Geestemünde in alten und neuen Ansichten — Teil 10

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Geest­e­mün­de in alten und neu­en Ansich­ten — Teil 10

Im Volks­mund gibt es vie­le Gelän­de­be­zeich­nun­gen, die für den Ein­hei­mi­schen eine genaue Orts­an­ga­be dar­stel­len. Die­se oft­mals schon vie­le hun­dert Jah­re alten Bezeich­nun­gen gera­ten lang­sam in Ver­ges­sen­heit. Dar­um ist es wich­tig, die­se alten Flur­be­zeich­nun­gen für unse­re Nach­kom­men zu erhal­ten, sind sie in ihrer Bedeu­tung doch ein Stück Hei­mat und Geschich­te.

In Geest­e­mün­de gibt es die Bezeich­nung “Pasch­vier­tel”. Das Wort “Pasch“ soll vom Nie­der­rhein stam­men und setz­te sich auch im nord­deut­schen Sprach­ge­brauch durch. Sei­nen Ursprung fin­det es jedoch in der latei­ni­schen Spra­che. Es stammt von “pascua” ab, was Wei­de oder Wei­de­land bedeu­tet. Wer heu­te durch die mit dich­ten Häu­ser­rei­hen bebau­te Pasch­stra­ße geht, kann sich viel­leicht nicht mehr vor­stel­len, dass die­ses Gebiet ein­mal Wei­de­land gewe­sen sein soll.

Paschviertel

Geesten­dorf ent­stand wohl aus dem bereits 1139 erst­ma­lig erwähn­ten  Kirch­dorf Ges­ten­t­hor­pe. Das mit­tel­al­ter­li­che Geesten­dorf gehör­te zum Amts- und Gerichts­be­zirk Vie­land und befand sich auf dem Geest­rü­cken rund um die Mari­en­kir­che. 1813 leb­ten in Geesten­dorf 491 Men­schen, noch 1823 sol­len es nur 576 gewe­sen sein. Doch mit der Grün­dung der Stadt Bre­mer­ha­ven und den Häfen kamen immer mehr Men­schen in das ver­schla­fe­ne Geesten­dorf. Bereits 1858 leb­ten hier 2.296 Ein­woh­ner. Vor allem Arbei­ter und Hand­wer­ker sie­del­ten sich hier an, da in Bre­mer­ha­ven und dem 1845 eben­falls neu ent­stan­den Geest­e­mün­de die Zuzugs­be­din­gun­gen sehr restrik­tiv waren.

Paschviertel

Das Are­al des heu­ti­gen Neu­mark­tes befand sich im Eigen­tum des Amts­ho­fes, dem spä­te­ren Amt Vie­land. Der Amts­hof lag schräg gegen­über der Mari­en­kir­che und war mit ver­schie­de­nen Wohn- und Wirt­schafts­ge­bäu­den bebaut. Auch gehör­ten ein gro­ßer Gar­ten und umfang­rei­che Län­de­rei­en dazu. Die­se erstreck­ten sich im Nor­den bis zur Bucht­stra­ße und wur­den im Osten durch die Bül­ken­stra­ße begrenzt.

1936 Bismarckstrasse

Nach der Grün­dung von Bre­mer­ha­ven und Geest­e­mün­de nahm Geesten­dorf – wie bereits erwähnt – als Wohn­vor­ort für die bei­den klei­nen Hafen­or­te inner­halb weni­ger Jahr­zehn­te einen erheb­li­chen Auf­schwung. Als Fol­ge hat­te sich die Wohn­be­bau­ung in Geesten­dorf erheb­lich Rich­tung Osten und Nor­den erwei­tert und Geesten­dorf wuchs ent­lang der heu­ti­gen Georg­stra­ße all­mäh­lich auf Geest­e­mün­de zu.

