Die Marienkirche in Geestemünde – eine wechselvolle Geschichte, Teil 3

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Grab­stät­ten wur­den bereits in der frü­hen Stein­zeit ange­legt. Sie gehö­ren zu den ältes­ten Zeug­nis­sen mensch­li­cher Zivi­li­sa­ti­on. Wur­den in der Anti­ke die Toten an Orten bestat­tet, die sich außer­halb des städ­ti­schen Lebens befan­den, ver­la­ger­te man im Mit­tel­al­ter die Fried­hö­fe in den Bereich der Kir­chen­ge­bäu­de.

1950, ausgebrannte Marienkirche in Geestemünde

Wäh­rend im All­ge­mei­nen nur kirch­li­che Wür­den­trä­ger oder Köni­ge und Fürs­ten in den Genuss kamen, direkt im Kir­chen­ge­bäu­de bestat­tet zu wer­den, hat­te die dama­li­ge “Mit­tel­schicht” immer­hin eine Chan­ce, auf eine Bestat­tung in geweih­ter Erde auf dem Kirch­hof. Exkom­mu­ni­zier­te, Kri­mi­nel­le, Gauk­ler, Tage­die­be und Bett­ler fan­den kei­nen Platz auf dem Kirch­hof. Sie muss­ten sich außer­halb der Stadt­mau­ern zur letz­ten Ruhe bege­ben.

Grabplatte Marienkirche Geestemünde

Eine Lese­rin des “Deich­SPIE­GEL” ließ nicht locker, sie bestand dar­auf, vor dem Krieg auch um die Geest­e­mün­der Mari­en­kir­che her­um Grab­stei­ne gese­hen zu haben. So mach­te ich mich noch­mals auf die Suche nach den Grab­plat­ten und wand­te mich an die Küs­te­rin, die mir freund­li­cher­wei­se die Kir­chen­tür auf­schloss. Und dort habe ich Res­te frü­he­rer Grä­ber ent­deckt.

Grabplatte Marienkirche Geestemünde

Ver­mut­lich sind bei dem gro­ßen Brand in der Bom­ben­nacht vom 18. Sep­tem­ber 1944 auch die umlie­gen­den Grä­ber zer­stört wor­den. Die Küs­te­rin konn­te mir jeden­falls kei­ne Aus­kunft geben, woher die drei Grab­plat­ten stam­men, die im Ein­gangs­be­reich der Mari­en­kir­che auf­ge­stellt wor­den sind.

Grabplatte Marienkirche Geestemünde

Inner­halb der Kir­che wird der Besu­cher gefan­gen von der schlich­ten Schön­heit der goti­schen Archi­tek­tur. Die weiß gekalk­ten Wän­de sehen aus, als hät­ten die Hand­wer­ker erst ges­tern ihre Arbeit voll­endet. Dabei war es bereits das Jahr 1979, in dem das Gewöl­be mit wun­der­schö­nen Orna­men­ten ver­ziert wur­de. Die Fens­ter mit ihrer anti­ken Blei­ver­gla­sung und die dunk­len Kir­chen­bän­ke bil­den einen schö­nen Kon­trast zu den wei­ßen Wän­den. Bestimmt mag die Kir­che vor hun­dert Jah­ren anders aus­ge­schaut haben, als jetzt nach der Besei­ti­gung der Feu­er­schä­den. Aber schön ist sie auch heu­te.

Altar Marienkirche Geestemünde

Lässt der Besu­cher sei­nen Blick schwei­fen, erfasst sein Auge den schlich­ten Altar auf dem sich eine von Pro­fes­sor Karl-Hen­ning See­mann ange­fer­tig­te Plas­tik befin­det. Der Künst­ler hat auch die Bron­ze­plas­tik über der Kir­chen­tür — Arche Noah mit der Frie­dens­tau­be – ange­fer­tigt.

Orgel Marienkirche Geestemünde

Dreht der nun vor dem Altar ste­hen­de Besu­cher sich um und schaut Rich­tung Aus­gang, ent­deckt er über die­sem die mit 16 Regis­tern und wohl 1000 Pfei­fen bestück­te Schleif­la­den­or­gel. Die Pfei­fen die­ser neu­en Orgel konn­te man erst­mals am 6. Okto­ber 1957 in einem Got­tes­dienst hören.

Bei you­tube kann man sich das Kir­chen­ge­läut anhö­ren.

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