Die Görlitzer Kürschnerfamilie Thorer

Die Görlitzer Kürschnerfamilie Thorer

Die Gör­lit­zer Kürsch­nerfami­lie Tho­rer begrün­de­te den welt­wei­ten Rauch­wa­renhan­del in Leip­zig mit der Fir­ma Theo­dor Tho­rer, des­sen Wur­zeln in Gör­litz lagen. Das Gör­lit­zer Monats­jour­nal Stadt­BILD hat in sei­ner Aus­ga­be Nr. 63 vom Sep­tem­ber 2008 einen Auf­satz von Herrn Wolf­gang Stil­ler über die Gör­lit­zer Kürsch­ner­fa­mi­lie Tho­rer veröffentlicht:

Johann Caspar Thorer

Nicht nur so bekann­te Fir­men­grün­der oder Inha­ber wie Lüders, Rau­pach, Fischer, Kör­ner und Krau­se & Söh­ne präg­ten die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Stadt. Auch weni­ger bekann­te Per­sön­lich­kei­ten wie Com­mer­zi­en­rat, Stadt­rat und Stadt­äl­tes­ter Carl Juli­us Geiß­ler (Tex­til­fa­bri­kant) und sein Bru­der Ernst Fried­rich Geiß­ler (Vier­ra­den­müh­le und Braun­koh­len­gru­be Berzdorf), die Kauf­leu­te Adolph Webel und Stadt­rat Felix Webel — um nur eini­ge zu nen­nen — soll­ten nicht in Ver­ges­sen­heit geraten.

Eine sol­che Fami­lie, die auch in der Stadt Gör­litz Beacht­li­ches geleis­tet hat, ist die Gör­lit­zer Kürsch­ner­fa­mi­lie Tho­rer. Die Fami­lie Tho­rer lässt sich bis 1618 zurück­ver­fol­gen. Ihr Ursprung liegt in Gera.

Tobias Friedrich Thorer auf Wanderschaft nach Görlitz

Ein Sohn von Johann Cas­par Tho­rer, Kürsch­ner­meis­ter in Gera (1698 — 1768), kam im Rah­men sei­ner Wan­der­schaft nach Gör­litz. Es war der Kürsch­ner­ge­sel­le Tobi­as Fried­rich Tho­rer (21.4.1732 — 22.5.1800).

Die Stadt mach­te auf ihn einen so wenig güns­ti­gen Ein­druck, dass er erklär­te, kei­ne 24 Stun­den blei­ben zu wol­len. Er muss aber bald ande­rer Ansicht gewor­den sein, denn als der Kürsch­ner­meis­ter Pabstlö­be nach der Her­ber­ge um einen Gesel­len schick­te, nahm er nicht nur die Stel­le an, son­dern ver­hei­ra­te­te sich auch im April 1755 mit des­sen Toch­ter und ließ sich als Kürsch­ner­meis­ter in Gör­litz nie­der. Durch aus­ge­zeich­net fach­li­ches Kön­nen wur­de er als Oberäl­tes­ter der Kürsch­ner­meis­ter in Gör­litz gewählt. 

Fischmarkt 8

Sei­ne Werk­statt befand sich am Fisch­markt 8. Fisch­markt 8 bestand ursprüng­lich aus zwei Häu­sern, näm­lich den Hypo­the­ken-Num­mern 57 und 58. Im öst­li­chen Haus (Hypo­the­ken-Num­mer 57) wohn­te Tobi­as Fried­rich Thorer.

Aus sei­ner Ehe gin­gen vier Söh­ne her­vor. Von die­sen waren drei Kürsch­ner­meis­ter in Görlitz:

Ima­nu­el Fried­rich Tho­rer (26.4.1772 — 19.3.1813) über­nahm das Geschäft sei­nes Vaters. Ima­nu­el ehe­lich­te Johan­ne Chris­tia­ne Geiß­ler, die Toch­ter des Tuch­wal­kermeis­ters Johann Gott­fried Geiß­ler (1734 — 1808). Johann Gott­fried Geiß­ler war der Groß­va­ter des Tuch­fa­bri­kan­ten Com­mer­zi­en­rat, Stadt­rat und Stadt­äl­tes­ten Carl Samu­el Geiß­ler und des­sen Bru­der Ernst Fried­rich Geiß­ler, Inha­ber der Vier­ra­de­müh­le und des Braun­koh­le­wer­kes Berzdorf.