1905_Bülkenstrasse

Zur glei­chen Zeit ent­stand für die vie­len Neu­bür­ger auf einem nörd­lich des Geesten­dor­fer Geest­rü­ckens gele­ge­nen Wei­de­land ein neu­es Wohn­ge­biet, dass man spä­ter in Anleh­nung an die alte Flur­be­zeich­nung den Namen “Pasch­vier­tel” gab. Die­ses von  der Georg­stra­ße, der Bis­marck­stra­ße, der Schil­ler­stra­ße und der Bucht­stra­ße begrenz­te Wohn­ge­biet besteht aus eng bei­ein­an­der lie­gen­den Gas­sen, die in einem leich­ten Bogen ver­lau­fen und von der Bucht­stra­ße schräg ange­schnit­ten wer­den. Das Pasch­vier­tel ent­wi­ckel­te sich zu einem dicht­be­sie­del­ten Orts­teil, der vom alten Geesten­dor­fer Dorf­kern räum­lich getrennt war.

Mit dem Eisen­bahn­bau und der Erwei­te­rung der Geest­e­mün­der Hafen­an­la­gen wur­de für das Pasch­vier­tel 1856 eine wei­te­re Aus­deh­nung unmög­lich gemacht. Als 1863 der Handelshafen,der Nord­ka­nal und der Quer­ka­nal fer­tig­ge­stellt waren, muss­te die Chaus­see um das neu ent­stan­de­ne Zoll-“Freigebiet” her­um­ge­führt wer­den. Die zwi­schen 1859 und 1862 gebau­te Leher Stra­ße (spä­ter Bis­marck­stra­ße)  und  die  Leher  Chaus­see (spä­ter  Rhein­stra­ße) bil­de­ten die Bebau­ungs­gren­ze für das neue Wohn­vier­tel. Und der 1877 ange­leg­te Holz­ha­fen mach­te klar, dass es für das Pasch­vier­tel kei­ne wei­te­re Aus­deh­nung in nörd­li­cher Rich­tung geben kann.

1912 Buchtstrasse Ecke Keilstrasse

Also wur­de gen Süden wei­ter­ge­baut — zunächst ent­lang der bereits vor­han­de­nen Pasch­stra­ße, Bül­ken­stra­ße und Kur­ze Stra­ße (heu­te Tul­pen­stra­ße) — bis man die Bucht­stra­ße erreich­te. Hier war dann auch wie­der Schluss, denn das  jen­seits der Bucht­stra­ße gele­ge­ne Amts­hof­ge­län­de bil­de­te eine wei­te­re Gren­ze und so wur­de aus dem “Pasch”, ein­ge­zwängt zwi­schen Bucht­stra­ße und Bis­marck­stra­ße,  ein eng begrenz­tes und dicht­be­sie­del­tes Vier­tel mit klei­nen Arbei­ter- und  Hand­wer­ker­häu­sern  vom Typ “Leher Haus“.

Nelkenstraße

Zwi­schen Pasch­stra­ße, Bül­ken­stra­ße und Kur­ze Stra­ße wer­den wei­te­re Stra­ßen gebaut; Anfang der 1860er Jah­re ent­steht die Rosen­stra­ße und Mit­te der 1860er Jah­re die Nel­ken­stra­ße, in der heu­te noch ein paar Gebäu­de des Typ “Leher Haus” erhal­ten sind.

Die Grund­stü­cke waren sehr klein, sie reich­ten nur etwa zehn Meter in die Tie­fe. Dar­aus erga­ben sich Grund­stücks­grö­ßen von maxi­mal 100 Qua­drat­me­ter, oft­mals waren sie sogar noch klei­ner. So waren auch die Wohn­räu­me, jeden­falls gemes­sen an den heu­ti­gen Wohn­ver­hält­nis­sen, recht klein. Häu­fig muss­ten die Gewer­be­trei­ben­den auch ihre Werk­statt in den Woh­nungs­grund­riss ein­pla­nen, da die klei­nen Grund­stü­cke kein zusätz­li­ches Werk­statt­ge­bäu­de zulie­ßen.

Kleingärten

Zwi­schen den Gebäu­den gab es schma­le Gän­ge, die zu den sehr klei­nen Hof­räu­men führ­ten. Die Anla­ge von Haus­gär­ten war in den klei­nen Hin­ter­hö­fen aller­dings nicht mög­lich. Zur Auf­bes­se­rung ihrer gerin­gen Ein­künf­te waren die Bewoh­ner dar­auf ange­wie­sen, in außer­halb gele­ge­nen Klein­gär­ten etwas Gar­ten­bau und auch Klein­vieh­hal­tung zu betrei­ben. Die­se Gär­ten wur­den am Ran­de des Pasch­vier­tels öst­lich der Schil­ler­stra­ße und Rhein­stra­ße ange­legt und zogen sich bis zum Gebiet des heu­ti­gen Haupt­bahn­ho­fes hin. Die Gär­ten ver­schwan­den erst in den 1950er Jah­ren.

