­ma­chun­gen der Stadt Gör­litz, wel­che von 1945 bis 1950 erschie­nen. Nach der Wen­de wur­den die amt­li­chen Bekannt­ma­chun­gen der Stadt Gör­litz als “Amts­blatt“ wie­der­be­lebt. 1991 wur­den sie im Gör­lit­zer-Mosa­ik ver­öf­fent­licht. Von 1992 bis 1994 erschie­nen sie im Gör­lit­zer Wochen­spie­gel. Ab 1. Febru­ar 1994 wird das “Amts­blatt“ als eigen­stän­di­ge Publi­ka­ti­on herausgegeben.

NS-Propaganda 1933

Tages­zei­tun­gen
1946 wur­den die “Volks­stim­me“ der SPD und die “Säch­si­sche Volks­zei­tung“ der KPD zusam­men­ge­schlos­sen zur “Säch­si­schen Zei­tung“. Sie erschien vom 13.4. bis 20.5.1946 in Gör­litz. Nach Grün­dung der SED 1946 wur­de die “Säch­si­sche Zei­tung“ nur noch zwi­schen Dres­den und Baut­zen ver­trie­ben. Für Gör­litz war die “Lau­sit­zer Rund­schau“ zustän­dig, wel­che bis 13.8.1952 in Gör­litz erschien. Mit der Schaf­fung der Bezir­ke 1952 wur­de auch die Pres­se neu geord­net. Die “Lau­sit­zer Rund­schau“ wur­de dem Bezirk Cott­bus zuge­ord­net und die “Säch­si­sche Zei­tung“, als Organ der Bezirks­lei­tung Dres­den der SED, dem Bezirk Dres­den. Seit dem 15.8.1952 wur­de die “Säch­si­sche Zei­tung“ in Gör­litz ver­trie­ben. Sie hat­te sehr vie­le Abon­nen­ten. Im Regio­nal­teil berich­te­te sie über die SED- Par­tei­po­li­tik in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen und pro­pa­gier­te die Linie der Sächsische ZeitungPar­tei­füh­rung für die Stadt und den Land­kreis. Sie stütz­te sich auf zahl­rei­che “Volks­kor­re­spon­den­ten“. Auch die Tages­zei­tun­gen “Die Uni­on“ (CDU) und ”Säch­si­sches Tage­blatt“ (LDP) unter­hiel­ten in Gör­litz eige­ne Kreis­re­dak­tio­nen; sie wand­ten sich vor allem an die Mit­tel­schich­ten. Im Dezem­ber 1989 trat die Chef­re­dak­ti­on zurück, und die Säch­si­sche Zei­tung ändert ihren Unter­ti­tel, und die Kopf­zei­le “Pro­le­ta­ri­er aller Län­der ver­ei­nigt Euch“ ent­fiel. Im Janu­ar 1990 erklär­te die Zei­tung ihre Unabhängigkeit.

Von 1961 bis 1967 war das “LANDSKRON echo“ die Hei­mat­zei­tung für die Stadt und den Kreis Gör­litz. 1991 erschien der “Wochen­spie­gel“, in wel­chem von 1992 bis 1994 das Görlitzer AmtsblattGör­lit­zer Amts­blatt ver­öf­fent­licht wur­de. 1994 erfolg­te die Umbe­nen­nung in “Wochen­ku­rier“, und die amt­li­chen Mit­tei­lun­gen des Land­rats­am­tes erschei­nen hier. Wäh­rend der poli­ti­schen Umwäl­zung nach 1989 erschien die “Gör­lit­zer Zei­tung“, die den Ver­än­de­rungs­pro­zess kri­tisch beglei­te­te und furcht­los Skan­da­le auf­deck­te. Sie muss­te bald ihr Erschei­nen ein­stel­len. Seit 1993 gibt es den “Nie­der­schle­si­schen Niederschlesischer KurierKurier“ für die Stadt und den Land­kreis Gör­litz als Ergän­zung zum “Ober­lau­sit­zer Kurier“. Mit Schaf­fung des Nie­der­schle­si­schen Ober­lau­sitz-Krei­ses wur­de die Zei­tung kurz­zei­tig in “Gör­lit­zer Kurier“ umbe­nannt. Aber der Name “Nie­der­schle­si­scher Kurier“ hat sich durchgesetzt.

Das Mei­nungs­mo­no­pol einer ein­zi­gen regio­na­len Tages­zei­tung mit Kreis­teil wird von vie­len Ein­woh­nern bedau­ert. Zahl­rei­che Leser­brie­fe tra­gen jedoch dazu bei, unter­schied­li­che Stand­punk­te vorzutragen.

Claus Bern­hard, Zir­kel Gör­lit­zer Heimatforscher

Bild­nach­wei­se:
Bild 1: wikipedia.org

Bild 4: Staats­bi­blio­thek Ber­lin
Bil­der 2,3, 5 und 6: Stadt­BILD Aus­ga­be Nr. 79 aus 1/2010
Bild 7: Titel­sei­te Säch­si­sche Zei­tung Aus­ga­be 30.4.2011
Bild 8: Titel­sei­te Amts­blatt Gör­litz Aus­ga­be 18 aus 8/2012
Bild 9: Titel­sei­te Nie­der­schle­si­scher Kurier Aus­ga­be 37/2010

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