Handwerk 7

Carl Hein­rich Tho­rer (24.8.1756 — 23.4.1833), Kürsch­ner­meis­ter, war ein wei­te­rer Sohn von Tobi­as Fried­rich Tho­rer. Er war ver­ehe­licht mit Sophie Eleo­no­re, gebo­re­ne Schüs­s­ler. Sei­ne Kürsch­ner­fir­ma begrün­de­te er im Hand­werk 7 (Hypo­the­ken-Num­mer 362). Die­ses Geschäft hat er gemein­sam mit sei­nem Sohn Natha­na­el Hein­rich Tho­rer (19.5.1801 — 30.8.1849) betrie­ben. Natha­na­el war eben­falls Ältes­ter der Kürsch­ner­meis­ter in Görlitz.

Samuel Timotheus Fürchtegott Thorer studierte Medizin

Der zwei­te Sohn von Carl Hein­rich Tho­rer war Samu­el Timo­theus Fürch­te­gott Tho­rer, (25.4.1785 — 25.6.1846). Die­ser besuch­te zunächst das Gym­na­si­um in Gör­litz. Nach dem Abitur begab er sich 1815 auf die Uni­ver­si­tät Leip­zig und stu­dier­te Medi­zin. Er nahm auch Vor­le­sun­gen in Bota­nik, Zoo­lo­gie, Mine­ra­lo­gie, Che­mie, Phy­sik und Phi­lo­so­phie wahr.

Um sei­ne prak­ti­sche Aus­bil­dung zu voll­enden, ging er Ende 1817 nach Ber­lin und lern­te bei Hufe­land, Horn und Lie­bold. Das medi­zi­nisch-chir­ur­gi­sche Examen bestand er am 12.5 1918 mit vor­züg­li­chem Ergeb­nis. Im glei­chen Jahr erwarb er auch den Doktortitel.

Zurück­ge­kehrt nach Gör­litz ließ sich Dr. Tho­rer als prak­ti­scher Arzt, Ope­ra­teur und Geburts­hel­fer nie­der. Er bedien­te sich auch zuneh­mend der homöo­pa­thi­schen Heil­me­tho­de, zu der sich ver­schie­de­ne Ärz­te Schle­si­ens  und der Ober­lau­sitz zu einem Ver­ein zusam­men­schlos­sen. In sei­ner Eigen­schaft als Vor­sit­zen­der die­ses Ver­ei­nes publi­zier­te er meh­re­re Bän­de Fachbücher.

Er begrün­de­te eine Fami­lie mit Anna Caro­li­ne gebo­re­ne Eich­holz. Aus die­ser Ehe gin­gen zwei Töch­ter hervor.

Dr. Tho­rer wur­de 1820 Mit­glied der Ober­lau­sit­zi­schen Gesell­schaft der Wis­sen­schaf­ten zu Gör­litz. Er wur­de bald danach Mit­glied des die Ver­wal­tung lei­ten­den Aus­schus­ses der Gesell­schaft. Im Jah­re 1833 wur­de Dr. Tho­rer Direk­tor der Gesell­schaft. Die­ses Amt führ­te er durch Wie­der­wahl bis zum Jah­re 1841 aus. Dr. Tho­rer gab ver­schie­de­ne Fach­bei­trä­ge her­aus, und es befin­den sich im Neu­en Lau­sit­zi­schen Maga­zin (NLM) zahl­rei­che Ver­öf­fent­li­chun­gen. Dr. Tho­rer ver­starb am 25. Juni 1845. Er wur­de am 28. Juni auf dem Nico­lai- Fried­hof beigesetzt.

Mitglied der Kürschnerfamilie Thorer wurde zum Stadtältesten ernannt

Ernst Friedrich Thorer

Aus der Ehe von Imma­nu­el Fried­rich Tho­rer gin­gen eben­falls 3 Söh­ne hervor.