Malergeschäft B. Hayen in der Friedrichstraße Ecke Tulpenstraße

Nur dort, wo irgend­wann ein­mal zwei Grund­stü­cke zusam­men­ge­legt wur­den, konn­ten die Hand­wer­ker und ande­re Gewer­be­trei­ben­de ihre Werk­statt außer­halb des Wohn­rau­mes unter­brin­gen. Nörd­lich der Fried­rich­stra­ße wur­den die Grund­stü­cke im Bebau­ungs­plan vom Anfang der 1850er Jah­re groß­zü­gi­ger ver­mes­sen. Hier konn­te man des­halb auch präch­ti­ge­re Gebäu­de mit grö­ße­rem Wohn­raum erstel­len.

Heute gibt es hier auch das Malergeschäft von B. Hayen längst nicht mehr.

So befand sich etwa das Maler­ge­schäft B. Hay­en seit 1888 in dem klei­nen im Grün­der­haus­stil erbau­ten Wohn- und Geschäfts­haus an der Ecke Fried­rich­stra­ße und Tul­pen­stra­ße. Ein ande­res Gebäu­de, dass hier drei­ßig Jah­re lang stand, wur­de abge­ris­sen.

Auch die heu­te noch bestehen­de Bäcke­rei Engel­brecht ent­stand hier zum Anfang des letz­ten Jahr­hun­dert an der Ecke Fried­rich­stra­ße zur Schil­ler­stra­ße in einer bereits vor­han­de­nen Bäcke­rei.

Bäckerei Engelbrecht in der Schillerstraße Ecke Friedrichstraße

Neben dem Maler­ge­schäft B. Hay­en ent­stan­den im Pasch­vier­tel vie­le ande­re Betrie­be. Max Sieg­hold, spä­te­rer Besit­zer der bekann­ten Sieg­hold-Werft, pach­te­te 1925 in der Nel­ken­stra­ße 2 von Fried­rich Nagel eine Schmie­de und begann sei­nen Betrieb mit einem Lehr­ling.

Möbelfabrik Schlüter

Pols­ter­meis­ter Lou­is Schlü­ter begann in der Nel­ken­stra­ße in einer klei­nen Werk­statt, bevor er um die Wen­de zum 20. Jahr­hun­dert sei­ne Möbel­fa­brik auf­bau­te.

Möbelfabrik Schlüter

Für die Tisch­ler­ar­bei­ten stell­te Lou­is Schlü­ter den im Jah­re 1898 gebo­re­nen Tisch­ler­meis­ter Karl Jüch­tern ein. Auch meh­re­re Gesel­len waren in der Möbel­fa­brik beschäf­tigt.

Möbelfabrik Schlüter

Der Betrieb bestand noch bis weit in die 1970er Jah­re hin­ein.

Karl Jüch­terns Vater hieß Hein­rich Jüch­tern, der hat­te ein klei­nes Trans­port­un­ter­neh­men.

Transportunternehmen Heinrich Jüchtern

Mit sei­nem Pfer­de­fuhr­werk trans­por­tier­te er unter ande­rem das Gepäck der Rei­sen­den von und zum Bre­mer­ha­ve­ner Bahn­hof.

1910 | Bierverlag Lehnert

Schräg gegen­über von Engel­brecht befand sich der Bier­ver­lag von Hein­rich Leh­nert, der eigent­lich eine Fleischwaren‑,  Margarine‑,  Bier- und Spi­ri­tuo­sen­groß­hand­lung war. Zwar gibt es das Leh­nertsche Anwe­sen eben­falls nicht mehr, aber das

2014 | wieder aufgebaute Eckhaus an der Schillerstraße Ecke Raabestraße

Eck­haus wur­de zusam­men mit wei­te­ren Gebäu­den für einen Super­markt der­art wie­der auf­ge­baut, dass optisch eine his­to­ri­sche Ver­bin­dung zum alten Leh­nertschen Gebäu­de­kom­plex her­ge­stellt wur­de.

