Verpestete Luft in Bremerhaven und Venedig

Lang­sam bewegt sich der Luxus­li­ner in der Lagu­ne durch Vene­digs Alt­stadt. Hoch oben an der Reling ste­hen die Pas­sa­gie­re und bewun­dern von ihrem Logen­platz die alt­ehr­wür­di­ge Archi­tek­tur der Stadt.  Ein schö­nes Bild für die Gäs­te dort oben an Deck. Weni­ger schön ist aller­dings der Geruch nach ver­brann­tem Öl, der unten an Land den Ein­woh­nern in die Nase steigt.

Kreuzfahrtschiff

Fast alle gro­ßen Schif­fe ver­bren­nen haupt­säch­lich bil­li­ges Schwer­öl. Bei der Ver­bren­nung wer­den Schad­stof­fe wie Schwe­fel­oxi­de, Stick­oxi­de, Ruß, Blei, Arsen und Queck­sil­ber frei. Besat­zun­gen, Hafen­ar­bei­ter und Küs­ten­be­woh­ner atmen die­se Gif­te ein.

Aber nicht nur Vene­dig wird von den Kreuz­fahrt­schiffen mit den gif­ti­gen Gasen ein­ge­ne­belt. Die See­stadt Bre­mer­ha­ven ist glei­cher­ma­ßen betrof­fen. “Ein Kreuz­fahrt­schiff bläst etwa so vie­le Schad­stof­fe in die Luft wie 50.000 Autos”, soll der NABU-Bun­des­ver­band behaup­tet haben. Und der Bund für Umwelt und Natur­schutz (BUND) macht Druck und for­dert von der Bre­mi­schen Lan­des­re­gie­rung ent­spre­chen­de Vor­schrif­ten, um die Men­schen vor den Abga­sen der Schif­fe im Hafen zu schüt­zen? Es sind nicht nur die Kreuz­fahrt­schif­fe, die die Umwelt belas­ten. Auch die Con­tai­ner­schif­fe an der Strom­ka­je pus­te­ten ihre Abga­se in die Stadt und belas­te­ten glei­cher­ma­ßen die Anwohner.

Natür­lich darf man bei aller Kri­tik nicht ver­ges­sen, dass der Waren­um­schlag Arbeits­plät­ze bedeu­tet. Auch die Tou­ris­ten­strö­me, die sich aus den Kreuz­fahrt­schif­fen in die Innen­stadt ergie­ßen, bele­ben den Han­del. Wie aber kann man den wirt­schaft­li­chen Vor­teil mit den umwelt­schäd­li­chen Nach­tei­len in Ein­klang bringen?

Seit Anfang 2010 ist für Schif­fe, die in Häfen der EU anle­gen, der Schwe­fel­ge­halt in ihrem Treib­stoff auf 0,1 Pro­zent begrenzt. Das ist noch eine Men­ge. Die­sel-Pkw dür­fen nur einen Schwe­fel­an­teil von 0,001 Pro­zent ausstoßen.

In naher Zukunft wird sich an dem Dilem­ma ver­mut­lich nicht viel ändern. Der Umwelt­ver­band soll alle 20 der bis 2016 für den euro­päi­schen Markt vom Sta­pel lau­fen­den Kreuz­fahrt­schif­fe auf ihre Abgas­tech­nik und deren Aus­wir­kun­gen auf Kli­ma, Umwelt und Gesund­heit hin unter­sucht haben. So soll auch in den kom­men­den Jah­ren kaum ein Kreuz­fahrt­schiff in Euro­pa unter­wegs sein, das aus Gesund­heits- und Umwelt­sicht emp­foh­len wer­den kann.

Mei­nen Recher­chen zufol­ge gibt es vie­le Mei­nun­gen zu die­sem kom­ple­xen The­ma, viel Pro und viel Kon­tra. Ich selbst habe mir noch kei­ne abschlie­ßen­de Mei­nung gebil­det. Grund­sätz­lich hal­te ich es aber für wich­tig, die Redu­zie­rung von Schiffs­ab­ga­sen nicht mehr nur zu dis­ku­tie­ren son­dern die in den ver­gan­ge­nen Dis­kus­sio­nen gene­rier­ten Ergeb­nis­se umzu­set­zen, und zwar für Kreuz­fahrt- und Con­tai­ner­schif­fe gleichermaßen.

Quel­len und wei­te­re Informationen:
cruisetricks.de
nabu.de
heise.de

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