Sein Sohn Ernst Fried­rich Tho­rer (20.3.1799 — 1.7.1878) erfreu­te sich einer güns­ti­gen Ver­mö­gens­la­ge. Er genoss nicht nur bei den Mit­glie­dern der Kürsch­ne­r­in­nung, die ihn zum Ältes­ten der Kürsch­ner­meis­ter ernann­ten, gro­ßes Anse­hen. Auch bei der Gör­lit­zer Bür­ger­schaft im all­ge­mei­nen, da er als Mit­glied des Magis­trats der Stadt an der Ver­wal­tung sei­ner Hei­mat­stadt sehr regen Anteil nahm. Sei­ne Ver­diens­te wur­den dann auch durch die Ernen­nung zum Stadt­äl­tes­ten aner­kannt. Ernst Fried­rich erwarb im Jah­re 1825 das Grund­stück Brü­der­stra­ße 15 mit der Hypo­the­ken-Num­mer 15, und er bau­te das gan­ze Haus um. Im Jah­re 1843 kauf­te Ernst Fried­rich das Grund­stück Ober­markt 6/Ecke Stein­stra­ße. Bis 1803 war die­ses Gebäu­de ein ein­drucks­vol­ler Barock­bau (erbaut um 1680). 1803 fie­len die Gie­bel. Im Jah­re 1844 bau­te Ernst Fried­rich Tho­rer die­ses Gebäu­de von Grund auf neu, so wie es heu­te noch steht.

Brüderstraße 15

Im Jah­re 1854 wur­de das Grund­stück an sei­nen Sohn Theo­dor Ernst Tho­rer (26.5.1828 — 30.3.1894) ver­kauft. Die­ser ver­kauf­te das Grund­stück 1863 an sei­nen Schwa­ger, den Kauf­mann Fer­di­nand Walter.

Zugleich waren durch den Umbau von Ober­markt 6 auch die Grund­stü­cke Stein­stra­ße 1 und Stein­stra­ße 2 in sei­nen Besitz gelangt. Die letz­te Woh­nung von Ernst Fried­rich befand sich Grü­ner Gra­ben 9.

Obermarkt Ecke Steinstraße Kürschnerfamilie Thorer

Dabei läßt sich bei Richard Jecht in sei­ner Topo­gra­phie auf Sei­te 641 fol­gen­de Epi­so­de nach­le­sen: “Als im Jah­re 1848 die obe­re Lan­gen­gas­se durch Abbruch der Stadt­mau­er eine Öff­nung nach Wes­ten erhielt, da fass­ten weit­sich­ti­ge Män­ner wie Mau­rer­meis­ter Kieß­ler, Kürsch­ner­meis­ter Tho­rer, Stef­fel­bau­er und Ernst Her­mann Beschee­rer (Braue­rei­be­sit­zer Son­nen­stra­ße, jet­zi­ges Finanz­amt) den Ent­schluss, eine nähe­re Ver­bin­dung nach der Teich- und Brun­nen­stra­ße her­zu­stel­len. Sie lie­ßen beim Bau ihrer Häu­ser in den Jah­ren 1857 — 1862 für eine regel­mä­ßi­ge Stra­ßen­an­la­ge Raum und wand­ten sich 1860 an den Magis­trat um Ein­rich­tung einer öffent­li­chen Stra­ße (Son­nen­stra­ße).

Der Magis­trat erkann­te kein öffent­li­ches Bedürf­nis einer Stra­ße und ließ zeit­wei­se die Stra­ße für den öffent­li­chen Ver­kehr sper­ren und stell­te noch schwers­te Bedin­gun­gen an deren Anlie­ger. Da der Magis­trat eine öffent­li­che Benen­nung der Stra­ße ver­wei­ger­te, wur­de die­se durch die Bau­her­ren Pri­vat­stra­ße genannt. Erst im Jah­re 1868 fin­det man im Adress­buch den Namen Son­nen­stra­ße. Damit muß sich die Fami­lie Tho­rer als eine der vier Bau­her­ren an der Ein­rich­tung der Son­nen­stra­ße betei­ligt haben.

Folgt man dem Gör­lit­zer Hypo­the­ken­ver­zeich­nis von 1855, so wer­den auch für die Grund­stü­cke Grü­ner Gra­ben Num­mer 2 — 9 als Besit­zer Thorer/Frenzel ange­ge­ben. Wei­te­re Grund­stü­cke — wie bereits genannt Ober­markt 6, Stein­stra­ße 1, Schan­ze 14 und Som­mer­gas­se 4 — waren im Besitz die­ser Fami­lie (Som­mer­gas­se seit 1871 Moltkestraße).

Ecke Steinstraße Kürschnerfamilie Thorer

Ernst Fried­rich Tho­rer, noch rüs­tig in den bes­ten Man­nes­jah­ren, über­gab im Jah­re 1853 das Geschäft sei­nem Sohn, dem Kürsch­ner­meis­ter Theo­dor Ernst Tho­rer (26.5.1828 — 30.3.1894). Grün­de der Geschäfts­über­ga­be waren unter ande­rem die Ansprü­che, wel­che ande­re Unter­neh­mun­gen und sei­ne gemein­nüt­zi­ge Tätig­keit an sei­ne Per­son stell­ten. Ande­rer­seits woll­te er dem Ver­lan­gen sei­nes Soh­nes ent­ge­gen­wir­ken, nach Ame­ri­ka aus­zu­rei­sen, und ihn somit an sei­ne Hei­mat fesseln.