15. Mai 2014 Paschstrasse Blick Richtung Kreuzstrasse

Über das All­tags­le­ben im Pasch­vier­tel gibt kaum Auf­zeich­nun­gen. Es scheint aber ein Vier­tel gewe­sen zu sein, in dem die wohn­bau­li­chen und auch die hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se anspruchs­los waren. Auch die Kana­li­sa­ti­on soll so unzu­rei­chend gewe­sen sein, dass die tie­fer gele­ge­nen Grund­stü­cke bei star­ken Regen­fäl­len unter Was­ser stan­den.

Paschschule

Dadurch, dass das Amts­hof­ge­län­de für die Geesten­dor­fer Neu­bau­be­bau­ung eine Gren­ze dar­stell­te, blieb der Cha­rak­ter des Geesten­dor­fer Orts­kern mit sei­nen alten Bau­ern­häu­sern bis weit ins letz­te Vier­tel des 19. Jahr­hun­derts erhal­ten. Das Pasch­vier­tel bekam sogar eine eige­ne Schu­le. 1863 wur­de in der Schil­ler­stra­ße 14 die Pasch­schu­le gebaut.

25. Mai 2014 | An der Schillerstraße/Ecke Raabestraße wurde im Frühjahr 1863 die neue vierklassige Paschschule bezogen.

1902 bezog die Katho­li­sche Volks­schu­le das Gebäu­de und blieb hier 37 Jah­re – bis zum Ver­bot im Jah­re 1939. Neben 13 wei­te­ren Schu­len wur­de durch den Luft­an­griff im Sep­tem­ber 1944 auch die Pasch­schu­le zer­stört.

Kirche

Bei die­sem Angriff wur­de auch die 1911 ein­ge­weih­te Hei­li­ge Herz-Jesu-Kir­che durch Brand­bom­ben erheb­lich beschä­digt.

Die alt­ein­ge­ses­se­nen Bewoh­ner Geesten­dorfs blie­ben also “unter sich”, wäh­ren im Pasch­vier­tel die in Bre­mer­ha­ven und Geest­e­mün­de beschäf­tig­ten Arbei­ter ihre neue Hei­mat fan­den. Aber auch klei­ne­re Hand­werks­be­trie­be wie Bäcke­rei­en, Schlach­te­rei­en, Schus­te­rei­en und Milch­ge­schäf­te oder Koh­len­hand­lun­gen fan­den hier ihr Aus­kom­men.

Bülkenstraße

Das blieb so, bis das Wohn­ge­biet durch den Luft­an­griff am 18. Sep­tem­ber 1944 fast völ­lig zer­stört wur­de und die an Stel­le der einst­mals klei­nen Wohn­häu­ser gebau­ten gro­ßen Wohn­blö­cke dem Vier­tel einen voll­kom­me­nen ande­ren Cha­rak­ter gaben.
Quel­len:
Dr. Hart­mut Bickel­mann, Nie­der­deut­sches Hei­mat­blatt Nr. 757 aus Janu­ar 2013
Daten zur Geschich­te der Katho­li­schen Schu­le…
His­to­ri­sche Bül­ken­stra­ße in neu­em Gewand (pdf-Datei)
Hart­mut Bickel­mann: Von Geesten­dorf nach Geest­e­mün­de,
de.wikipedia.org

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11 Kommentare

  1. Guten Mor­gen, Her­mann.
    Hab dei­ne Fra­ge zur Bäcke­rei gele­sen [von Frank Rzeppa] und mir dabei natür­lich auch dei­nen Arti­kel durch­ge­le­sen. Dabei ist mir ein Feh­ler auf­ge­fal­len. Es geht um die Pasch­schu­le. Du hast die Schu­le auf die lin­ke Ecke der Raa­be­str loka­li­siert. Tat­säch­lich stand sie aber rechts. Zur Ver­deut­li­chung hab ich dir zwei Kar­ten aus mei­ner Samm­lung abfo­to­gra­fiert. Sie zei­gen die Schu­le und das Gebäu­de, wo spä­ter Fein­kost Deh­ning fir­mier­te. Sie sind bei­de fast gleich alt. Außer­dem stan­den in der Schil­ler­str und nicht in den Neben­str Bäu­me.
    Wie immer darfst du die Fotos ger­ne für dei­ne Arbei­ten ver­wen­den. Ich hof­fe, ich konn­te etwas Klar­heit schaf­fen und ver­blei­be mit lie­ben Gruß
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  2. Sehr geehr­ter Herr Schwie­bert,