Theodor Ernst Thorer hatte das bedeutendste Geschäft am Platz 

Das Kürsch­ner­ge­schäft war das bedeu­tends­te in Gör­litz. Es betrieb nicht aus­schließ­lich die Kürsch­ne­rei son­dern ver­sorg­te auch die Kürsch­ner­meis­ter in Gör­litz und Umge­bung mit Rauch­wa­ren. Zu deren Ein­käu­fen hat­te schon sein Vater Ernst Fried­rich die Leip­zi­ger Mes­se regel­mä­ßig besucht.

Theo­dor Ernst hat­te sei­ne Aus­bil­dung nicht nur in der Hei­mat son­dern auch in frem­den Län­dern — vor allem in Frank­reich und Eng­land — genos­sen. In einem Brief an sei­nen Vater vom 27. Juni 1831 berich­te­te er von sei­nen Erleb­nis­sen auf sei­nen Stu­di­en­rei­sen, die ihn nach Lon­don, Lyon, Turin und Mai­land sowie über Vene­dig, Tri­est und Wien führten.

Nach der Geschäfts­über­nah­me besuch­te Theo­dor im Herbst 1853 erst­mals auf eige­ne Rech­nung die Leip­zi­ger Mes­se. Im dar­auf fol­gen­den Jah­re, genau 100 Jah­re nach­dem sein Urgroß­va­ter Tobi­as von Gera nach Gör­litz über­ge­sie­delt war, fuhr er von Gör­litz nach Gera, um Emma Hoff­mann als sei­ne Ehe­frau heimzuführen.

Theodor Ernst Thorer

Sei­ne Ehe­frau war eben­falls an der guten Ent­wick­lung des Geschäfts betei­ligt. Ins­ge­samt gebar sie 8 Kin­der, 7 Söh­ne und eine Toch­ter (4 davon in Gör­litz gebo­ren). An ihrem Lebens­abend kam sie in den Genuss von 7 Enkeln und 5 Urenkeln.

Die Freun­de von Theo­dor Tho­rer hat­ten ihren Weg nach Kana­da genom­men und sich in Mont­re­al ansäs­sig gemacht, wel­ches sich spä­ter als Glücks­um­stand für Theo­dor Ernst erwei­sen soll­te. In Mont­re­al grün­de­ten sie die Fir­ma Hae­us­gen & Gna­edin­ger, wel­che sich mit der Fabri­ka­ti­on von Pelz­werk im Groß­be­trieb befass­te. Zur Beschaf­fung ihres Bedarfs an euro­päi­schen und asia­ti­schen Fel­len wand­ten sich die­se an ihren Freund Theo­dor in Gör­litz. Das ver­an­lass­te ihn zu wei­te­ren Rei­sen, vor­nehm­lich nach Leipzig.

Die stän­di­gen Rei­sen berei­te­ten der Füh­rung sei­nes Geschäfts durch län­ge­re Abwe­sen­heit grö­ße­re Pro­ble­me. Hin­zu kam, ein Kürsch­ner­ge­schäft zur dama­li­gen Zeit in einer Pro­vinz­stadt zu füh­ren, stell­te kei­ne gro­ßen Ansprü­che. Und Theo­dor genoss auf sei­ne vie­len Rei­sen das Flair der Groß­städ­te Euro­pas mit ihren groß­zü­gi­gen Ver­hält­nis­sen. All das ver­an­lass­te ihn, das vom Vater über­nom­me­ne Geschäft 1862 an sei­nen Werk­füh­rer zu über­ge­ben, der es noch vie­le Jah­re unter der Fir­ma J. Wag­ner, Theo­dor Tho­rer Nachf. in Gör­litz führte.

Kürschnerfamilie Thorer begründet weltweites Unternehmen

Theo­dor Tho­rer selbst aber sie­del­te 1862 mit Frau und 4 Kin­dern noch vor der Oster­mes­se (die Leip­zi­ger Rauch­wa­ren­mes­se fand immer zu Ostern statt) nach Leip­zig-Goh­lis über. In Leip­zig eröff­ne­te er anfäng­lich in der Rauch­wa­ren­hal­le die Rauch­wa­ren­fir­ma Theo­dor Tho­rer, die sich als­bald zu einem welt­wei­ten Unter­neh­men ent­wi­ckel­te, wie ich an spä­te­rer Stel­le berich­ten werde.

Die ein­gangs genann­te Freund­schaft nach Kana­da ent­wi­ckel­te sich in der Fol­ge­zeit zu engen Geschäfts­be­zie­hun­gen. So erhielt Theo­dor von sei­nen Freun­den kana­di­sche Fel­le in Gegen­rech­nung, nament­lich Bisam, Biber, Otter, Ner­ze und Zobel. In den kom­men­den Jah­ren ent­wi­ckel­te sich aber vor­ran­gig der Per­sia­ner­pelz­han­del (Kara­kul- und Astra­cha­ner­scha­fe und Breit­schwän­ze) zum Hauptgeschäft.

Der Bedarf dazu wur­de auf Mes­sen in Nisch­nij-Now­go­rod und Mos­kau, aber auch direkt aus Buch­a­ra, Astra­chan und Afgha­ni­stan gedeckt. (Die Haupt­zucht­ge­bie­te lie­gen in Zen­tral­asi­en in Usbe­ki­stan — Buch­a­ra — Turk­me­ni­stan, in Tei­len von Tadschi­ki­stan — in Euro­pa aber auch in der Ukrai­ne und in Mol­da­wi­en, in Afgha­ni­stan sind die Haupt­zucht­ge­bie­te in den Pro­vin­zen Anhol, Masar-i-Sche­rif, Mai­me­ne, Schi­berg­han, Acht­scha, Tasch­kurg­han, Kun­dus und Herat.) So betrug die Gesamt­ein­fuhr von Rauch­wa­ren auf dem Han­dels­platz Leip­zig um 1864 160 Mil­lio­nen Mark, und dar­an hat­ten asia­ti­sche Per­sia­ner­fel­le einen Anteil von 1.100.000 Stück.

Firmensignet Theodor Thorer

Paul Albert Thorer übernimmt die Geschäfte

In der Fol­ge­zeit tra­ten die Söh­ne von Theo­dor in das Geschäft ein:

Zunächst der ältes­te Ernst Alfred, 1855 in Gör­litz gebo­ren und 1910 in Leip­zig-Leutsch verstorben.
1875 hat­te sich sein zweit­äl­tes­ter Sohn Kurt Theo­dor, 1856 in Gör­litz gebo­ren (gestor­ben 14.11.1918), im Geschäft als Teil­ha­ber betätigt.
Ostern 1876 trat der drit­te Sohn Paul Albert, am 5.3.1858 eben­falls in Gör­litz gebo­ren, als Teil­ha­ber in die Fir­ma ein.

Um sei­ne Geschäf­te in Russ­land ordent­lich füh­ren zu kön­nen, erlern­te Paul Albert die rus­si­sche Spra­che und fuhr 1881 zum ers­ten Male zur Rauch­wa­ren­mes­se nach Nisch­nij-Now­go­rod zum Ein­kauf. Nach­dem sei­ne 3 ältes­ten Söh­ne am 1. August 1883 als Teil­ha­ber der Fir­ma ein­ge­tra­gen wur­den, zog sich Theo­dor Tho­rer am 27. Mai 1892 in das Pri­vat­le­ben zurück.

In der Fol­ge­zeit zogen sich auch die älte­ren Geschwis­ter aus dem Unter­neh­men zurück, so dass die gesam­te Last des Geschäfts auf den allein ver­blie­be­nen Paul Albert gefal­len ist. Für sei­ne Ver­diens­te bei der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung im König­reich Sach­sen wur­de Paul Albert Tho­rer vom Säch­si­schen König mit dem Titel König­li­cher Kom­mer­zi­en­rat geehrt.