    durch eine fami­li­en­ge­schicht­li­che Recher­che bin ich auf ihren Arti­kel “Geest­e­mün­de in alten und neu­en Ansich­ten — Teil 10” gesto­ßen. Ich fin­de den Arti­kel sehr infor­ma­tiv und für mei­ne For­schung sehr hilf­reich, denn er half mir ein Fami­li­en­fo­to zu ent­schlüs­seln (sie­he Foto im Anhang), dass die Bäcke­rei des Groß­va­ters mei­nes Schwa­gers zeigt. Dabei han­delt sich offen­sicht­lich um das­sel­be Haus, wel­ches auch auf dem Foto in Ihrem Arti­kel abge­bil­det ist und dort den Unter­ti­tel “1905, Bäcke­rei & Colo­ni­al­wa­ren­hand­lung Mehl in der Bül­ken­stra­ße” trägt.

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    Da mein Schwa­ger kaum Hin­ter­grund-Infor­ma­tio­nen zu dem anlie­gen­den Foto geben kann, außer der Tat­sa­che, dass dort die Bäcke­rei sei­nes Groß­va­ters Chris­ti­an Bre­de abge­bil­det ist (mit Chris­ti­an Bre­de selbst als Drit­tem von links), bin ich sehr an wei­te­ren Infor­ma­tio­nen inter­es­siert.

    Daher habe ich eini­ge Fra­gen an Sie:

    - Wie kann ich an das Ori­gi­nal Ihres Foto kom­men? Ich wür­de ger­ne eine Kopie anfer­ti­gen. Wer hat die Urhe­ber­rech­te an dem Bild?

    - Haben Sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen über das abge­bil­de­te Haus?

    Ich habe selbst schon etwas recher­chiert und fol­gen­des her­aus­ge­fun­den, was viel­leicht auch für Sie inter­es­sant sein könn­te:

    Die Bäcke­rei wird zum Zeit­punkt des von Ihnen ver­wen­de­ten Fotos 1905 ver­mut­lich noch von ihrem ursprüng­li­chen Besit­zer Hein­rich tom Suden geführt. In den Adress­bü­chern für Geest­e­mün­de (im Rah­men des “Adreß­buch der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, der Hafen­städ­te Bre­mer­ha­ven, Geest­e­mün­de, Vege­sack und des Lan­des­ge­bie­tes”) ist der Bäcker­meis­ter Hein­rich tom Suden von der Aus­ga­be 1890 bis 1903 nach­weis­bar (https://brema.suub.uni-bremen.de/periodical/titleinfo/928434). Danach führt das Bre­mer Adress­buch Geest­e­mün­de lei­der nicht mehr.

    Die Adres­se für den Bäcker­meis­ter tom Suden wird durch­ge­hend mit Bül­ken­stra­ße 19 ange­ge­ben. Das deckt sich mit dem auf mei­ner Foto­gra­fie (mit Mühe) zu ent­zif­fern­den Schild am Haus. Bül­ken­stra­ße 19 ist also die Adres­se der Bäcke­rei gewe­sen.

    Lei­der konn­te mir mein Schwa­ger das genaue Auf­nah­me­da­tum der anlie­gen­den Foto­gra­fie nicht nen­nen. Außer­dem konn­te ich bis­her noch kei­ne Adress­bü­cher für Geest­e­mün­de nach 1903 ein­se­hen (was ich bald­mög­lichst nach­ho­len will). Ich kann daher bis­her nur einen Nähe­rungs­wert ver­mu­ten: Da sein Groß­va­ter (auf dem Foto Drit­ter von links) 1896 gebo­ren wur­de, wird das Bild kaum weit vor 1920 ent­stan­den sein. Ich ver­mu­te eher um 1930, da die Igeha-Wer­bung links neben der Tür nach mei­nen Recher­chen um 1930 aktu­ell war (sie scheint aller­dings auf dem Foto schon etwas abge­nutzt zu sein, daher ist auch ein noch spä­te­res Datum denk­bar).