In der Fol­ge­zeit ent­wi­ckel­te sich die Fir­ma zu einem wich­ti­gen Unter­neh­men im welt­wei­ten Rauch­wa­ren­han­del mit Nie­der­las­sun­gen in New York und Lon­don und Ver­tre­tun­gen in Ber­lin, Wien, Lon­don, Paris, Mai­land und Brüs­sel. Erwäh­nens­wert wäre noch, dass sich die Fir­ma Theo­dor Tho­rer gro­ße Ver­diens­te damit erwor­ben hat, mit Ori­gi­nal-Zucht­ma­te­ri­al von Kara­kul-Scha­fen (Per­sia­ner) aus Buch­a­ra in der dama­li­gen deut­schen Kolo­nie Süd­west­afri­ka die­se Ras­se ein­zu­bür­gern und zu züch­ten. Dank der guten Bezie­hun­gen des deut­schen Kai­sers zum rus­si­schen Zaren wur­den nach und nach 820 Kara­kul-Mut­ter­scha­fe und Böcke aus Usbe­ki­stan nach Deutsch-Süd­west­afri­ka geliefert.

Nach anfäng­li­chen Rück­schlä­gen ent­wi­ckel­te sich die Per­sia­ner­zucht in Süd­afri­ka sehr erfolg­reich. Das Export­vo­lu­men an Fel­len betrug bis zu 25% der Gesamt­ex­port­ergeb­nis­se des Lan­des. Dies war auch für den Leip­zi­ger Rauch­wa­ren­markt wäh­rend des und nach dem 1. Welt­krieg von außer­or­dent­li­cher Bedeu­tung, da von den ange­stamm­ten Märk­ten Russland/Sowjetunion zunächst kei­ne Waren­ein­käu­fe mehr erfol­gen konn­ten. Die­ses Geschäft begann sich erst Mit­te bis Ende der 20er Jah­re des 20. Jahr­hun­derts zu stabilisieren.

Paul Albert Thorer

Noch heu­te ist die Kara­kul­zucht und ‑hal­tung ein wich­ti­ger Zweig der Land­wirt­schaft von Nami­bia. 1969 erreich­te die nami­bi­sche Pro­duk­ti­on mit 3,5 Mil­lio­nen Fel­len (= 40 % der Welt­pro­duk­ti­on) ihren Höhe­punkt. Es gibt in Nami­bia etwa 2.500 Far­men mit Karakulschafzucht.

In der Fol­ge­zeit wur­de die Fir­ma Rauch­wa­ren­han­del Theo­dor Tho­rer von den Enkeln, Schwa­ger und Uren­keln des Fir­men­grün­ders Theo­dor Tho­rer  erfolg­reich weitergeführt.

So schließt sich der Kreis der Kürsch­ner­fa­mi­lie Tho­rer, der mit Tobi­as Fried­rich Tho­rer um die Mit­te des 18. Jahr­hun­derts in Gör­litz sei­nen Anfang nahm.

Eine Nach­be­mer­kung zur Kürsch­ner­fa­mi­lie Thorer:
Die Fir­ma Tho­rer sie­del­te 1945 von  Leip­zig nach Offen­bach über. Sie split­te­te sich nach dem Umzug in zwei Geschäfts­zwei­ge auf: Eine Rauch­wa­ren­zu­rich­te­rei (Ger­be­rei) in Offen­bach und in einen Rauch­wa­ren­han­del, der in Frank­furt am Main sei­nen Sitz hat­te. Dazu gab es zahl­rei­che Filia­len bei­der Zwei­ge in Deutschland

Paul Albert Thorer in Buchara

und im Aus­land (New York, Süd­afri­ka u.v.a.m.) und meh­re­re Betei­li­gun­gen zum Bei­spiel an der legen­dä­ren Hudson’s Bay Com­pa­ny in Kana­da. In den 1990er Jah­ren brach die Pelz­hys­te­rie aus, und kaum eine Frau konn­te es sich mora­lisch noch leis­ten, Pel­ze zu tra­gen. Damit brach auch das Pelz­ge­schäft der Fir­ma Tho­rer zusam­men, und die­se Fir­ma Tho­rer & Co wur­de nach fast 400 Jah­ren liquidiert.
Quel­len:
Richard Jecht: Topo­gra­phie der Stadt Görlitz
Tho­rer: 300 Jah­re Fami­lie Tho­rer, 1912, Leip­zig Eigen­ver­lag (Ober­lau­sit­zi­sche Biblio­thek der Wis­sen­schaf­ten Görlitz)
Tho­rer: 325 Jah­re Fami­lie Tho­rer, 1937, Leip­zig Eigen­ver­lag (Axel Tho­rer, stell­vertr. Chef­re­dak­teur der Zeit­schrift “BUNTE”)
Nach­druck über die Kürsch­ner­fa­mi­lie Thorer
Text und Bil­der mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Stadt­BILD-Ver­la­ges Gör­litz und Herrn Wolf­gang Stiller

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