    Chris­ti­an Bre­de hat spä­ter eine Bäcke­rei in Wuls­dorf geführt (auch hier muss ich die Umstän­de und Daten noch recher­chie­ren). Zu ver­mu­ten ist, dass auch das Haus Bül­ken­stra­ße 19 in dem von Ihnen erwähn­ten Luft­an­griff am 18. Sep­tem­ber 1944 zer­stört wur­de und Chris­ti­an Bre­de daher nach dem Krieg sei­ne Bäcke­rei in einem unzer­stör­ten (bzw. weni­ger zer­stör­ten) Haus wie­der eröffn­te­te. Die Bäcke­rei wur­de spä­ter von sei­ner Toch­ter Wal­traut Bes­ser (geb. Bre­de) und sei­nem Schwie­ger­sohn Alfons Bes­ser bis zu des­sen Tod im Jahr 1986 wei­ter­ge­führt.

    Erstaun­lich war für mich der Umstand, dass sich in den 20, mög­li­cher­wei­se sogar 30 Jah­ren zwi­schen den bei­den Bil­dern offen­bar sehr wenig am grund­sätz­li­chen Aus­se­hen des Hau­ses geän­dert hat­te: Der Namens­zug des des Geschäf­tes und dar­un­ter der des ehe­ma­li­gen Inha­bers Hein­rich tom Suden sind in gutem Zustand und sehen (bis auf den feh­len­den Punkt am Ende) noch haar­ge­nau so aus, wie 1905. Die Fas­sa­de wirkt unver­än­dert. Ledig­lich die Schil­der links neben dem Ein­gang haben gewech­selt und im Haus­gie­bel drei Anschlüs­se mit Ober­lei­tun­gen (Strom oder Tele­fon?) zu sehen.

    Ich wür­de mich sehr freu­en, eine Nach­richt von Ihnen zu erhal­ten.

    Mit freund­li­chen Grü­ßen
    Frank Rzeppa, M.A.

    • Sehr geehr­ter Herr Rzeppa,

      vie­len Dank für Ihr Schrei­ben, über das ich mich sehr gefreut habe.

      Lei­der habe ich kei­ne wei­te­ren Infor­ma­tio­nen über das von Ihnen genann­te Bild. Mir ist auch der Rech­te­inha­ber nicht bekannt. Ich hat­te es sei­ner­zeit durch eine Glas­schei­be von einer Schau­ta­fel abfo­to­gra­fiert, daher auch die Unschär­fe des Bil­des.

      Ger­ne wür­de ich Ihr Schrei­ben als Kom­men­tar unter mei­nen Arti­kel kopie­ren, mög­li­cher­wei­se liest das ja jemand, der mit wei­te­ren Infor­ma­tio­nen behilf­lich sein kann. Auch könn­te ich, Ihr Ein­ver­ständ­nis vor­aus­ge­setzt, den Inhalt Ihres Schrei­bens in einer Bre­mer­ha­ve­ner Face­book­grup­pe ver­öf­fent­li­chen. In Bre­mer­ha­ven gibt es vie­le Men­schen, die sich mit Ihrer Hei­mat­stadt aus­ein­an­der­set­zen. His­to­ri­ker sind wir aller­dings alle nicht, mehr so Frei­zeit- und Hob­by­sucher. Ich suche mei­ne Infor­ma­tio­nen aus ver­schie­de­nen Quel­len zusam­men und ver­fas­se aus dem bereits Geschrie­be­nen neue Arti­kel. 

      Mög­li­cher­wei­se kann Ihnen auch Frau Rose­ma­rie Blum von der Geschichts­werk­statt Geest­e­mün­de wei­ter­hel­fen. Viel­leicht hat Frau Blum auch Zugriff auf das Ori­gi­nal des Bil­des.
      Auch eine Anfra­ge beim Stadt­ar­chiv Bre­mer­ha­ven kann ich emp­feh­len.

      Das Bild, wel­ches Sie Ihrer Email bei­gefügt haben, ist sehr inter­es­sant. Kön­nen Sie mir die Erlaub­nis ertei­len, es in mei­nen Arti­kel ein­zu­fü­gen?

      Ich hof­fe, ich konn­te Ihnen etwas hel­fen.

      Freund­li­che Grü­ße
      Her­mann Schwie­bert

    • Sehr geehr­ter Herr Schwie­bert,

      vie­len Dank für Ihre freund­li­che Ant­wort und Ihre Hin­wei­se.

      Ger­ne kön­nen Sie das Bild unter Nen­nung mei­nes Namens ver­wen­den (ich neh­me an, dass ich durch die Schen­kung mei­nes Schwa­gers an mich die Rech­te dar­an besit­ze). Auch mein Schrei­ben an Sie kön­nen Sie ger­ne ver­öf­fent­li­chen.

      Wis­sen Sie noch, wo Sie das Bild abfo­to­gra­fiert haben? Ich neh­me an, in einer Aus­stel­lung? Viel­leicht ist das ein wei­te­rer Ansatz­punkt für mich.

      Noch­mals vie­len Dank!
      Freund­li­che Grü­ße

      Frank Rzeppa
      http://www.familienforscher.com/

    • Sehr geehr­ter Herr Rzeppa,
      nach­fol­gend eine Zusam­men­stel­lung ver­schie­de­ner Bre­mer­ha­ve­ner bzw. Geest­e­mün­der Adress­bü­cher:
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      • Sehr geehr­ter Herr Schwie­bert,
        ich bin begeis­tert! Vie­len lie­ben an Sie und Frau Funk.
        Das bestä­tigt im Gro­ßen und Gan­zen mei­ne Annah­me: zumin­dest 1930 hat Chris­ti­an Bre­de sei­ne Bäcke­rei dort geführt. Offen­bar hat er das Gebäu­de von den Erben von Hein­rich tom Suden (A. tom Suden) gemie­tet. 1939 (also schon vor der Zer­stö­rung) hat er sein Geschäft dort offen­bar nicht mehr (wer Bäcker­meis­ter Wil­helm Bre­den war, muss ich noch erkun­den). Mei­ne Foto­gra­fie stammt also ver­mut­lich aus den 1930er Jah­ren. Noch­mals vie­len Dank für die Unter­stüt­zung!
        Bes­te Grü­ße
        Frank Rzeppa

  3. Ich habe im Pasch­vier­tel als Kind bis 1944 gelebt und gespielt.
    durch die­sen Arti­kel erle­be ich vie­le Erin­ne­run­gen.
    Herz­li­chen Dank dafür.
    Ich bin 1934 in Lehe gebo­ren, kurz dar­auf nach Geest­e­mün­de Raa­be­stra­ße 22 gezo­gen.

    • Und ich dan­ke ganz herz­lich für Ihren net­ten Leser­brief. Mög­li­cher­wei­se haben Sie ja Erin­ne­run­gen an das Pasch­vier­tel, die ich für Sie hier ver­öf­fent­li­chen kann. Dann möch­te ich Sie ganz herz­lich dazu ein­la­den, Ihre Gedan­ken auf­zu­schrei­ben und mir ein­fach per Email zuzu­sen­den.
      Lie­be Grü­ße
      Her­mann Schwie­bert

      • Dan­ke für Ihre freund­li­che Ant­wort. Mei­ne Erin­ne­run­gen und Erleb­nis­se wer­den in dem Buch ” Mud­der Mud­der , de Melk kokt över ”
        von Han­na Wolf, beschrie­ben!
        Ich bin der klei­ne Jun­ge mit Stoff­hund im Arm- auf dem Titel­fo­to.
        Gruß: Egon Weihs

        • Ach, das ist ja eine inter­es­san­te Info. Ich habe das Buch gele­sen! Sehr emp­feh­lens­wert. Das Buch kann man sich in der Stadt­bi­blio­thek Bre­mer­ha­ven aus­lei­hen.
          Lie­be Grü­ße
          Her­mann Schwie­bert

  4. Ganz wun­der­ba­rer Arti­kel, dan­ke­schoen

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